Indonesien: Tsunami-Warnsystem hat funktioniert
zuletzt aktualisiert: 28.10.2010 - 19:54Potsdam (RPO). Das mit deutscher Hilfe finanzierte Tsunami-Frühwarnsystem in Indonesien hat nach Aussage des an dem Projekt beteiligten Geoforschungszentrums in Potsdam nicht versagt. "Sämtliche Komponenten des Tsunami-Frühwarnsystems" hätten funktioniert, erklärte das Forschungszentrum am Donnerstag.
Bereits knapp fünf Minuten nach dem Erdbeben sei von dem Warnsystem in Jakarta aus der Tsunami-Alarm ausgelöst und an rund 400 Einrichtungen wie die Polizei und Katastrophenschutzbehörden geleitet worden. Jörn Lauterjung vom Forschungszentrum sagte der Zeitung "Die Welt", so lange brauche das System, um das Erdbeben zu lokalisieren, es zu charakterisieren und ein Lagebild zu erstellen.
Aufgrund der direkten Nähe des Ausgangspunkts des Erdbebens zur Küste sei die Warnung zeitgleich mit dem Eintreffen der Welle erfolgt. "Da hätte kein Frühwarnsystem der Welt helfen können", sagte Lauterjung der "Welt". Das Zentrum erklärte, die aktuelle Situation zeige, dass es "einen umfassenden Schutz vor Erdbeben und Tsunamis nicht geben kann". Direkt am Entstehungsort seien das Erdbeben und das Eintreffen des Tsunamis stets nahezu zeitgleich.
Das mit deutscher Hilfe finanzierte Frühwarnsystem war Ende 2008 in Indonesien in Betrieb genommen worden. Ende 2004 waren durch einen verheerenden Tsunami in mehreren Küstengebieten des Indischen Ozeans mehr als 220.000 Menschen getötet worden. Am schlimmsten betroffen war Indonesien selbst mit 168.000 Toten. Durch das Erdbeben und die folgende Tsunami-Welle vor einigen Tagen wurden in Indonesien nun nach letzten Angaben mindestens 370 Menschen getötet. Die Behörden rechneten jedoch am Donnerstag mit mehr als 500 Opfern, da viele Menschen noch vermisst wurden.
Opferzahl auf 370 gestiegen
Die Zahl der Toten nach dem Tsunami ist auf 370 gestiegen. Es würden immer mehr Opfer gefunden, je mehr abgelegene Inseln von den Rettungsmannschaften erreicht würden, teilte ein Behördensprecher mit. Weitere 338 Menschen würden noch vermisst. Die Rettungskräfte befürchten, dass viele von ihnen tot sind, da sie von der Flutwelle ins Meer gerissen wurden.
Wie durch ein Wunder überlegte ein 18 Monate altes Baby den verheerenden Tsunami. Ein zehnjähriges Kind habe den Jungen am Mittwoch in einer Baumgruppe auf der Insel Pagai Selatan entdeckt, teilte der Koordinator der Rettungsteams am Donnerstag mit. Das Baby sei in ein Gesundheitszentrum gebracht worden. Seine Eltern sind bei der Naturkatastrophe am Montag ums Lebens gekommen.
Der Tsunami war am Montag nach einem mächtigen Seebeben der Stärke 7,7 vor der Westküste der Insel Sumatra mit einer bis zu drei Meter hohen Flutwelle über die Inselkette Mentawai gerollt und hatte Hunderte Häuser mit sich fort gerissen. Luftaufnahmen zeigten, dass der Tsunami große Gebiete überschwemmte.
Auch der Vulkan Merapi, der fast 1300 Kilometer weiter östlich auf der Hauptinsel Java liegt, brach am Donnerstag gegen 16.30 Uhr wieder aus und schleuderte heiße Aschewolken in die Luft. Das Gebiet um den Vulkan wurde inzwischen aber weitgehend evakuiert. Der Vulkanausbruch kostete bislang 33 Menschen das Leben. Über neue Schäden oder Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Staatspräsident Susilo Bambang Yudhoyono wollte am Donnerstag mit Überlebenden der beiden Naturkatastrophen zusammenkommen, die Indonesien innerhalb von 24 Stunden in verschiedenen Teilen des Landes getroffen hatten. Sie stellten den Katastrophenschutz und die Rettungssysteme auf eine harte Probe. Zur hohen Zahl der Opfer bei dem Tsunami trug wohl auch bei, dass das nach der Tsunami-Katastrophe von 2004 eingerichtete und rund 100 Millionen Euro teure Warnsystem vor einem Monat zusammengebrochen war, weil es nicht ordentlich gewartet wurde.
Indonesien liegt im pazifischen "Feuerring" mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Das folgenschwerste Beben der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im Dezember 2004 vor Sumatra und löste einen Tsunami aus, der rund um den Indischen Ozean 230.000 Menschen das Leben kostete. Das Beben am Montag entstand an derselben Verwerfungslinie.
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