| 22.24 Uhr

Protokoll von Tag neun in Fukushima
Trinkwasser verseucht, Reaktor soll Strom bekommen

Tag 8 nach der Katastrophe
Tag 8 nach der Katastrophe FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Die Lage in Fukushima bleibt auch am Samstag, Tag neun nach dem Erdbeben, prekär. Bei Lebensmittel wurden erhöhte radioaktive Werte gemessen. Die Lage in den Reaktoren hat sich offenbar weitgehend stabilisiert. Am Samstag wurde ein Starkstromkabel zu der Anlage verlegt, Am Sonntag soll es die Pumpen des Kühlsystems wieder ans Laufen bringen. Sorgen macht die Wetterprognose. Die Ereignisse des Tages im protokollarischen Rückblick.  Von C. Sieben, A. Weißschädel U. P. Stempel

+++ 22.39 Uhr: Ausblick: Am Samstag haben die Techniker ein kilometerlanges Kabel nach Fukushima 1 verlegt, am Sonntag soll der erste Reaktor wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, soll zunächst die Pumpen in Reaktor 2 wieder mit Strom versorgt werden. Ob die Maschinen im Kühlsystem dann auch wieder funktionieren, ist unsicher.

+++ 21.31 Uhr: Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo haben die Feuerwehrmänner in Fukushima ihren Einsatz nach 13 Stunden beendet. ´

+++ 21 Uhr: Die japanischen Behörden warnen vor radioaktivem Regen und fordern die Bevölkerung der Krisenregion auf, im Haus zu bleiben. Die Wetterprognosen lassen im Nordosten am Sonntag und Montag Niederschlag befürchten. Sollten sich radioaktive Partikel in der Luft befinden, würden die mit dem Regen zu Boden gehen. Die Menschen sollen nur in Notfällen das Haus verlassen.

+++ 20.34 Uhr: Im Gegensatz zu den Fachleuten der IAEO bleibt die Internationale Atom-Energiebehörde IAEA betont vorsichtig. "Ich glaube nicht, dass ich jetzt schon sagen könnte, dass sich die Dinge in eine gute Richtung entwickeln oder nicht", sagte IAEA-Chef Yukiha Amano. Auch er erkennt jedoch Fortschritte im Kampf gegen eine Ausweitung der Atomkatastrophe.

+++ 19.58 Uhr: Russland bietet Japan Energielieferungen an. Russland könne eigentlich für Europa bestimmtes Flüssiggas nach Japan transportieren, sagte Ministerpräsident Wladimir Putin am Sonntag in der ostrussischen Stadt Yuschno-Sachalinsk. Im Gegenzug könne die über Pipelines nach Europa strömende Erdgas-Menge erhöht werden.

+++ 19.15 Uhr:  Wie österreichische Medien berichten, keimt bei Experten Hoffnung, die Lage in Fukushima bald in den Griff bekommen zu können. "Die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung", beschrieb demnach Graham Andrews, Vorstandsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), am Abend auf einer Pressekonferenz in Wien die aktuelle Situation in Fukushima. Die Versorgung mit Elektrizität ist dem Bericht zufolge in einigen Blöcken teilweise wieder hergestellt. Offen bleibt, wie viele Pumpen funktionieren werden. Aus Block 2 trete inzwischen kein Rauch mehr aus. Andrews wertete das positiv. Die Lage in den Reaktoren 1 bis 4 sei seit Freitag stabil. Die Temperatur in den Blöcken 5 und 6 sei allerdings in den vergangenen Tagen um fünf Grad gestiegen.

+++ 18.42 Uhr: Medienberichten sehen sich etliche Gemeinden in den Katastrophengebieten angesichts der zahllosen Toten überfordert. Die Krematorien seien überfordert. Nun werde überlegt, die Toten zu beerdigen. In Japan ist das sehr ungewöhnlich. Es gibt fast nur Feuerbestattungen.

+++ 17.45 Uhr: Die Wetteraussichten bereiten Sorgen und erhöhen den Druck, beim Kampf gegen die Katastrophe, Erfolge zu erzielen.  Laut Deutschem Wetterdienst soll sich die Windrichtung ab Sonntag ändern, sodass die Strahlenwolke Richtung Großraum Tokio ziehen könnte.

+++ 17.07 Uhr: Japan erwägt nach Angaben der IAEA, den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima zu stoppen. Damit korrigiert die UN-Behörde ihre früheren Angaben: Sie hatte berichtet, das Verbot gelte bereits. Begründet wurde die Maßnahme mit radioaktiven Jod in der Nahrung, die kurzfristig die Gesundheit gefährden könnte.

+++ 16.50 Uhr: Im Internet kursiert ein Amateurvideo, das den Tsunami von Bord eines Schiffes zeigt. Die Crew eines Schiffes filmte die riesige Welle des Tsunamis und wie sie auf das Schiff zurollt. Hier geht es zu den Aufnahmen der Augenzeugen.

