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Einsamer Tod bewegt Gemeinde
Tote Frau lag 18 Monate unentdeckt in ihrer Wohnung

Tote Seniorin lag rund eineinhalb Jahre unentdeckt in ihrer Wohnung
FOTO: dpa, cch fpt
Lohfelden . Eine Frau stirbt 2014 in ihrem Bett. Allein. Sie ist alt und niemand vermisst sie. Ein Wasserschaden macht auf die Frauenleiche aufmerksam. Die Gemeinde ist betroffen.

Mitten im Ort hat die alte Dame gelebt - und war doch ganz allein. Bis zu ihrem Tod soll sie ihre Tage in Lohfelden bei Kassel völlig zurückgezogen verbracht haben. Dass die Leiche erst nach rund eineinhalb Jahren entdeckt worden ist, schockiert die kleine Gemeinde.

"Wir machen viel für ältere Menschen", sagt der stellvertretende Bürgermeister und Erste Beigeordnete, Klaus Steffek (SPD), am Mittwoch. Die Frau habe aber offenbar keinerlei Kontakte gepflegt.
Sie sei auch nie zu angebotenen Veranstaltungen gekommen, sonst wäre vielleicht ihr Fehlen bemerkt worden.

Durch Wasserschaden wurde Leiche gefunden 

Die endgültige Identifizierung der Toten ist noch nicht abgeschlossen, die Ermittler gehen aber davon aus, dass es sich um eine Frau handelt, die im Alter von 87 Jahren starb. Die Seniorin, die keine Angehörige hatte, lag nach ersten Erkenntnissen 15 bis 18 Monate lang tot in ihrem Bett. Die skelettierte Leiche wurde Ende November gefunden, wie erst am Dienstagabend bekannt wurde. Ein Wasserschaden beim Nachbarn brachte das Schicksal der Frau ans Licht - ein Schlüsseldienst musste deswegen ihre Wohnung öffnen.

Hinweise, dass etwas nicht stimmt, gab es allerdings schon früher: So stapelte sich etwa die - wenn auch rare - Post der Frau im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses. Dem Briefträger bleibe nichts anderes übrig, als die Sendungen weiterhin zuzustellen, alles andere wäre Postunterdrückung, sagt ein Postsprecher. Ob der Austräger einen Verdacht schöpfte und in irgendeiner Weise tätig wurde, wisse er nicht.

Niemand kannte sie 

Ein Nachbar berichtet derweil, dass er die Frau nie zu Gesicht bekommen habe. Der Mann wohnt nach eigenen Angaben seit gut zehn Jahren im Fachwerkhaus nebenan. "Die kannte wahrscheinlich niemand." Der Vermieter der Wohnung habe einem Bekannten erzählt, dass die Frau nie das Haus verlassen habe. Ohne Ankündigung habe sie nie die Tür geöffnet. Einem weiteren Mann von nebenan tut der Fall nach eigenen Worten einfach nur leid: "Ich kannte sie nicht, habe sie nie gesehen."

Auf dem Parkplatz eines nahe gelegenen Textilmarktes zeigt sich eine Lohfeldenerin schockiert: "Ich kann es einfach nicht verstehen. Da wohnen doch so viele Leute drin." Man müsse doch auch gerochen haben, dass dort eine Leiche liege. Dann erzählt sie noch: In einem anderen Ortsteil sei vor zig Jahren schon einmal jemand erst nach einiger Zeit tot aufgefunden worden.

Es verstöre sie am meisten, dass man "nicht mehr aufeinander acht gibt". Eine weitere Passantin sagt, sie sei zwar erst kürzlich umgezogen, kenne aber alle ihre Nachbarn.

Anonymer Tod nicht nur in Großstädten 

Der erschütternde Fall zeige "ein Stück weit, dass man nebeneinanderher statt miteinander lebt", sagt Vize-Bürgermeister Steffek. Sogar in einem gewachsenen Ortsteil wie Lohfelden-Ochshausen, wo die Wohnung der 87-Jährigen liegt. Den anonymen Tod kenne man ja aus den Großstädten, aber jetzt halte er auch Einzug in den Randgemeinden, sagt Steffek. Lohfelden werde nun für eine würdevolle, anonyme Beisetzung der Frau sorgen.

 

(lkö/dpa)
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