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Paris: Unruhen weiten sich auf andere Städte aus

zuletzt aktualisiert: 04.11.2005 - 17:07

Paris (rpo). Die Unruhen in den Vorstädten von Paris sind am Freitag in die zweite Woche gegangen und haben auf weitere Städte in Frankreich übergegriffen. Hunderte Fahrzeuge, aber auch Lagerhallen und Geschäfte gingen wieder in Flammen auf.

Behördenvertreter äußerten aber die Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei und die Gewalt allmählich nachlasse. Der Bruder eines der Jungen, deren Tod vor acht Tage die schweren Krawalle ausgelöst hatte, rief seine Altersgenossen zur Mäßigung auf.

Krawalle wurden in der Nacht zum Freitag auch aus der Nähe von Dijon und einem Vorort von Marseille gemeldet. Insgesamt fast 20 Fahrzeuge wurden dort angezündet. Im Großraum Paris gingen 420 Autos in Flammen auf, auch drei Lagerhäuser und ein Busdepot wurden angezündet. Bei einem Angriff auf einen Bus in der Ortschaft Sevran wurde zudem ein Behinderter verletzt, wie die Präfektur des am schwersten betroffenen Départements Seine-Saint-Denis mitteilte. Auch mehrere Polizisten wurden verwundet.

Nach Polizeiangaben gingen die Angriffe von kleinen, hoch mobilen Gruppen von Jugendlichen aus. Direkte Konfrontationen mit den Sicherheitskräften gab es kaum. "Das Schlimmste liegt hinter uns", erklärte der Bürgermeister von Aulnay-sous-Bois, Gerard Gaudron. Dem Sender France-Info sagte er, die Eltern achteten jetzt mehr darauf, dass ihre Kinder zu Hause blieben. "Die Menschen haben genug."

"Sie sind es, die uns das Leben retten"

Silyakah Traore, dessen 15-jähriger Bruder am Donnerstag vergangener Woche zusammen mit einem Freund einen tödlichen Stromschlag erlitt, als sie sich in einem Transformatorenhäuschen vor Polizisten versteckten, erklärte am Freitag, er bitte die Jugendlichen in den überwiegend von Einwanderern bewohnten Vorstädten, "sich zu beruhigen und aufzuhören, mehr oder weniger alles zu verwüsten". Im Radiosender RTL sagte er: "Auf diese Weise wird es uns nicht gelingen, uns Gehör zu verschaffen." Besonders kritisierte er die wiederholten Angriffe auf Feuerwehrleute. "Sie sind es, die uns das Leben retten. Wir brauchen sie." Er bekräftigte jedoch die Vorwürfe an die Polizei.

Diese hatte am Donnerstag einen Bericht vorgelegt, demzufolge die drei Jugendlichen am Abend des 27. Oktobers Fußball spielten und die Flucht ergriffen, als wegen Eindringens in eine Baustelle alarmierte Polizisten eintrafen. Sie seien aber nicht von Polizisten verfolgt worden, heißt es unter Berufung auf eine Aussage des überlebenden Jugendlichen. Nach dem Vorfall kam es in Clichy-sous-Bois Nacht für Nacht zu Sabotageakten und Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften, die bald auf weitere Vorstädte übergriffen.

Die Polizei verwies unterdessen darauf, dass angezündete Autos in den Vorstädten zum Alltag gehören. Jeden Monat gebe es tausende derartige Fälle. In diesem Jahr seien schon fast 70.000 Fälle von Gewalt in den Vorstädten registriert worden, darunter Angriffe auf Polizei und Rettungsdienste, Brandanschläge und Sachbeschädigungen.

Die Bahngesellschaft SNCF schränkte unterdessen die Zahl der Züge in das Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris ein. Sie reagierte damit auf einen Brandanschlag auf den S-Bahnhof von Le Blanc-Mesnil am Mittwochabend. Eine Fahrergewerkschaft forderte, dass S-Bahnen in sozial schwierige Vorstädte künftig von Sicherheitskräften begleitet werden sollten.

Quelle: ap

 
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