Abschiebung wird forciert: US-Regierung will Demjanjuk loswerden
zuletzt aktualisiert: 17.04.2009 - 20:40Cleveland (RPO). Die US-Regierung will die Abschiebung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk nach Deutschland beschleunigen. Man habe die Verzögerungstaktik satt, erklärte das Justizministerium am Freitag in Washington.
In einem Schreiben wurde das Sechste US-Bezirksgericht in Cincinnati demnach darüber informiert, dass die Regierung gegen den Aufschub der Abschiebung beim Berufungsgericht des Staates Ohio Widerspruch einlegen werde.
Der 89-jährige Demjanjuk befindet sich derzeit wieder in seinem Haus in einem Vorort von Cleveland im Staat Ohio. Das Justizministerium erklärte in seinem Schreiben, Demjanjuk werde im Falle einer Aufhebung des Abschiebungsaufschubs für fünf Tage noch nicht zu einem Flugzeug gebracht. Dies gelte bis zum 30. April. Warum gerade dieses Datum genannt wurde, blieb zunächst unklar.
Der mutmaßliche frühere KZ-Aufseher soll in München wegen Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vor Gericht gestellt werden. Am vergangenen Dienstag wurde er bereits im Rollstuhl aus seinem Haus zum Flugzeug gebracht, doch dann verhinderte das Gericht in Cincinnati die Abschiebung praktisch in letzter Minute. Seine Familie hatte wegen Demjanjuks offenbar schlechtem Gesundheitszustand bei Gericht Einspruch eingelegt.
Sollte Demjanjuk doch noch nach München überstellt werden, würde er dort zunächst von einem Amtsarzt auf seine Haftfähigkeit untersucht. Je nach Ergebnis käme er dann ins Gefängnis Stadelheim, in eine Krankenabteilung dort oder in ein Krankenhaus mit Haftkrankenraum, wie Stefan Heilmann, Sprecher des bayerischen Justizministeriums, erklärte. Spätestens wenn Anklage erhoben werde, prüfe ein medizinischer Gutachter dann auch die Verhandlungsfähigkeit.
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