Nach Anschlag auf Hrant Dink: Türkische Polizei fasst Journalisten-Mörder
zuletzt aktualisiert: 20.01.2007 - 23:15Istanbul (RPO). Die türkische Polizei hat den mutmaßlichen Mörder des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink festgenommen. Der Verdächtige sei nach einem Hinweis seines Vaters in der Stadt Samsun am Schwarzen Meer verhaftet worden, erklärte ein Polizeisprecher am Samstagabend. Zuvor waren Fahndungsfotos des Mannes veröffentlicht worden.
Die von einer Überwachungskamera aufgenommenen Bilder zeigten einen jungen Mann mit einer weißen Wintermütze, Jeans und Jeansjacke. Der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, erklärte, die Sekretärin Dinks habe den jungen Mann als einen Besucher erkannt, der ins Redaktionsbüro gekommen sei und um ein Treffen mit Dink gebeten habe. Er habe sich als Student der Universität Ankara ausgegeben. Er wird verdächtigt, den 52-jährigen Dink am Freitag vor dessen Redaktionsbüro erschossen zu haben.
Es handele sich um Ogun S. aus der nordtürkischen Stadt Trabzon, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu am Samstagabend. Der Vater und ein enger Freund seien festgenommen worden und sollten zur Vernehmung nach Istanbul gebracht werden, berichtete zuvor der Fernsehsender CNN-Turk.
Der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, präsentierte am Samstag die Fotos, die einen jungen Mann mit einer weißen Wintermütze, Jeans und Jeansjacke zeigen. Innenminister Abdulkadir Aksu hatte zuvor mitgeteilt, es seien keine Verdächtigen mehr in Gewahrsam. Am Freitagabend hatte CNN-Turk unter Berufung auf Güler gemeldet, es habe drei Festnahmen gegeben. Der Gouverneur sprach von Hinweisen, die eine Lösung des Falles ermöglichten.
Aus Deutschland kam Kritik an mangelnden Sicherheitsvorkehrungen für den Träger des Henri-Nannen-Preises, der wegen seiner kritischen Äußerungen über die blutige Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts wiederholt von türkischen Nationalisten bedroht worden war. In seiner letzten Kolumne schrieb Dink, er verhalte sich aus Angst nur noch wie eine Taube, die ständig nach allen Seiten schaue.
Der Grünen-Politiker Volker Beck nannte es völlig unverständlich, warum die Türkei Dink trotz Morddrohungen keinen Personenschutz gewährt habe. Der Direktor des Zentrums für Türkeistudien in Essen, Faruk Sen, sagte dem Magazin "Focus": "Er hat noch am 10. Januar Drohbriefe erhalten, die er der Staatsanwaltschaft vorgelegt hat. Aber die hat nichts unternommen."
Gouverneur Güler wies solche Vorwürfe zurück. Dink habe keinen Schutz beantragt und deshalb auch keinen bekommen. "Es wurden nur allgemeine Sicherheitsvorkehrungen getroffen." Bekannte türkische Journalisten werden in der Regel von der Polizei geschützt und bewegen sich in Istanbul mit Leibwächtern. Dink war allein, als er am Freitagnachmittag vor dem Gebäude seiner Redaktion erschossen wurde.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Samstag im Fernsehen, die Schüsse auf Dink wurden "auf uns alle abgegeben". Die Zeitung "Hürriyet" schrieb, der Mörder habe die türkische Nation verraten. "Milliyet" titelte am Samstag: "Hrant Dink ist die Türkei" und "Sabah" bezeichnete die Ermordung des Journalisten als den "größten Verrat".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum