| 18.34 Uhr

"Er hätte uns alle töten können"
Ein menschliches Schutzschild gegen den Attentäter von Sousse

Tunesien: Angestellte bildeten menschliches Schutzschild gegen Attentäter
Dieses Bild von dem Attentäter und den Hotel-Angestellten zeigte der Sender Sky News. FOTO: Screenshot Youtube
London/Sousse. Sie stellten sich als menschliches Schutzschild zwischen den Attentäter und die Hotel-Gäste, als Seifeddine Rezgui am Strand von Sousse wahllos Menschen erschoss. In einem Interview berichteten die Hotel-Angestellten nun, wie es dazu kam.

Es war ein Bild, dass der Sender Sky News gezeigt hatte und das viele britischen Zeitungen im Anschluss veröffentlichten: Der Attentäter Seifeddine Rezgui läuft am Strand von Sousse entlang, hinter ihm stehen einige Männer in einer Reihe. Nach Augenzeugenberichten bildeten sie so ein menschliches Schutzschild, um zu verhindern, dass der Student noch mehr Menschen erschießen würde.

Dies ist eines der Videos des Senders Sky News, der die Bilder zeigt:

"Sie schauen nicht zu, sie haben viele Leben gerettet", war zuvor John Yeoman via Twitter Spekulationen begegnet, die Männer hätten einfach nur herumgestanden. Yeoman war mit seiner Frau im benachbarten Hotel, als der Anschlag stattfand. Dem "Independent" berichtete der Mann von einem anderen Paar, dass ebenfalls vor Ort war und vom Mut der Hotel-Angestellten berichtete.

Warum die Männer sich als menschliches Schutzschild zwischen den Attentäter und die Gäste eines Nachbarhotels stellten, das hat unter anderem Ibrahim al-Ghoul, ein Paragliding-Ausbilder, dem britischen "Guardian" erzählt. Als sie sich ihm entgegenstellten, "habe ich gefühlt, dass er nicht auf so viele arabische Männer vor ihm schießen würde", sagte der 18-Jährige der Zeitung. Auch ein Angestellter des Hotels Imperial Marhaba, Ort des Anschlags, hatte der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass der Täter Tunesiern "Geht aus dem Weg" zugerufen hatte, um dann auf Ausländer zu schießen.

Polizei und Nationalgarde bewachen Strand von Sousse FOTO: ap

Der Animateur Yassine Sadkaoui sagte dem "Guardian", das jemand aus dem Marhaba-Hotel herübergerufen habe: "Komm, es sind noch einige am Leben." Und so habe auch er sich mit in die Reihe gestellt. "Zu diesem Zeitpunkt war es Schicksal. Es spielte keine Rolle, ob man getötet wird oder nicht."

Anis Gamaoun, ebenfalls angestellt in einem Nachbarhotel, sagte der Zeitung, der Attentäter habe sich dann umgedreht und sei zurückgegangen. "Er hätte uns alle töten können, wenn er es gewollt hätte."

Womöglich haben die Männer damit einigen Menschen mehr das Leben gerettet, weil der Mann dann zur Straße gegangen sei, wo er schließlich von Sicherheitskräften erschossen wurden. Zuvor hatte er allerdings 38 Menschen getötet und viele weitere verletzt.

Weitere Informationen zu dem Anschlag in Tunesien in unserem Dossier.

(das)
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