| 19.19 Uhr

Tritte gegen Flüchtlinge
Entsetzen über ungarische Kamerafrau

Ungarische Kamerafrau trat selbst Kinder
Ein Screenshot zeigt, wie die mittlerweile gefeuerte Kamerafrau versucht, mit einem Tritt ein flüchtendes Kind zu stoppen. FOTO: ap
Budapest. Das Verhalten einer ungarischen Kamerafrau nahe der Grenze zu Serbien hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Journalistin hatte versucht, Flüchtlinge mit Tritten zu Fall zu bringen. Im Internet wünschen ihr Nutzer die Pest an den Hals. 

Auf einer am Mittwoch im sozialen Netzwerk Facebook eingerichteten "Wall of Shame" (Mauer der Schande), auf der Fotos und Videos von dem Vorfall gezeigt wurden, bekundeten bis zum Abend rund 16.000 Menschen ihren Ärger über den Vorfall.

Die Kamerafrau hatte unter anderem einem Flüchtling mit einem Kind auf dem Arm ein Bein gestellt.

Der Mann mit dem Kind auf dem Arm stürzte nach der Aktion der Kamerafrau zu Boden.

Das folgende Video stammt von Stephan Richter, einem Reporter von RTL, der die Szene aufgenommen hat.

Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, wie die Frau auch einem Flüchtlingskind einen Tritt gibt. 

In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich die Aufnahmen in Windeseile. "Sie sind eine Schande für Ihren Berufsstand", hieß es unter anderem auf Facebook.

Zwei ungarische Oppositionsparteien stellten Strafanzeige gegen die Kamerafrau. Die ungarische Sektion der Menschenrechtsorganisation Helsinki-Komitee sprach von "schockierenden Bildern". Sie habe bewusst nur Ausländer getreten. "Das war kein Versehen, das ist ganz klar."

Die Kamerafrau arbeitete für den Internet-Fernsehsender N1TV, der der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik nahe steht. Chefredakteur Szabolcs Kisberk schrieb auf der Facebook-Seite des Senders am Dienstagabend: "Eine N1TV-Kollegin hat sich heute an einem Sammelpunkt (für Flüchtlinge) in Röszke inakzeptabel verhalten."

Der Arbeitsvertrag mit der Kamerafrau sei daher mit sofortiger Wirkung beendet worden. Der Sender betrachte die Angelegenheit damit als "abgeschlossen".

Die Aufnahmen waren entstanden, als am Dienstag hunderte wartende Flüchtlinge an einem Sammelpunkt in Röszke nahe der Grenze zu Serbien eine Polizeiabsperrung durchbrachen. In Röszke trifft ein Großteil der Flüchtlinge von der sogenannten Balkanroute ein, die Westeuropa erreichen wollen.

Die Lage an dem Grenzübergang ist seit Tagen angespannt. Seit Jahresbeginn sind schon mehr als 165.000 Flüchtlinge nach Ungarn gekommen, die überwiegende Mehrheit von ihnen will weiter Richtung Deutschland oder Skandinavien.

(AFP)
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