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Erste Hilfsgüter eingetroffen: US-Präsident Bush verdammt Birmas Junta

zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 06:14

London/Rangun (RPO). Nach der Wirbelsturmkatastrophe in Birma hat US-Präsident George W. Bush dazu aufgerufen, das Krisenmanagement der Militärjunta weltweit zu verdammen. "Die Welt sollte wütend sein" und Birmas Regierung verurteilen, sagte Bush am Montag in einem Interview mit dem CBS-Rundfunk. Unterdessen sind weitere Helfer auf dem Weg in das südostasiatische Land, darunter auch ein Team des Technischen Hilfswerks (THW).

"Man kann noch gar nicht sagen, wie viele Menschen wegen der langsamen Reaktion auf das Disaster ihr Leben verloren haben", sagte Präsident Bush. Über die birmanische Militärregierung sagte er: "Entweder sind sie isoliert oder einfach nur gleichgültig."

Am Montag war das erste US-Militärflugzeug mit Hilfslieferungen in Birma gelandet. Zuvor hatte die Junta den US-Helfern die Einreise verweigert. Durch den Sturm vor anderthalb Wochen kamen nach birmanischen Angaben fast 32.000 Menschen ums Leben. Mehr als 29.000 Menschen werden vermisst.

An Bord der US-Militärmaschine vom Typ C-130 waren vor allem Trinkwasser, Decken und Moskito-Netze. Die Versorgungsgüter sollen mit Hubschraubern der birmanischen Luftwaffe in die am schwersten betroffene Region des Irrawaddy-Deltas gebracht werden. Zwei weitere US-Flüge wurden für Dienstag angekündigt.

Eine Erlaubnis für eine umfassende Hilfsaktion der USA liege noch nicht vor, werde aber geprüft, sagte der Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, Admiral Timothy Keating. Für den geplanten Einsatz mit der Bezeichnung "Caring Relief" wollen die USA 11.000 Soldaten, sechs Frachtflugzeuge und mehrere Hubschrauber bereitstellen.

Der Leiter des US-Programms für die Katastrophenhilfe im Ausland, Ky Luu, sagte am Montag, es bestehe die große Sorge, ob die nach Rangun transportierten Güter auch wirklich die Menschen erreichten, die darauf angewiesen seien. Luu rief die Regierung von Birma auf, ausländische Experten für die Katastrophenhilfe ins Land zu lassen.

Rüge von UN-Generalsekretär

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Militärregierung in Birma wegen ihrer "inakzeptabel langsamen" Reaktion auf die Zyklon-Katastrophe scharf gerügt. Nun dürfe man "absolut keine Zeit mehr verlieren", sagte Ban am Montag vor Journalisten. Ob die Vereinten Nationen die Junta zwingen sollten, mehr internationale Hilfe anzunehmen, liege in der Entscheidung des Weltsicherheitsrates. Nach Einschätzung der UN sind rund zwei Millionen Menschen im Katastrophengebiet von tödlichen Krankheiten und vom Hungertod bedroht.

Die Verzögerung der internationalen Hilfe für die Zyklon-Opfer in Birma beschäftigt zudem den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Der Rat werde noch vor Mitte dieser Woche zusammenkommen, um das Militärregime zu einer Öffnung des Landes zu bewegen, teilten britische Regierungsbeamte am Montag mit.

"Die Behörden in Birma müssen erkennen, dass ihr Mangel an Zusammenarbeit verhindert, dass die Hilfe zu den Menschen gelangt", sagte der britische Premierminister Gordon Brown. Der Regierungschef lehnt jedoch Forderungen aus der konservativen Opposition ab, Hilfsgüter auch gegen den Willen der Militärjunta aus der Luft über dem Katastrophengebiet abzuwerfen.

Offenbar als Reaktion auf den wachsenden internationalen Druck erlaubte das Regime die Landung von Flugzeugen mit Hilfsgütern aus dem Ausland. Am Montag trafen Maschinen aus den USA und Frankreich mit mehreren Tonnen Trinkwasser, Decken und Medikamenten in Rangun ein.

THW-Team auf dem Weg nach Rangun

Am Dienstag wird die Ankunft von zwölf Trinkwasserexperten des Technischen Hilfswerks (THW) erwartet. Die Helfer starteten mit einer Linienmaschine von Frankfurt am Main nach Rangun. Den Experten folgt am Dienstag eine vom Auswärtigen Amt gecharterte Frachtmaschine mit vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Diese können sauberes Wasser für täglich 40.000 Menschen produzieren. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Montag in Berlin, das Auswärtige Amt habe bisher eine Million Euro für Hilfsmaßnahmen in Birma bereit gestellt.

Auch zwei Flugzeuge aus Frankreich landeten am Montag in Rangun. An Bord waren Medikamente und Gerät der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Medecins du Monde. Lastwagen sollen die Hilfsgüter in das Irrawaddy-Delta bringen, darunter auch Arzneimittel zur Behandlung von Durchfallerkrankungen.

Zelte und Decken kamen am Montag mit dem ersten Landtransport des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) nach Rangun. Die beiden Lastwagen benötigten zwei Tage für die Strecke.

Menschen flüchten in Klöster

Im Katastrophengebiet haben hunderte Menschen in Klöstern Schutz gesucht, wo sie auf dem Fußboden schlafen. Andere übernachten im Freien und trinken schmutziges Wasser, das mit Fäkalien oder Kadavern verseucht war. "Bisher haben wir genug Wasser, weil wir Regen aufgefangen haben", sagte der Abt eines Klosters in Pyapon. "Aber wir haben nichts mehr zu essen."

Die Zahl der Toten nach dem Zyklon "Nargis" stieg unterdessen nach amtlichen Angaben auf 31.938. Fast ebenso viele Menschen gelten noch als vermisst. Catherine Bragg vom Generalsekretariat der Vereinten Nationen sagte, die tatsächliche Zahl der Todesopfer liege vermutlich zwischen 62.000 und 100.000 "oder womöglich noch höher". Nach Einschätzung der Hilfsorganisation Oxfam ist das Leben von 1,5 Millionen Menschen akut bedroht.

Quelle: ap

 
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