Birma drohen Epidemien: Trinkwasser durch Leichen verseucht
zuletzt aktualisiert: 08.05.2008 - 16:44Rangun (RPO). Während die Militärjunta in Birma die internationale Gemeinschaft für den Beginn von Hilfsaktionen weiter hinhält, wächst in den überschwemmten Regionen die Angst vor Seuchen.
Da nach dem Wirbelsturm "Nargis" alles unter Wasser stehe, müsse mit Epidemien wie Malaria und dem Dengue-Fieber gerechnet werden, sagte der Koordinator des Deutschen Roten Kreuzes, Bernd Schell, am Donnerstag MDR Info. Die Überlebenden brauchten dringend sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel und medizinische Hilfe. Die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) forderte die Militärregierung auf, internationale Hilfe zuzulassen, "bevor es zu spät ist". Ein US-Hilfsflug wurde abgesagt.
Um Krankheiten vorzubeugen, schickte das Kinderhilfswerk UNICEF drei Millionen Wasserreinigungstabletten aus Dänemark nach Birma. Damit könnten fünf Millionen Liter Trinkwasser für hunderttausende Menschen hergestellt werden, sagte ein Sprecher. In Birma seien vor allem Kinder derzeit angesichts fehlender Nahrung geschwächt und anfällig für Durchfall oder andere Erkrankungen.
Seit dem verheerenden Durchzug von "Nargis" stünden immer noch rund 5000 Quadratkilometer Land unter Wasser, teilte ein Sprecher der Vereinten Nationen in Bangkok mit. Es gebe mehr als eine Million Hilfsbedürftige. Die Behörden rechneten allein in dem schwer getroffenen Bezirk Labutta inzwischen mit 80.000 Toten, landesweit könnten es mehr als 100.000 sein.
Die Hilfslieferungen liefen jedoch nur langsam an. Der geplante Flug einer US-Transportmaschine wurde am Donnerstag abgesagt. Es sei unklar, ob die zuvor verkündete Einreise-Erlaubnis durch die Militärjunta ein Missverständnis gewesen sei oder ob die Junta diese zurückgezogen habe, sagte US-Botschafter Eric John vor Journalisten in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Hingegen erhielt Griechenland eine Erlaubnis der birmanischen Behörden, eine Militärmaschine mit Hilfsgütern nach Birma zu entsenden, wie das Außenministerium in Athen erklärte.
Sechs Tage nach dem Durchzug des Zyklons sei am Donnerstag die erste UN-Maschine mit Hilfsgütern in Rangun eingetroffen, gab die Vertretung des UN-Welternährungsprogramms in Bangkok bekannt. Zwei weitere Flugzeuge sollten noch im Tagesverlauf beladen werden. Außerdem seien aus Indien zwei Schiffe und zwei Militärmaschinen mit hunderten Tonnen Hilfsgütern in Birma angekommen, teilte ein Sprecher des indischen Verteidigungsministeriums mit. Die Verteilung habe bereits begonnen. Eine weitere Schiffsladung mit Essen, Medikamenten, Kleidung und Decken sollte noch am Donnerstag in die Krisenregion geschickt werden. Die UNO sicherte zehn Millionen Dollar Soforthilfe zu.
Internationale Hilfsorganisationen beklagten weiterhin die restriktive Visa-Vergabe an Helfer. Katastrophenerfahrene Mitarbeiter müssten bei der Verteilung vor Ort dabei sein, forderte das Kinderhilfswerk UNICEF. Drei Experten der Vereinten Nationen sei wegen ihrer asiatischen Staatsbürgerschaft die Einreise genehmigt worden, sagte der örtliche Sprecher Richard Horsey. Die Hilfsorganisationen konzentrierten sich deshalb darauf, asiatische Helfer zu entsenden. Nach solchen halte jetzt jede Organisation Ausschau, sagte eine Mitarbeiterin der Nachrichtenagentur AFP.
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