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Dutzende Tote bei Bootsunglücken
Ungarn und Kroatien schicken Flüchtlinge nach Österreich weiter

Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht
Von Albanien bis zum Südsudan: Ursachen der großen Flucht FOTO: ALESSANDRO BIANCHI
Nickelsdorf. Trotz Stacheldrahts und scharfer Grenzkontrollen in Ungarn, Kroatien und Slowenien sind am Wochenende erneut tausende Flüchtlinge nach Österreich gekommen. Allein am Samstag erreichten laut österreichischem Rotem Kreuz bis zu 13.000 Flüchtlinge die Alpenrepublik, mehr als 7000 folgten bis Sonntagnachmittag. Tausende weitere machten sich über das Mittelmeer auf den gefährlichen Weg in die EU, viele verloren dabei ihr Leben.

Der Andrang von Flüchtlingen über die sogenannte Westbalkanroute hielt am Wochenende unvermindert an: Nachdem Ungarn seine Grenze zu Serbien mit einem Zaun und Stacheldraht abgeriegelt hatte, kamen in Kroatien seit Mittwoch nach Angaben der Regierung in Zagreb 25.000 Flüchtlinge an, manche von ihnen einfach zu Fuß über Felder aus Serbien.

Kroatien hatte deshalb damit begonnen, Flüchtlinge an die ungarische Grenze zu bringen, was wütende Reaktionen in Budapest zur Folge hatte. Ungarn stellte nun einen Stacheldrahtzaun auch an der Grenze zu Kroatien fertig. Zugleich wurde der Hauptgrenzübergang Horgos-Röszke 1 nach Serbien am Sonntag wieder geöffnet. Zudem begann Budapest stillschweigend, die Flüchtlinge möglichst rasch in Bussen in Richtung Österreich weiterzuleiten.

Die EU-Staaten und ihre Flüchtlingspolitik

Hunderte Flüchtlinge versuchten zudem, von Kroatien aus nach Slowenien zu gelangen. Beim Grenzort Bregana fuhren am Sonntagmorgen bereits die ersten Busse mit Flüchtlingen ab, ein slowenischer Polizist versicherte, dass "stündlich" hundert Menschen befördert würden. Bei dem Grenzort hatte die slowenische Polizei am Freitag noch Tränengas gegen die Flüchtlinge eingesetzt.

Die meisten Flüchtlinge wollen von Österreich aus weiter nach Deutschland oder Schweden. Nach Angaben der Bundespolizei in München reisten mehr als 1300 Flüchtlinge am Wochenende nach Bayern ein.

Die Außenminister der Visegrad-Gruppe aus Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn kommen am Montag mit ihrem luxemburgischen Kollegen in Prag zu Beratungen über die Flüchtlingskrise zusammen. Luxemburg hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne. Die Länder der Visegrad-Gruppe lehnen bislang die Einführung verbindlicher Quoten für die Verteilung der Flüchtlinge in Europa ab, wie sie die EU-Kommission anstrebt.

Flüchtlingsdramen im Mittelmeer

Die EU-Innenminister wollen am Dienstag erneut versuchen, sich auf eine Verteilung der Flüchtlinge zu einigen. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sollen nun auch die EU-Mitglieder Kroatien und Slowenien wegen der hohen Flüchtlingszahlen entlastet werden.

Berlin und Wien forderten zudem eine Aufstockung der UN-Hilfen für die syrischen Flüchtlinge im Libanon und Jordanien um fünf Milliarden Euro. "Wir müssen in den Ländern helfen, wo das Elend so groß ist, dass sich die Menschen auf den Weg machen", sagte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Samstag in Wien. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn plädierte zudem für eine Hilfe von "bis zu einer Milliarde Euro" für die Türkei.

Auch direkt über das Mittelmeer versuchten wieder tausende Menschen, Europa zu erreichen. Vor der libyschen Küste retteten die italienische Küstenwache und andere Schiffe am Samstag mehr als 4500 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Eine Frau konnte nur dabei noch tot geborgen werden. Die libysche Küstenwache rettete am Samstag und Sonntag knapp 500 weitere Flüchtlinge.

Polizei stoppt Flüchtlinge an slowenischer Grenze FOTO: ap

Bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland kam es erneut zu Tragödien: Vor der türkischen Küste ertranken am frühen Sonntag bis zu 24 Flüchtlinge, als ihr Schlauchboot auf dem Weg zur Insel Lesbos von einer türkischen Fähre gerammt wurde, die es in der Dunkelheit offenbar nicht gesehen hatte. Von den 46 Insassen konnten 22 zunächst gerettet werden, 13 wurden nur noch tot geborgen. Unter ihnen waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Dogan sechs Kinder.

Nach einem weiteren Bootsunglück vor der Küste von Lesbos suchte die Küstenwache unterdessen weiter nach 26 vermissten Flüchtlingen, darunter ebenfalls auch Kinder. 20 Überlebende konnten laut Behörden gerettet werden.

Weitere Informationen zur Flüchtlingskrise in unserem Dossier.

(AFP)
 
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