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Regierungskritische Zeitung
Türkische Polizei nimmt Chefredakteur von "Cumhuriyet" fest

Türkische Polizei nimmt Chefredakteur von "Cumhuriyet" fest
Die türkische Zeitung Cumhuriyet hat den Alternativen Nobelpreis erhalten. FOTO: dpa
Ankara. Die türkischen Behörden gehen erneut gegen die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" vor: Die Polizei hat laut Medienberichten den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung festgenommen.

Neben der Festnahme des Chefredakteurs Murat Sabuncu, über die die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, fahndeten die Ermittler außerdem nach dem Herausgeber Akin Atalay und dem Autor Güray Öz. Nach Angaben von "Cumhuriyet" wurde Öz bereits festgenommen. Laut CNN Türk wurden insgesamt 13 Haftbefehle gegen Mitarbeiter der Zeitung ausgestellt.

Die Wohnungen von Atalay und Öz würden durchsucht, berichtete Anadolu. Die regierungsfreundliche Zeitung "Sabah" schrieb, das Vorgehen gegen "Cumhuriyet" stehe im Zusammenhang mit Verbindungen der Zeitung zur Gülen-Bewegung und zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die türkische Regierung macht die Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich.

Behörden nahmen nach Putschversuch dutzende Journalisten fest

Nach dem gescheiterten Putschversuch verhängte Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Ausnahmezustand. Die Behörden schreiten massiv gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger ein. Mehr als 35.000 Menschen wurden in der Türkei bereits inhaftiert. Zehntausende Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz, der Medien und des Bildungswesens wurden unmittelbar nach dem Umsturzversuch aus dem Dienst entfernt. Und in einer neuen Entlassungswelle wurden nun mehr als 10.000 weitere Beamte aus dem Staatsdienst entlassen.

Die türkischen Behörden stellten außerdem mehr als hundert Medien ein und nahmen dutzende Journalisten fest. Westliche Staaten und Menschenrechtsorganisationen äußerten sich besorgt.

Ehemaliger Chefredakteur wurde zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Vor knapp einem Jahr hatten die türkischen Behörden bereits den damaligen "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar und seinen Kollegen Erdem Gül festgenommen. Im Mai wurden die beiden Journalisten wegen der Veröffentlichung eines Artikels über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden.

Bis zum Berufungsverfahren kamen sie frei, Dündar hat inzwischen die Türkei verlassen und lebt in Deutschland im Exil. Seit September läuft ein weiterer Prozess gegen Dündar und Gül wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung. Dündar hatte vorige Woche im EU-Parlament die politisch Verantwortlichen in den EU-Staaten aufgerufen, angesichts der Verfolgung von Journalisten und Oppositionellen in der Türkei nicht länger zu schweigen.

Die Zeitung "Cumhuriyet" wurde 1924 gegründet und zählt zu den wichtigsten unabhängigen und investigativen Medien in der Türkei. Sie zählt zu den diesjährigen Trägern des Alternativen Nobelpreises, mit dem sie "für ihren unerschrockenen investigativen Journalismus und ihr bedingungsloses Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen" ausgezeichnet wurde.

(mre/AFP/dpa)
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