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Großprojekt in Nahost
Pipeline-Bau soll Totes Meer retten

Totes Meer: Pipeline-Bau in Nahost wird immer konkreter
Das Tote Meer: Ein beliebtes Reiseziel für Touristen. FOTO: shutterstock/ vicspacewalke
Jerusalem. Es wird immer konkreter: Mit einer gigantischen Pipeline wollen Israel und Jordanien das Tote Meer vor dem Austrocknen retten. Jetzt geht das Großprojekt in die Ausschreibungsphase.

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silvan Shalom sprach am Dienstag von einem "historischen Schritt zur Rettung des Toten Meeres". Das berichtet der Sender i24news. Das Projekt ist mit rund 756 Millionen Euro veranschlagt. Über eine 180 Kilometer lange Leitung soll Wasser aus dem Roten Meer durch die Negev-Wüste in das Tote Meer gepumpt werden, um dessen fortschreitende Austrocknung zu stoppen. Ohne eine solche Maßnahme würde das Tote Meer bis 2050 verschwinden.

Ein Teil des Wassers aus dem Roten Meer soll in das von Austrocknung bedrohte Tote Meer fließen; ein anderer Teil würde entsalzt und Israel und den Palästinensern zugutekommen. Auch Jordanien braucht dringend Wasser: Das Land besteht zu 92 Prozent aus Wüste, und die Bevölkerung wächst, auch wegen der vielen Flüchtlinge aus Syrien.

Die gemeinsame israelisch-jordanische Ausschreibung sei ein "außerordentlicher umweltpolitischer und diplomatischer Erfolg", sagte Shalom dem Sender zufolge. Das Projekt zeige "mehr als alles andere die fruchtbare Zusammenarbeit beider Länder".

Anfang Dezember 2013 hatten Israel, Jordanien und die Palästinensischen Autonomiebehörden nach mehrjähriger Vorbereitung einen entsprechenden Vertrag am Sitz der Weltbank in Washington unterzeichnet. Das aktuelle Modell sieht vor, bis zu zwei Millionen Kubikmeter Meerwasser aus dem Golf von Eilat nach Norden zu leiten.
Ein Teil davon soll entsalzt und als Trinkwasser genutzt werden.

Umweltschützer kritisieren das Projekt, weil sie unabsehbare Risiken sowohl für die Umwelt des Toten Meeres als auch des Roten Meeres befürchten. So ist der Golf von Eilat Heimat für Korallen, die empfindlich auf Schwankungen des Salzgehalts des Wassers reagieren.

Das Niveau des Toten Meeres war in den zurückliegenden Jahrzehnten kontinuierlich gesunken, zuletzt etwa einen Meter pro Jahr. Inzwischen liegt es rund 429 Meter unter Meereshöhe. 1970 befand sich der Wasserspiegel noch 395 Meter unter Normalnull. Grund für das Absinken ist die Wasserentnahme aus dem Jordan, dem Hauptzufluss.

(gol/KNA)
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