Der Ansturm in Klagenfurt blieb aus: Trauergäste nahmen Abschied von Haider
zuletzt aktualisiert: 18.10.2008 - 16:45Klagenfurt (RPO). Rund 25.000 Menschen haben am Samstag in Österreich Abschied von dem vor einer Woche tödlich verunglückten Rechtspopulisten Jörg Haider genommen. Es waren weniger Trauergäste gekommen als zuvor erwartet.
Verwandte, Freunde und Ehrengäste geleiteten den mit roten Rosen geschmückten Sarg durch die Innenstadt von Klagenfurt zum Neuen Platz. Dort zollte der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer dem umstrittenen, aber in Kärnten beliebten Politiker Respekt. Anschließend wurde im Dom von Klagenfurt die Totenmesse zelebriert. Der Leichnam Haiders sollte eingeäschert und auf seinem Anwesen in Bärental beigesetzt werden.
Rund 25.000 Menschen erwiesen Haider nach Polizeiangaben die letzte Ehre, als der Sarg auf einem Fahrzeug der österreichischen Armee durch Klagenfurt geleitet wurde. Sie trugen zumeist die traditionellen Trachten Kärntens, die auch der Landeshauptmann gern getragen hatte. Etliche von ihnen verfolgten auf Leinwänden in der Innenstadt die Beisetzungszeremonie. Das österreiche Fernsehen übertrug die Feierlichkeiten live.
Gusenbauer bezeichnete Haider als einen "außergewöhnlichen" Menschen, der viele Menschen begeistern, aber auch Widerspruch auslösen konnte. Er forderte dazu auf, dem Verstorbenen über alle politischen Grenzen hinweg Respekt und Anerkennung zu zollen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Haider habe immer das Beste für seine Heimat tun wollen. An der Trauerfeier nahmen auch Bundespräsident Heinz Fischer sowie mehrere Regierungsmitglieder und Regionalpolitiker teil. Unter den ausländischen Gästen war auch Said Gaddafi, ein Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi, mit dem Haider befreundet war.
Zum Abschluss der Trauerfeier erklang am Neuen Platz die Nationalhymne. Der Trauerzug setzte sich unter starkem Polizeiaufgebot in Richtung Dom in Bewegung, wo die Totenmesse für Haider abgehalten wurde. Insgesamt waren rund 500 Polizisten im Einsatz, um mögliche Zwischenfälle zu verhindern. Haider war extrem umstritten, da er während seiner politischen Laufbahn auch über die Grenzen Österreichs hinaus mit zahlreichen Äußerungen zum Nationalsozialismus für Furore sorgte. So hatte er unter anderem von einer "ordentlichen Beschäftigungspolitik" des Dritten Reichs gesprochen.
Haider war allerdings nicht nur die umstrittenste, sondern auch die schillerndste Figur der österreichischen Politik. Er war oft im eigenen Hubschrauber oder im schwarzen Porsche-Cabrio unterwegs oder kletterte medienwirksam auf den Großglockner. Dem irakischen Diktator Saddam Hussein stattete er 2002 einen Besuch ab. Der 58-jährige Landeshauptmann von Kärnten war am vergangenen Samstagmorgen mit stark überhöhter Geschwindigkeit mit seinem Wagen gegen einen Betonpfeiler gerast und tödlich verunglückt. Haider hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut.
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