Zyklon "Nargis": Uno rechnet mit 24 Millionen Katastrophen-Opfern in Birma
zuletzt aktualisiert: 07.05.2008 - 06:36Rangun/Frankfurt (RPO). Die Katastrophe nach dem Wirbelsturm in Birma übersteigt alle Befürchtungen: Inzwischen ist offiziell von über 22.000 Toten die Rede. 40.000 Menschen werden vermisst. Insgesamt sind nach Angaben der Uno im ganzen Land 24 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen - fast die Hälfte der Bevölkerung.
Die Opferzahl könnte noch weiter steigen, da mindestens 40.000 Menschen vermisst werden. Ganze Dörfer wurden nach UN-Angaben ausgelöscht. Während das gesamte Ausmaß des Schadens auch mehrere Tage nach dem Wüten des Zyklons "Nargis" kaum zu erahnen ist, haben die großen deutschen Hilfswerke dringend zu Spenden für die notleidende Bevölkerung in dem südostasiatischen Land aufgerufen.
Doch die verzweifelt benötigten Hilfslieferungen für die bis zu eine Million Menschen, denen der Sturm das Dach über dem Kopf geraubt hat, kommen nur schleppend voran. Erschwert wird die Arbeit der Organisationen vom schlechten Verkehrsnetz des verarmten Landes, aber auch von bürokratischen Blockaden der Militärjunta. Denn entgegen offizieller Verlautbarungen wird die Arbeit der Helfer noch immer massiv behindert.
Offen darüber sprechen wollen die Hilfsorganisationen nicht - zu groß ist die Angst, Lieferungen an die notleidende Bevölkerung könnten vollständig blockiert werden. "Myanmar (Birma) ist neben Nordkorea das restriktivste Regime, in dem man arbeiten kann", sagte am Dienstag ein Mitarbeiter einer großen Hilfsorganisation, die nicht namentlich genannt werden soll, der Nachrichtenagentur AP. "Kritische Äußerungen schlagen sofort auf unsere Arbeitsbedingungen durch."
Hilfe läuft an
Trotz anfänglicher Hindernisse kam die Hilfe der Vereinten Nationen in dem verwüsteten Land inzwischen ins Rollen. Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilte am Dienstag die ersten Lebensmittellieferungen in der Millionenmetropole Rangung. Viele Küstenregionen seien wegen Überschwemmungen und zerstörter Straßen aber nach wie vor nicht zu erreichen, erklärte die Organisation. Das WFP hat nach eigenen Angaben jetzt über 800 Tonnen Lebensmittel in Rangun. UN-Mitarbeiter hatten zuvor auf ihre Einreiseerlaubnis warten müssen.
Das Rote Kreuz und andere Organisationen haben ebenfalls Hilfslieferungen in die Wege geleitet. Eine Militärmaschine aus Thailand brachte neun Tonnen Hilfsgüter nach Birma. Die Regierung hat insbesondere um Baumaterial für Dächer, um Medikamente, Wasserreinigungstabletten und Moskitonetze gebeten.
Die Europäische Kommission stellte Hilfsgüter im Wert von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Birmas enger Verbündeter China sagte dem Land eine Million Dollar (646.000 Euro) in bar und Hilfslieferungen zu.
Jetzt drohen Seuchen
Satellitenbilder der Vereinten Nationen zeigten, dass sich die Schäden auf ein 30.000 Quadratkilometer großes Gebiet entlang der Andamanensee und dem Golf von Martaban konzentrieren. Dort leben etwa ein Viertel der 57 Millionen Einwohner Birmas.
Die völlig zerstörte Infrastruktur stellt ein immenses Hindernis für die Versorgung der Katastrophenopfer dar. Experten rechnen mit einer raschen Ausbreitung von Malaria, Durchfall und anderen Krankheiten. Sollten die Menschen nicht schnell mit dem Nötigsten versorgt werden, könnte bald eine zweite Katastrophe drohen, erklärte das Kinderhilfswerk Unicef. Der Zyklon "Nargis" war am Samstag über Birma hinweggerast.
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