Pakistan: Tote bei Anschlag auf Polizeistation
zuletzt aktualisiert: 27.05.2009 - 14:25Lahore (RPO). Ein verheerender Bombenanschlag in der ostpakistanischen Stadt Lahore hat am Mittwoch rund 30 Menschen das Leben gekostet. Mindestens 250 weitere wurden nach Behördenangaben verletzt. Innenminister Rehman Malik äußerte die Vermutung, dass es sich um einen Racheakt islamischer Extremisten für die Offensive der Regierungstruppen gegen die Taliban im Nordwesten des Landes handelt.
Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Zu der Tat, einem der schwersten Anschläge in Pakistan seit Jahresbeginn, bekannte sich zunächst niemand.
Die Autobombe explodierte in einem belebten Geschäftsviertel vor einem Gebäude mit Büros von Polizei und Geheimdienst. Zunächst stiegen mehrere mit Gewehren bewaffnete Männer aus einem Auto und schossen auf das Gebäude, wie die Behörden mitteilten. Als die Wachleute das Feuer erwiderten, lösten die Angreifer eine starke Explosion aus.
Bei der Detonation stürzte ein Gebäude der Polizei ein, umliegende Häuser wurden schwer beschädigt. "Bei der Explosion wurde alles schwarz vor meinen Augen", sagte der Zeuge Muhammad Ali. "Die Art der Explosion, dann die Schüsse - es wirkte wie eine Schlacht."
Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie ein Mann in schwarzem Hemd vom Tatort abgeführt wurde. Innenminister Malik sagte: "Die Terroristen wurden im Swat-Tal und in den Stammesgebieten besiegt, und nun sind sie hierher gekommen."
Es war bereits der dritte große Anschlag in Lahore, der zweitgrößten Stadt Pakistans, in diesem Jahr. Im März griffen Bewaffnete in der Innenstadt das Kricket-Team aus Sri Lanka an und erschossen sieben Menschen. Kurz darauf wurde eine Polizeiwache überfallen; während einer achtstündigen Schießerei wurden mindestens zwölf Menschen erschossen. Taliban-Führer Baitullah Mehsud bekannte sich zu der Tat.
Truppen sehen Taliban im Swat-Tal vor Niederlage
Die Streitkräfte hatten ihre Offensive gegen die Taliban im Swat-Tal im vergangenen Monat begonnen, nachdem sich die militanten Kämpfer der Hauptstadt Islamabad bis auf 100 Kilometer genähert hatten. Seitdem wurden nach Militärangaben mehr als 1.000 Taliban getötet und mehrere Landstriche zurückerobert. Allerdings führten die blutigen Gefechte auch dazu, dass rund 1,9 Millionen Zivilpersonen fliehen mussten.
Die Regierungstruppen sehen die Taliban im umkämpften Swat-Tal inzwischen am Rande einer Niederlage. Die Extremisten seien aus der Ortschaft Piochar vertrieben worden, und die Stadt Mingora werde binnen drei Tagen zurückerobert, erklärten die Streitkräfte am Mittwoch. Zwei weitere Gebiete, Sultanwas und Mohmand, seien mittlerweile von den Taliban befreit, und die geflüchteten Einwohner könnten nach Haus zurückkehren.
Die Islamisten hatten am Montag angekündigt, sie wollten die Regierungstruppen in Mingora nicht mehr angreifen, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Weiter hieß es jedoch auch, dies sei ein langer Kampf und die Taliban würden ihn fortsetzen, bis ein islamisches System durchgesetzt sei.
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