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Tunesien
Islamischer Staat bekennt sich zu Anschlag

Viele Tote bei Angriff auf Bardo-Museum
Viele Tote bei Angriff auf Bardo-Museum FOTO: afp, FB/SH
Tunis. Einen Tag nach dem blutigen Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis hat sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu der Tat bekannt.

Die Terrormiliz hat sich im Internet selbst des Terroranschlags von Tunis bezichtigt. Dies berichtete am Donnerstag die Webseite SITE, die sich auf die Beobachtung von Extremisten spezialisiert hat.

In einer am Donnerstag im Internet verbreiteten Audiobotschaft wurden die Angreifer als "Ritter des Islamischen Staates" gewürdigt. Zudem drohten die Extremisten zudem mit weiteren Anschlägen in Tunesien. Außerdem war die Rede von einer "geheiligten Invasion in einen Unterschlupf der Ungläubigen und des Lasters im muslimischen Tunesien". Sie erschien auf einem Forum, wo die Gruppe häufig Mitteilungen veröffentlicht.

Die Attentäter hatten nach Angaben von Präsident Béji Caïd Essebsi auch Sprengstoff bei sich. Sie hätten jedoch "nicht die Zeit gehabt", die Bomben zu zünden, sagte der tunesische Staatschef am Donnerstag dem französischen Sender TF1. Dank der Wachsamkeit und Schnelligkeit der Sicherheitskräfte sei "eine Katastrophe verhindert" worden. Essebsi betonte zugleich, dass die Demokratie in seinem Land fest verankert sei. "Der Prozess zur Einführung des demokratischen Systems ist bereits eingeleitet, fest verankert, es gibt kein Zurück mehr", sagte Essebsi.

Bei dem Angriff im Zentrum der tunesischen Hauptstadt wurden am Mittwoch ein Polizist sowie 20 ausländische Touristen getötet. Zwei Angreifer wurden von Sicherheitskräften erschossen. Am Donnerstag gaben die tunesischen Behörden die Festnahme von neun Verdächtigen bekannt.

Die Regierung in Tunis kündigte einen "gnadenlosen Krieg gegen den Terrorismus an". Nach einer Krisensitzung mit ranghohen Regierungsmitgliedern und Militärs teilte die tunesische Präsidentschaft mit, sie werde zur Erhöhung der Sicherheit Soldaten in alle größeren Städte entsenden. Diese sollen nach Angaben aus der Präsidentschaft an den Einfahrtsstraßen in die Städte und in den Vororten patrouillieren. Auch die Sicherheit der Grenzen soll einer Prüfung unterzogen werden.

Unterdessen haben die Staats- und Regierungschefs zum Auftakt des EU-Gipfels eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in Tunesien abgehalten. EU-Ratspräsident Donald Tusk forderte die Spitzenvertreter der 28 Mitgliedstaaten am Donnerstag auf, "für eine Minute des Schweigens aufzustehen im Gedenken an die Opfer des schrecklichen Terroranschlags in Tunesien". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Kolleginnen und Kollegen erhoben sich darauf und verharrten in stillem Gedenken.

(dpa/ap/AFP)