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Regime-Unterstützer verhöhnen hungernde Syrer

Damaskus. Tausenden Menschen in Madaja droht der Hungertod. Syriens Regierungsarmee hat den Ort vor einem halben Jahr von der Außenwelt abgeschnitten. Unterstützer des Regimes sollen sie jetzt mit Bildern von reich gedeckten Tischen verhöhnen. Von Ludwig Krause

Die Zustände in der von Rebellen gehaltenen Stadt Madaja sollen katastrophal sein: Seit einem halben Jahr sind etwa 40.000 Menschen von der Regierungsarmee und deren Verbündeten eingeschlossen. Nun machen Bilder im Internet die Runde, die bei vielen Beobachtern für Empörung sorgen.

Zu sehen: Reich gedeckte Tische mit Fisch, Fleisch, Oliven oder Eiern. Unter dem arabischen Hashtag, der übersetzt so viel bedeutet wie  "Solidarität mit der Belagerung von Madaja" sollen die Bilder benutzt werden, um die leidende Bevölkerung zu verhöhnen, wie der britische "The Independent" schreibt.

Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. An die opulenten Mahlzeiten, deren Fotos die Unterstützer des Regimes nun veröffentlichten, kann die Bevölkerung nicht auch nur ansatzweise denken.

In Madaja sind seit Dezember nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 23 Menschen – darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren – ums Leben gekommen. Weitere Opfer unter Menschen, die sich nicht an das örtliche Krankenhaus gewandt hätten, seien aber wahrscheinlich. 

Nun soll Helfern der Zugang zur Stadt wieder ermöglicht werden. Ab dem heutigen Montag sollen erste Hilfslieferungen die Stadt erreichen. Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja soll eine Lieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens eintreffen. Die Verhandlungen zu Friedensgesprächen in Syren sollen am 25. Januar beginnen. In dem Land tobt seit fast fünf Jahren ein Bürgerkrieg, in dem nach UN-Angaben mehr als 250.000 Menschen getötet wurden.

(lukra / dpa)
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