Skandal in Großbritannien: TV-Sender zeigt Selbsttötung eines kranken US-Bürgers
zuletzt aktualisiert: 10.12.2008 - 19:26London (RPO). Heftige Debatte in Großbritannien: Ein privater TV-Sender will am Mittwochabend die begleitete Selbsttötung des 59-jährigen US-Bürgers Craig Ewert in einer Dokumentation zeigen. Der Universitätsprofessor litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit. Er hatte sich 2006 in einer Klinik der umstrittenen Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zürich das Leben genommen.
Der private Fernsehsender Sky Real Lives wollte den vom kanadischen Oscar-Preisträger John Zaritsky mit Zustimmung von Ewert und seiner Frau Mary gedrehten Film am Mittwochabend um 21 Uhr im britischen Fernsehen ausstrahlen. Darin ist Presseberichten zufolge zu sehen, wie der Todeskandidat mit den Zähnen eine Zeitschaltuhr betätigt, die sein Beatmungsgerät 45 Minuten später ausschaltet.
Während im Hintergrund Beethovens Neunte zu hören ist, nimmt Ewert dann eine hohe Dosis Schlafmittel ein. Ein Vertreter von Dignitas sagt: "Ich wünsche Ihnen eine gute Reise."
Mary Ewert, die in den letzten Stunden ihres Mannes an seiner Seite war, verteidigte den bereits in Kanada, den USA und den Niederlanden gezeigten Dokumentarfilm in einem Beitrag für die britische Zeitung "The Independent". Ihr Mann habe gewollt, dass der Film gezeigt werde. Wenn der Tod "versteckt und privat" sei, setzten sich Menschen mit ihrer Angst davor nicht auseinander statt dem Ende ihres Lebens ehrlich ins Gesicht zu sehen.
Der britische Premierminister Gordon Brown sagte im Unterhaus, es sei wichtig, dass in dem Programm mit dem Thema "sensibel und ohne Sensationsgier" umgegangen werde. Er bekräftigte zugleich, dass er stets gegen begleitete Sterbehilfe gewesen sei.
Die Organisation Care not killing (Pflegen nicht töten) sprach von einem "zynischen Versuch" des Privatsenders, die Einschaltquote in die Höhe zutreiben. Dagegen sagte die Chefin von Sky Real Lives, Barbara Gibbon, mit dem Film werde eine wichtige Debatte angestoßen.
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