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Unicef-Bericht
Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut

Unicef-Bericht: Etwa 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut
"Kinder sind nicht nur mehr gefährdet davon, in extremer Armut zu leben, die Auswirkungen davon sind für sie auch am schädlichsten." FOTO: afp, mlo
New York. Allein in Nigeria leiden etwa 400.000 Kinder unter lebensbedrohlicher Mangelernährung. Weltweit sind etwa 385 Millionen Kinder Armut ausgesetzt. Das berichtet die Kinderschutzorganisation Unicef.

Besonders stark seien Kinder in Afrika südlich der Sahara und im südlichen Asien, vor allem in Indien, betroffen, heißt es in dem Unicef-Bericht. So lebten 2013 beispielsweise 19,5 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern in Haushalten, die durchschnittlich nur rund 1,70 Euro pro Person am Tag zur Verfügung hätten. Erwachsene in Entwicklungsländern seien nur halb so oft von extremer Armut betroffen.

"Kinder sind nicht nur mehr gefährdet, in extremer Armut zu leben, die Auswirkungen davon sind für sie auch am schädlichsten", sagte Unicef-Chef Anthony Lake laut Mitteilung. "Sie sind die Ärmsten der Armen – und die jüngsten Kinder sind die allerärmsten, denn die Entbehrungen wirken sich auf die Entwicklungen ihrer Körper und Gehirne aus." Für den Bericht wertete Unicef Daten aus 89 Ländern aus.

"Das Leben von Kindern hängt sprichwörtlich am seidenen Faden"

Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef leiden in Nigeria etwa 400.000 Kinder unter lebensbedrohlicher Mangelernährung. Besonders die nordöstlichen Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamaoua seien von der Krise betroffen, sagte Ninja Charbonneau vom deutschen Unicef-Komitee am Freitag. In dem westafrikanischen Land sind demnach rund vier Millionen Menschen von Hunger bedroht.

Im Nordosten Nigerias führt die islamistische Terrorgruppe Boko Haram einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines islamischen Staats. Seit die Regierung die Extremisten vor einigen Wochen aus der Region zurückgedrängt hatten, bekämen Hilfsorganisationen zum ersten Mal wieder Zugang zu dieser Region, erklärte Charbonneau. "Deshalb wird jetzt erst so langsam das ganze Ausmaß der humanitären Not deutlich."

"Das Leben von Kindern hängt sprichwörtlich am seidenen Faden", sagte der Direktor der Unicef-Nothilfe Afshan Khan. Bislang konnte nur knapp ein Viertel der von Unicef benötigten 115 Millionen Dollar (rund 102 Millionen Euro), bereitgestellt werden. Bisher sei eine ausreichende Versorgung in Borno komplett gescheitert, obwohl bereits vor Monaten ein Nahrungsmittelnotstand ausgerufen worden war, hatte auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch mitgeteilt.

Seit 2009 töteten die radikalen Islamisten in Nigeria und den Nachbarländern, Kamerun, Niger und dem Tschad mindestens 14.000 Menschen, etwa 2,7 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

(gol/dpa)
 
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