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Trambaanfietsroute
Niederländer protestieren gegen Radweg

Trambaanfietsroute - Niederländer protestieren gegen Radweg
Bewohner von Oud-Lemiers sagen "Nee!!!" zu einem neuen Radweg. FOTO: Andrien
Oud-Lemiers. Während wir uns in Deutschland über fast jeden neuen Radweg freuen, sind die Niederländer schon einen Schritt weiter: Dort stellt sich eine Bürgerinitiative gegen die "Trambaanfietsroute", die Maastricht mit Aachen verbinden soll. Aber warum bloß? Von Sebastian Dalkowski

Wer mit wachem Blick durch das niederländische Dorf Oud-Lemiers geht, wird sich über ein Plakat wundern, das in vielen Hausfenstern hängt. "Nee!!!" steht in großen weißen Buchstaben auf rotem Untergrund. Darunter entrollt sich in einer Wiesenlandschaft mit Apfelbäumen eine Asphaltstraße. Nur fahren auf der Straße keine Autos, sondern sechs Rennradfahrer. Denn wer sich das "Nee!!!" ins Fenster hängt, der protestiert nicht gegen eine neue Landstraße, sondern einen neuen Radweg, der bis nach Deutschland führen soll.

Die Niederlande sind ein beinahe pfannkuchenflaches Land. Nur im südlichsten Zipfel wellt sich in der Nähe von Aachen das Heuvelland. In der grünen Idylle liegt auch der höchste Berg der europäischen Niederlande. Der Vaalserberg ist 322 Meter hoch, den Gipfel teilt sich das Land mit Deutschland und Belgien. Die Region ist ein Naherholungsgebiet für Radfahrer und Wanderer.

500 Radfahrer täglich

Am 14. Dezember 2015 unterschrieben vier Beigeordnete der Kommunen Eijsden-Margraten, Gulpen-Wittem, Maastricht und Vaals eine Absichtserklärung, die ihren Entschluss bezeugte, einen Radweg von Maastricht nach Aachen zu bauen. Knapp 25 Kilometer lang sollte der werden, bis zu vier Meter breit, durchgehend asphaltiert. Die Kosten von 2,8 Millionen Euro wollten sich die Kommunen und die Provinz Limburg teilen. Weil die Strecke sich an einer alten Bahnverbindung orientiert, die allerdings bereits 1938 eingestellt wurde, erhielt der Radweg den Namen Trambaanfietsroute.

Herr Opreij, Herr Franssen, Herr Gerats und Herr Kersten versprachen sich von dem Radweg eine touristische und deshalb wirtschaftliche Stärkung der Region. 500 Radfahrer sollen dort im Frühjahr und Sommer täglich fahren und pro Jahr 630.000 Euro ausgeben.

Wo heute noch die Bewohner des niederländischen Dorfes Cadier en Keer mit ihrem Hund spazieren gehen, sollen bald Radfahrer über den Asphalt rollen. FOTO: Andrien

Wer sollte gegen dieses Projekt etwas einzuwenden haben? In der Absichtserklärung war zu lesen, dass die Absicht auch darin bestand, "im ersten Halbjahr 2017 mit der Projektausführung zu beginnen." Etwas weniger als zehn Kilometer neuer Asphalt sollten dafür verlegt werden - doch im Oktober 2017 liegt noch kein einziger.

”Een prachtig stukje natuur”

Das hat auch mit Céline Andrien und ihrer Bürgerinitiative zu tun. Andrien ist 26 und wohnt in dem Dorf Cadier en Keer, das zu Eijsden-Margraten gehört. Sie mag Pferde, sie mag Hunde und sie mag ihre Heimat. Deshalb hat sie Sorge, dass der neue Radweg der Heimat schadet. Dass der neue Weg Naturgebiete durchschneidet, Dörfer zerteilt, Wanderwege verschwinden lässt. Auf ihrer Webseite hat die Initiative Zeitungsartikel über die Proteste gesammelt. "Het is een prachtig stukje natuur", wird dort ein 81-Jähriger zitiert.

An eine wirtschaftliche Stärkung glaubt Andrien nicht. Die Strecke führe an einigen Orten gar nicht an den Hotels und Gaststätten vorbei. "Wir haben in der Region bereits sehr, sehr viele Besucher", sagt sie. "Tatsächlich fühlen sich viele unserer Mitbürger heute schon stark belastet durch die Touristen – im Speziellen Fahrradtouristen." Sie verweist auf das bereits jetzt gut ausgebaute Radweg-Netz der Region. Es gibt bereits einen Radweg, der Maastricht mit Aachen verbindet, doch liegt der an beiden Seiten der stark befahrenen N278. Die Niederländer, die vermutlich das beste Radwegnetz der Welt besitzen, möchten nicht bloß Radwege, sie sollen auch durch Idylle führen. Andrien fürchtet, dass der neue Weg nicht nur die Natur gefährdet, sondern auch die Radfahrer: "Weil außer touristischen Fahrradfahrern auch Radrennfahrer und sogar Motorroller die neue Strecke befahren können sollen."

Die Bürgerinitiative hat die Planer des Radwegs bereits dazu gezwungen, überprüfen zu lassen, inwiefern das Projekt umweltverträglich ist. Sie hat Unterschriften gegen die Trambaanfietsroute gesammelt, im Internet und auf Papier. Fast 800 Menschen haben unterzeichnet. Das mag keine beeindruckende Zahl sein, doch würden selbst mehr Unterschriften zu keinem Bürgerentscheid führen. Die Hoffnung der Radweg-Gegner ist eine andere: Im Dezember müssen die Gemeinderäte die Pläne absegnen. Ein Nein wäre ein Sieg für die Bürgerinitiative.

Noch stärker setzt Andrien darauf, dass die Gemeinden die Entscheidung bis nach den Kommunalwahlen im Frühjahr 2018 vertagen. Dann könnte der Radweg zum Wahlkampfthema werden. Es wäre wohl das erste Mal, dass ein Politiker mit einem "Nein" zu einem Radweg Stimmen sammelt.

 
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