Aidsprozess Libyen: Todesurteil gegen Krankenschwestern aufgehoben
zuletzt aktualisiert: 17.07.2007 - 20:32Tripolis (RPO). Im Fall der in Libyen verurteilten fünf bulgarischen Krankenschwestern und eines Arztes sind nach offiziellen Angaben die Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt worden.
Dies habe der Oberste Justizrat Libyens in letzter Instanz entschieden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Dienstagabend von einem Behördenvertreter in Tripolis, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die Angeklagten könnten demnach ihre Haftstrafe in ihrer Heimat verbüßen; Libyen und Bulgarien schlossen in den 80er Jahren ein Auslieferungsabkommen.
Die sechs Verurteilten sitzen seit 1999 in libyschen Gefängnissen. Sie wurden von libyschen Gerichten für schuldig befunden, in einem Krankenhaus in Benghasi 438 Kinder mit dem Aids-Virus infiziert zu haben. Die Familien der an Aids erkrankten Kinder hatten am Dienstag ihre Forderung nach der Todesstrafe fallengelassen, nachdem Entschädigungsforderungen in Millionenhöhe erfüllt worden waren.
Die fünf Bulgarinnen arbeiteten bei ihrer Verhaftung 1999 teils schon seit Jahren in Libyen. Sie hatten ihre Heimat zumeist verlassen, weil sie in Libyen mehr Geld verdienten. Auch die Familie des Arztes palästinensischer Herkunft lebte seit langem in dem nordafrikanischen Land.
Er erhielt kürzlich die bulgarische Staatsangehörigkeit. Die Verurteilten hatten wiederholt ihre Unschuld beteuert und geklagt, ihre Geständnisse seien unter Folter erzwungen worden. Aids-Experten verwiesen darauf, die Kinder seien bereits vor Ankunft der sechs Verurteilten in dem Krankenhaus mit dem Aids-Virus infiziert gewesen.
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