Appelle an Militär-Junta: UN: Entscheidende Phase in Birma
zuletzt aktualisiert: 17.05.2008 - 13:18London (RPO). Die Vereinten Nationen machen Druck auf die Militär-Junta in Birma. Mehr als zwei Wochen nach dem Zyklon befände man sich an einem kritischen Punkt, warnt Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Ausbruch von Infektionskrankheiten könne die Krise dramatisch verschlimmern. Tonnen von Hilfsgütern stehen bereit, dürfen aber nichts ins Land.
Die französische Regierung erklärte, das Marineschiff "Le Mistral" warte rund 22 Kilometer vor den Hoheitsgewässern von Birma. Die 1000 Tonnen Lebensmittel reichten, um 100.000 Menschen 15 Tage zu ernähren. Zudem seien Notunterkünfte für 15.000 Menschen an Bord. Noch müssten die Einzelheiten geklärt werden, wie die Hilfe an Land und zu den Menschen komme.
Der französische UN-Botschafter Jean-Maurice Ripert kritisierte die Junta, weil sie dem Schiff bislang die Fahrt ins besonders betroffene Irrawaddy-Delta verweigert. Diese Weigerung könne "zu einem wirklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit führen", sagte Ripert. Birma habe gefordert, die Hilfsgüter nach Rangun zu fliegen, von wo sie weiterverteilt werden sollten, sagte Ripert. Die Militärführung besteht darauf, dass sie die Hilfsgüter verteilt. Den ausländischen Mitarbeitern von Hilfsorganisationen verweigert sie die Einreise.
UN-Koordinator erwartet
Zur Erkundung der Lage nach Birma wurde am Sonntag der Koordinator der Vereinten Nationen für humanitäre Einsätze, John Holmes, in dem Land erwartet. Er wolle das Militärregime überzeugen, weitere Helfer der Vereinten Nationen ins Land zu lassen und die Hilfe für die Überlebenden deutlich aufzustocken, hieß es. Eine Gruppe ausländischer Diplomaten sollte am Samstag in das Irrawaddy-Delta geführt werden.
Das Militärregime hatte am Freitag die offizielle Zahl der Toten drastisch nach oben korrigiert: Das staatliche Fernsehen sprach von fast 78.000 Todesopfern. Dies war fast doppelt so viel wie die zuvor von der Militärregierung bestätigten 43.318. Die Zahl der weiterhin Vermissten wurde von dem Sender mit 55.917 angegeben - ebenfalls eine Verdoppelung von den bislang genannten 27.838. Die Vereinten Nationen haben erklärt, sie rechneten letztlich mit mehr als 100.000 Toten. Die Internationale Föderation vom Roten Kreuz und Roten Halbmond setzte die Zahl sogar bei bis zu 128.000 an.
Brown: Junta ist unmenschlich
Der britische Premierminister Gordon Brown bezeichnte die Blockadepolitik der birmanischen Militärmachthaber gegenüber ausländischer Hilfe als "unmenschlich". "Wir haben eine unerträgliche Situation, hervorgerufen durch eine Naturkatastrophe. Durch Fahrlässigkeit wird sie zu einer von Menschen gemachten Katastrophe", sagte Brown am Samstag im BBC-Rundfunk.
Der britische Premier warf der birmanischen Junta "unmenschliche Behandlung" der eigenen Bevölkerung vor. Sie helfe den Opfern von Wirbelsturm "Nargis" nicht und hindere die internationale Gemeinschaft "zu tun, was sie tun will". Die Verantwortung für das Ausmaß der Katastrophe liege "bei Birmas Regime", fügte der britische Premier hinzu. Es werde dafür "zur Verantwortung gezogen".
Zwar hatte die birmanische Regierung am Freitag rund hundert Ärzten aus Asien die Einreise erlaubt, doch reicht das nach Einschätzung von Hilfsorganisationen bei weitem nicht aus, um den Menschen in den Katastrophengebieten zu helfen, wo bereits erste Cholera-Erkrankungen gemeldet werden. Nach offiziellen birmanischen Angaben vom Freitag kamen fast 78.000 Menschen durch den Sturm ums Leben, weitere 56.000 gelten als vermisst. Westliche Diplomaten und die Vereinten Nationen schätzen, dass durch die Wirbelsturm-Katastrophe mehr als 100.000 Menschen umkamen und bis zu zwei Millionen Menschen ihr Hab und Gut verloren.
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