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Eltern von deutschem MH-17 Opfer besuchen Absturzstelle
"Sie war voller Leben"

Eltern von deutschem MH17-Opfer besuchen Absturzstelle
Eltern von deutschem MH17-Opfer besuchen Absturzstelle FOTO: afp, KLC/mse/sbe
Den Haag/Brüssel/Kiew. Vier Tage lang haben Militärflugzeuge Särge aus den Ukraine in die Niederlande geflogen. Doch noch sind nicht alle Todesopfer aus der malaysischen Boeing geborgen. An der Absturzstelle muss weiter gesucht werden. Die Eltern des deutschen MH17 Opfers konnten die Absturzstelle inzwischen besuchen.

Erstmals seit dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine im umkämpften Osten der Ukraine sind Angehörige eines der Opfer an die Unglücksstelle gekommen. Jerzy Dyczynski und Angela Rudhart-Dyczynski legten am Samstag Blumen an den Wrackteilen nieder.

Ihre 25-jährige Tochter Fatima, die deutsche Staatsbürgerin war, kam bei dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing durch prorussische Separatisten vor eineinhalb Wochen ums Leben. "Sie war voller Leben", sagte Rudhart-Dyczynski über ihre einzige Tochter. Fatima war eines von vier deutschen Opfern. Sie war auf dem Weg nach Australien, um ihre Eltern zu besuchen, als die Maschine der Malaysia Airlines am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord abstürzte.

Australische Medien hatten Jerzy Dyczynski vor der Abreise in die Ukraine mit der Aussage zitiert, er und seine Frau glaubten nicht an den Tod ihrer Tochter und hofften sie lebend zu finden. Inmitten der Trümmer brachen sie in Tränen aus, als der Tod zur Gewissheit wurde. 

Luftbrücke beendet

Die Luftbrücke für die Opfer des MH17-Flugzeugabsturzes in die Niederlande ist unterdessen vorerst beendet. Zwei Militärmaschinen aus Australien und den Niederlanden brachten am Samstag weitere 38 Särge nach Eindhoven. Es war der vierte Transport in Folge aus der ostukrainischen Stadt Charkow.

Damit sind 227 Särge mit menschlichen Überresten des abgestürzten Fluges MH17 übergeführt worden. Um wie viele der insgesamt 298 Opfer es dabei geht, ist nicht klar. Erst beim Öffnen der Leichensäcke werden Gerichtsmediziner das feststellen können. Die niederländische Regierung rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle noch weitere Opfer befinden. Um ihre Bergung zu ermöglichen, trafen am Samstag in Charkow 40 unbewaffnete niederländische Militärpolizisten ein.

Es wird weiter geklämpft

Allerdings kam es im Konfliktgebiet im Osten der Ukraine am Samstag zu schweren Kämpfen. Am Rand der Millionenstadt Donezk lieferten sich Kiew-treue Truppen und prorussische Separatisten Artilleriegefechte.
"Die Nacht war sehr unruhig", teilte Bürgermeister Alexander Lukjantschenko mit. Bürger sollten nur im Notfall auf die Straße gehen und sich möglichst im Stadtzentrum aufhalten. Gekämpft wurde unter anderem am derzeit stillgelegten Flughafen.

Die Separatisten warfen der ukrainischen Armee vor, die Stadt mit Raketenwerfern zu beschießen. Bei Granatwerferbeschuss der Ukraine auf Lugansk seien 15 Zivilisten getötet und etwa 60 verletzt worden, teilten die Separatisten mit. Eine unabhängige Bestätigung gab es nicht.

Gekämpft wurde auch an mehreren Abschnitten der Grenze zu Russland. Die Separatisten eroberten nach eigenen Angaben den Grenzübergang Marinowka im Süden des Gebiets Donezk. Dort hatte die ukrainische Armee bislang einen schmalen Landstreifen verteidigt, um ein Eindringen von Waffen und Kämpfern aus Russland zu verhindern.

Neue Sanktionen der EU

Nach langem Zögern drückt die Europäische Union in der Ukraine-Krise bei Sanktionen gegen Russland aufs Tempo. Am Samstag verbot die EU den Spitzen des Moskauer Sicherheitsapparates die Einreise. Die Leiter der Inlands- und Auslandsgeheimdienste, Alexander Bortnikow und Michail Fradkow, sowie Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew kamen auf die Sanktionsliste. Eventuelle Konten in der EU werden gesperrt. Auch Organisationen der prorussischen Aufständischen in der Ostukraine werden mit Sanktionen belegt. Moskau kritisierte die Sanktionen gegen die Geheimdienstler: Die EU habe damit die gemeinsame Sicherheitspolitik aufgekündigt.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bat die 28 Staats- und Regierungschefs der EU schriftlich um rasche Zustimmung zu neuen Wirtschaftssanktionen. Die Regierungschefs sollten ihre EU-Botschafter anweisen, am Dienstag die geplanten Maßnahmen zu billigen. Damit soll ein weiterer EU-Sondergipfel vermieden werden.

EU-Sanktionen sollten vor allem die russischen Oligarchen treffen, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Die Oligarchen seien die Grundpfeiler der russischen Politik. "Wir müssen ihre Konten in den europäischen Hauptstädten einfrieren und ihre Einreiseerlaubnisse widerrufen", sagte der SPD-Chef dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Bergungsarbeiten laufen weiter

Am Absturzort Grabowo nahe Donezk ging die Bergung von Wrackteilen der malaysischen Boeing 777-200 weiter. Es würden noch immer Leichenteile gefunden, sagte ein Vertreter der Separatisten. Der russische Präsident Wladimir Putin und der australische Premier Tony Abbot sprachen sich für eine Feuerpause um die Unglücksstelle aus. Weil dort immer noch keine geordnete Such- und Ermittlungsarbeit möglich ist, erwägen die Niederlande sogar eine bewaffnete Mission.

In Kiew bereitete sich das Parlament angesichts der Regierungskrise und der schwierigen Lage im Osten auf eine Sondersitzung am Donnerstag (31.7.) vor. Dabei könnte auch ein Verbleib des eigentlich zurückgetretenen Regierungschefs Arseni Jazenjuk im Amt beschlossen werden, berichteten Medien. Präsident Petro Poroschenko will, dass Jazenjuk bleibt. Der kommissarische Regierungschef Wladimir Groisman würde dann nach eigenen Angaben seinen Posten wieder räumen.

In zwei ukrainischen Großstädten ereigneten sich Anschläge auf den Bürgermeister. In Krementschug am Dnjepr erschossen Unbekannte am Samstag Bürgermeister Oleg Tabajew. Das Haus des Lemberger Stadtchefs Andrej Sadowy wurde mit einer Panzerabwehrgranate beschossen, ohne dass jemand verletzt wurde.

(DEU, DPA)
 
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