| 06.42 Uhr

Landesweites Verbot aufgehoben
US-Pfadfinder lassen erstmals homosexuelle Gruppenführer zu

USA: Pfadfinder lassen erstmals homosexuelle Gruppenführer zu
Auch Gruppenführer der Pfadfinder dürfen nun offen zu ihrer Homosexualität stehen. FOTO: afp, kb/ljm
Washington. Die US-Pfadfinder haben das landesweite Verbot für homosexuelle Gruppenführer aufgehoben. Die Entscheidung wurde am Montag vom 80-köpfigen Führungsgremium der Boy Scouts of America (BSA) mit einer Mehrheit von 79 Prozent gefällt, wie die Organisation auf ihrer Internetseite mitteilte.  Demnach werden mit sofortiger Wirkung offen homosexuelle Erwachsene als Gruppenführer zugelassen.

Der Entscheidung war eine jahrelange kontroverse Debatte vorausgegangen, wobei insbesondere die vielen religiös geprägten Abteilungen eine Aufhebung des Verbots ablehnten.

Wie die BSA mitteilte, dürfen die einzelnen Abteilungen aber auch weiterhin Homosexuellen verbieten, Gruppenführer zu werden, wenn dies ihren religiösen Überzeugungen widerspricht. Der BSA hat rund 2,5 Millionen Mitglieder und etwa eine Million erwachsene Freiwillige. Rund 70 Prozent der Abteilungen werden von kirchlichen Gruppen betrieben, was die Aufhebung des Verbots erschwerte. Die Mormonen betreiben die meisten BSA-Abteilungen. Die BSA erklärte aber, die Aufhebung des Verbots sei angesichts der gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in den USA unvermeidlich.

Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe FOTO: afp, DM

Der BSA-Präsident Robert Gates hatte im Mai bei der jährlichen Versammlung der Organisation gewarnt, dass Gerichte sie zur Änderung ihrer Regeln zwingen könnten, wenn sie dies nicht selbst tue. Der frühere CIA-Direktor und Verteidigungsminister sagte, dies werde "eher früher als später" geschehen. Die BSA, die sich als "wertebasierte Organisation zur Entwicklung der Jugend" beschreibt, hatte im Januar 2014 nach einem mehr als 20-jährigen Verbot die Aufnahme von homosexuellen Jugendlichen als Pfadfinder erlaubt.

Schwulenrechtsgruppen und religiöse Organisationen begrüßten die Entscheidung von Montag. Scouts for Equality, die sich seit 2012 für die Beendigung der Diskriminierung von Homosexuellen bei den Pfadfindern einsetzen, sprachen vom "Beginn eines neuen Kapitels". Human Rights Campaign (HRC) kritisierte dagegen die Ausnahmen für die von Kirchen betriebenen Abteilungen und forderte die völlige Gleichstellung von Homosexuellen innerhalb der BSA. "Diskriminierung sollte keinen Platz bei den Boy Scouts haben. Punkt", sagte der HRC-Präsident Chad Griffin.

Der 1910 gegründete BSA ist der größte Jugendverband der USA. In seinen rund 110.000 örtlichen Gruppen sind mehrheitlich Jungen und männliche Jugendliche im Alter von sieben bis 21 Jahren organisiert. In der Altersgruppe ab 14 Jahren werden auch Mädchen aufgenommen. Die meisten Ortsgruppen werden finanziell von Kirchen unterstützt.

In der Bundesrepublik zählt der Ring deutscher Pfadfinderverbände (RDP) 220.000 Mitglieder. Unter den im RDP zusammengeschlossenen katholischen, evangelischen und konfessionslosen Organisationen hat die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) mit gut 100.000 Mitgliedern den größten Zulauf.

(AFP/dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

USA: Pfadfinder lassen erstmals homosexuelle Gruppenführer zu


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.