+++ 16.46 Uhr: Japanische Behörden geben bekannt, dass in der Präfektur Fukushima radioaktives Jod im Trinkwasser festgestellt wurde. Die Strahlung liege über dem gesetzlichen Höchstwert. Zuvor war bereits in der Millionenmetropole Tokio radioaktive Belastung im Leitungswasser gemessen worden - dort allerdings nach offiziellen Angaben unterhalb der Grenzwerte.

+++ 16.38 Uhr: Die im Trinkwasser der Millionenmetropole Tokio und fünf weiteren Regionen gefundenen Spuren radioaktiven Jods sind angeblich nicht gesundheitsschädlich. Die japanische Regierung versicherte am Samstag, die Strahlendosis übersteige nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte, sie betrage ein Drittel des Erlaubten. Normalerweise würde jedoch kein Jod im Trinkwasser der betroffenen Regionen gefunden. "Man kann soviel man will von dem Wasser trinken," sagte ein für Umweltschutz zuständiger Beamter. 

+++ 16.29 Uhr: Der IAEA zufolge haben die japanischen Behörden Löcher in die Reaktorblöcke 5 und 6 geschnitten, um eine Wasserstoff-Explosion zu verhindern. Es ist unklar, ob die Wasserpumpen im Kernkraftwerk funktionieren werden, wenn erstmal der Strom wieder angeschlossen ist. Allgemein sei die Lage ähnlich wie am Freitag. Seitdem hat sich auch die Strahlung in den japanischen Großstädten nicht geändert, teilte die Behörde weiter mit.

+++ 14.55 Uhr: Zum Schutz vor radioaktiver Strahlung aus Japan ergreift Deutschland eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen. Wegen der verheerenden Ereignisse im Atomkraftwerk Fukushima sei zwar nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Bevölkerung zu rechnen, teilte das Umweltministerium am Samstag mit. Da aber eine radioaktive Belastung der Außenhülle von Flugzeugen aus Japan möglich sei, würden Vorbereitungen zur Messung und gegebenenfalls einer Dekontamination der Maschinen getroffen.

+++ 14.48 Uhr: In dem Atomkraftwerk Fukushima 1 soll am Sonntag die Stromversorgung wiederhergestellt werden. Ob es damit aber gelingt, die Kühlsysteme der teilweise zerstörten Reaktoren wieder in Gang zu setzen, bleibt unklar.

+++13.10 Uhr: Japan stoppt nach Angaben der IAEA den Verkauf von Lebensmittelprodukten aus der Präfektur Fukushima. Radioaktives Jod in der Nahrung könnte kurzfristig die menschliche Gesundheit gefährden, heißt es.

+++12.47 Uhr: Die Behörden haben im Leitungswasser der Hauptstadt Tokio erhöhte Werte von Radioaktivität nachgewiesen. Es handele sich Spuren von radioaktivem Jod. Ungewöhnlich hohe Werte von radioaktivem Jod seien zudem im Trinkwasser der zentraljapanischen Präfekturen Gunma, Tochigi, Saitama, Chiba und Niigata festgestellt worden. Allerdings lägen die Werte in allen Fällen deutlich unter dem zulässigen Grenzwert,

+++ 12.10 Uhr: Die japanischen Behörden geben die offizielle Zahl der Todesopfer inzwischen mit 7.348 an. Vermisst werden demnach 10.947 Menschen. Einige der Vermissten könnten außerhalb der betroffenen Regionen gewesen sein, als sich die Katastrophe ereignete. Andererseits könnte eine bislang unbekannte Zahl von Opfern nach dem Tsunami von der Rückwelle aufs Meer hinaus gespült worden sein.

+++ 11.15 Uhr: Die Radioaktivität in Japan außerhalb der kritischen Zonen rund um die Atomanlage Fukushima ist nach Erkenntnissen der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) minimal.

+++ 11.01 Uhr: Tokio wird von einem Nachbeben erschüttert, Gebäude wanken. Japanische Medien geben die Stärke zunächst mit 6,1 an. Ein Tsunami werde nicht befürchtet.

+++ 10.53 Uhr: Ein Stromkabel ist nach tagelangen Arbeiten mit dem Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima verbunden worden. Bisher sei aber noch kein Strom durch das Kabel geleitet worden. Mit der Leitung soll das Kühlsystem des Reaktors wieder gestartet werden, um eine Kernschmelze im großen Stil zu verhindern.

+++ 10.43 Uhr: Hochdruck-Wasserwerfer kühlen weiterhin die Reaktoren und verbrauchten Brennelemente in den teilweise ausgelaufenen Abklingbecken. Sie werden durch Pumpwagen mit Meerwasser gespeist, die etwa 300 Meter von der Anlage entfernt stehen.

+++ 09.45 Uhr: Deutschlands Ernährungsindustrie hat Japan Hilfe bei der Lebensmittelversorgung angeboten. Im Fall von Engpässen könne man jederzeit Nahrungsmittel liefern, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, der Tageszeitung "Die Welt".

