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Anschlag in London
Szenen des Grauens auf der Westminster Bridge

London: Auto verletzt Menschen auf Westminster Bridge
London: Auto verletzt Menschen auf Westminster Bridge FOTO: rtr, AW
Ein weiteres Mal haben Attentäter in der britischen Metropole Tod und Schrecken verbreitet. Auf der Westminster Bridge spielten sich dramatische Szenen ab. Von Jochen Wittmann, London

Die wichtigsten Fakten:

  • Auto rast auf Westminster Bridge in Menschen
  • Mann attackiert Polizist vor Parlament mit Messer
  • Polizei: Vier Tote, mindestens 20 Verletzte
  • Lange unklar, ob ein oder zwei Täter

Es ist kurz nach halb drei am Mittwoch, als ein Geländewagen von der Südseite der Themse auf die Westminster Bridge fährt. Es ist jene bekannte Brücke, die zum Parlament führt. Kurz vor dem Nordufer schwenkt der graue Hyundai nach links, fährt über einen Bordstein auf den Radweg und von dort aus auf den Bürgersteig. Dort mäht er reihenweise Menschen nieder. Es gibt bis zu 20 Verletzte und mindesten vier Tote, darunter ein Polizist. Der Wagen kommt am Nordufer an und rast weiter. Dort kracht er dann links in den Zaun, der die Bridge Street von den "Houses of Parliament" trennt.

Doppel-Anschlag trifft Londons Regierungsbezirk FOTO: dpa

Ein Mann steigt aus und rennt weg von dem blutigen Schauplatz. Er soll ganz in Schwarz gekleidet sein und nach Zeugenaussagen "von indischem Aussehen" sein. Er läuft auf der Bridge Street weiter, biegt am "Parliament Square" nach links ab und nochmals nach links in den "New Palace Yard". Was wie eine Flucht aussieht, erweist sich bald als Fortsetzung des Terrors. Der Unbekannte befindet sich jetzt innerhalb des Parlamentskomplexes. Zeugen berichten, dass er ein Messer mit ein 15 bis 20 Zentimeter langen Klinge schwingt. Er sticht einen Polizisten nieder, dann rennt weiter auf den Eingang des Palastes von Westminister zu.

Zwei weitere bewaffnete Wachpolizisten erkennen die Gefahr. Sie schreien den Mann an, fordern ihn auf stehenzubleiben. Als er nicht reagiert, eröffnen sie das Feuer. Vier Schüsse fallen, der mutmaßliche Terrorist bleibt am Boden liegen. Nur wenig später gibt die Polizei offiziell bekannt, dass man von "einer terroristischen Tat ausgeht".

Ein Bild des Grauens

Auf der Westminster Bridge bietet sich ein Bild des Grauens. Passanten versuchen, den vom Geländewagen übel zugerichteten Opfern Erste Hilfe zu leisten. Einige bluten stark. Andere liegen auf dem Asphalt, die Beine verdreht. Auch drei französische Schüler sind verletzt, wie Premierminister Bernard Cazeneuve in Paris wenig später bestätigt.

Ambulanzen, Feuerwehr und Notärzte treffen im Minutentakt ein. Zwischen den Helfern rennen schwarzgekleidete Polizisten der "Armed Response Unit" mit ihren automatischen Waffen. Der Londoner Rettungsdienst erklärt, er habe mindestens zehn Personen an der Westminster Bridge behandelt. Eine Frau wird nach Angaben der Hafenbehörde lebend, aber mit schweren Verletzungen aus der Themse gerettet. Die Hilfskräfte treffen zügig ein. Seit den Anschlägen in der Londoner U-Bahn ist die britische Metropole im permanentem Alarmzustand.Auf dem "Parliament Square", dem viereckigen, mit Rasen bewachsenen Platz direkt vor dem Palast von Westminster, ist ein roter Helikopter der "London Air Ambulamce gelandet".

Mittlerweile sind alle Zugangsstraßen abgeriegelt. Viele sind mit dem blauweißen Plastikband der Polizei abgesperrt, auf dem "Do not enter" steht: Nicht betreten! Das weltberühmte Riesenrad "London Eye" wird zeitweise angehalten. Die Menschen sitzen in den Kabinen fest, wie die Betreiber der Attraktion auf Twitter mitteilten. Innerhalb des Parlaments wird der "Lockdown" ausgerufen: Keiner kommt mehr raus, keiner darf hinein. Außer der Premierministerin Theresa May. Sie hatte kurz zuvor im Unterhaus ihre wöchentliche Fragestunde abgehalten. Als die Schüsse fallen, entschließen sich ihre Leibwächter, sie sofort in Sicherheit zu bringen und bugsieren sie in ihren silbernen Jaguar. "Die Premierministerin ist sicher", heißt es wenig später aus der Downing Street.

Erinnerungen an das Jahr 2005

Für die anderen Parlamentarier sowie Lobbyisten, Journalisten und andere Besucher beginnt eine lange Wartezeit. Sie müssen dort bleiben, wo sie sind. Eine Schulklasse, die an diesem Tag gerade das Parlament besuchte, vertreibt sich die Zeit mit Liedersingen - eine sehr britische Reaktion in heiklen Situationen.

Der opferreichste Anschlag in der Geschichte Großbritanniens liegt bereits fast zwölf Jahre zurück. Damals, am 7. Juli 2005, brachten Al-Kaida-Anhänger in drei U-Bahn-Zügen und einem Bus in London Sprengsätze zur Explosion. 52 Menschen kamen ums Leben. Drei der Attentäter waren pakistanischer Abstammung, aber in Großbritannien geboren.

Die britischen Sicherheitsbehörden vereitelten in den vergangenen vier Jahren 13 Terroranschläge. Allerdings kam es zu einer Reihe kleinerer, tödlicher Angriffe. Im vergangenen Jahr erschoss ein Rechtsextremer die britische Abgeordnete Jo Cox. 2015 stach ein Angreifer an einem U-Bahnhof auf drei Menschen ein. Er begründete die Tat mit dem britischen Bombardement der Terrormiliz IS. 2013 fuhren zwei muslimische Konvertiten nigerianischer Abstimmung fuhren den Soldaten Lee Rigby auf einer Straße nieder und hackten ihn vor den Augen von Passanten mit einem Fleischermesser zu Tode.

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