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"Terror-Propaganda"
18 türkischen Journalisten droht jahrelange Haft

Fotos: Der Weiße Palast von Türkeis Präsident Erdogan
Fotos: Der Weiße Palast von Türkeis Präsident Erdogan FOTO: dpa, tb mda
Ankara. Im Frühjahr wurde ein Istanbuler Staatsanwalt als Geisel genommen, Zeitungen veröffentlichten Fotos, die die Terroristen verbreiteten. Nun droht deswegen 18 türkischen Journalisten Gefängnis.

Wegen angeblicher Propaganda für eine Terrororganisation fordert die Istanbuler Staatsanwalt bis zu siebeneinhalb Jahre Haft für 18 türkische Journalisten. Die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" berichtete am Mittwoch, unter den Beschuldigten sei auch ihr Chefredakteur Can Dündar.

Betroffen seien zudem Journalisten von acht weiteren Blättern. Ihnen werde vorgeworfen, im März Fotos von einem Staatsanwalt veröffentlicht zu haben, der in seinem Amtszimmer von Terroristen der linksextremen Gruppe DHKP-C als Geisel genommen worden war.

Fotos: Erdogan – vom Häftling zum Ministerpräsidenten FOTO: AP

Die Terroristen hatten die Fotos noch während der Geiselnahme über soziale Medien verbreitet. Die Veröffentlichung dieser Bilder - in denen unter anderem die Symbole der DHKP-C zu sehen waren - durch einige Zeitungen war von der Regierung scharf kritisiert worden. Der Staatsanwalt und die beiden Geiselnehmer wurden damals getötet.

"Cumhuriyet" berichtete, die Staatsanwaltschaft fordere zwischen eineinhalb und siebeneinhalb Jahren Haft für die Journalisten, die die Vorwürfe zurückgewiesen hätten. Dündar habe ausgesagt, dass sein Blatt gegen jede Art von illegaler Organisation stehe. Mit der Veröffentlichung habe die Zeitung nicht die Tat legitimieren, sondern das "hässliche Gesicht des Terrors" zeigen wollen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (djv) kritisierte die Anklagen als einen "krassen Verstoß gegen die Pressefreiheit" und forderte, die Verfolgung von Journalisten in der Türkei zu beenden. Die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, bemängelte: "Die Pressefreiheit wird politischen Zielen geopfert. Die Türkei entfernt sich auf diese Weise immer weiter von europäischen Grundwerten und Menschenrechten."

(dpa)
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