+++ 08.37 Uhr: In der Umgebung des Atomkraftwerks ist laut Regierungsangaben eine erhöhte radioaktive Verstrahlung bei Spinat und Milch festgestellt worden. Die Strahlenbelastung bei beiden Lebensmitteln überstieg die amtlichen Grenzwerte.

+++ 06.05 Uhr: Der Anschluss der Reaktorblöcke konfrontiert die Techniker mit großen Problemen: Das neue Stromkabel hat die Anlage zwar erreicht. Die vielen von Erdbeben und Tsunami verwüsteten elektrischen Installationen müssen aber akribisch auf Risiken wie einer von Funkenflug verursachten Explosion geprüft werden, bevor der Strom fließen kann.

+++ 04.52 Uhr: Um mögliche Wasserstoffexplosionen an den Reaktoren 5 und 6 zu verhindern, hat die Betreiberfirma Löcher in die Dächer der Reaktorgebäude bohren lassen. An den Reaktoren 1, 2 und 3 hatten Wasserstoffexplosionen zum Teil erhebliche Schäden verursacht.

+++ 3.23 Uhr: Der in den Trümmern seines Haues gefundene junge Mann war nicht wie zunächst erwartet acht Tage lang verschüttet. Die Nachrichtenagentur Kyodo korrigierte ihren Bericht, der Mann sei nach acht Tagen lebend geborgen worden. Der Mann sei erst am Freitag in sein zerstörtes Haus zurückgekehrt und dort von Rettungskräften gefunden worden.

+++ 02.41 Uhr: Die Zahl der Toten nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami ist auf fast 7.200 gestiegen. Nach Angaben der japanischen Polizei wurden bis Samstag 7.197 Leichen gefunden. 10.905 Menschen werden vermisst. Die ungeheure Kraft des Tsunamis hat wahrscheinlich viele Menschen mit aufs offene Meer gerissen.

+++ 00.25 Uhr: Im US-Bundesstaat Kalifornien ist erstmals Radioaktivität gemessen worden, die auf das Erdbeben in Japan zurückzuführen ist. Ein Messgerät in Sacramento habe "eine winzige Menge des radioaktiven Isotops Xenon 133" nachgewiesen, teilten das US-Energieministerium und die Umweltschutzbehörde der USA am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Stichproben entsprächen der aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima entwichenen Radioaktivität.

+++ 0.04 Uhr: Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, befürchtet erhebliche weltwirtschaftliche Folgen, sollte die Nuklearkatastrophe in Japan außer Kontrolle geraten. "Die Folgen könnten im Extremfall für Japan desaströs sein und erhebliche weltwirtschaftliche Bremsspuren hinterlassen", sagte Franz gegenüber unserer Redaktion.

+++ 0.02 Uhr: Griechenland hat die Türkei zur Abkehr von Plänen zum Bau eines eigenen Reaktors aufgefordert. Die selbst erdbebengefährdete Türkei plant nach einem Abkommen mit der russischen Atombehörde Rosatom den Bau eines ersten Atomkraftwerks im Süden des Landes. Die Europäische Union müsse einschreiten, um "eine Katastrophe vor der eigenen Haustür" zu verhindern, sagte der griechische Präsident Karolos Papoulias.

+++ 23.40 Uhr: Rund 100.000 japanische Soldaten sind in den von Erbeben und Tsunami verwüsteten Gebieten derzeit im Einsatz, meldet BBC. Zudem gebe es von 123 Ländern und Regionen sowie 33 Internationalen Organisationen Hilfsangebote, berichtet Kyodo unter Berufung auf das japanische Außenministerium. Selbst Burma, eines der ärmsten asiatischen Länder, habe 100.000 Dollar gespendet.

+++ 22.38 Uhr: Der US-Internetkonzern Google will die Suche der Erdbeben- und Tsunamiopfer in Japan nach ihren verschollenen Angehörigen mit Youtube-Videos erleichtern. Das Unternehmen stellte auf seinem Videodienst dazu am Freitag bereits kurze Filme von Katastrophenopfern online, die auf Nachrichten von Freunden und Familienmitgliedern warten. Die Videos, die meist kürzer als eine Minute sind, wurden in Notunterkünften gedreht und sind über die Internetseite.

+++ 22.50 Uhr: Der Wasserwerfereinsatz im Block 3 zeigt offenbar Wirkung. Der Druck sei etwas gesunken. Das geht aus dem aktuellen Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde hervor, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet. Nach Stand von Samstagmorgen (Ortszeit) sollen aber in den beiden anderen Blöcken die Werte leicht steigen.

+++ 22.45 Uhr: Google will die Suche der Erdbeben- und Tsunamiopfer in Japan nach ihren verschollenen Angehörigen mit Youtube-Videos erleichtern. Am Freitag stellte der Internet-Konzern bereits kurze Filme von Katastrophenopfern online, die auf Nachrichten von Freunden und Familienmitgliedern warten. Die Videos, die meist kürzer als eine Minute sind, wurden in Notunterkünften gedreht und sind über die Internetseite youtube.com/shousoku abrufbar.

(Mit Agenturmaterial)
 
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