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  Foto: AFP, AFP
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Wer flieht, muss mit Abschiebung rechnen: USA rüsten sich für Massenflucht aus Haiti

zuletzt aktualisiert: 19.01.2010 - 09:25

Port-au-Prince (RPO). Haiti liegt am Boden. Die Opfer des Erdbebens kämpfen ums Überleben. Nur langsam greift die Hilfe. Die USA bereiten sich auf einen Ansturm von Flüchtlingen vor. Und warnen: Wer illegal aus Haiti flüchtet, muss auch künftig mit Abschiebung rechnen.

In einem Auffanglager für Einwanderer im US-Staat Florida solle vorsorglich Platz für die Aufnahme von Überlebenden des verheerenden Erdbebens der vergangenen Woche geschaffen werden, teilte das US-Heimatschutzministerium am Montag mit.

Einige Flüchtlinge könnten notfalls auch auf den US-Militärstützpunkt Guantanamo in Kuba gebracht werden, erklärte das Heimatschutzministerium weiter. Sie würden aber getrennt von den im Gefangenenlager Guantanamo festgehaltenen Terrorverdächtigen untergebracht. Bislang gebe es keine konkreten Anzeichen für eine Massenflucht aus Haiti, betonten Ministeriumsvertreter. Man wolle aber für alle Fälle gerüstet sein.

Info
Spenden

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00 oder online unter: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz, Spendenkonto: 41 41 41 Bank für Sozialwirtschaft BLZ: 370 205 00 Stichwort: Haiti Online-Spenden unter: www.DRK.de/spenden

USA warnen Bevölkerung zu fliehen 

Die US-Regierung hat bereits deutlich gemacht, dass illegal aus Haiti einreisende Flüchtlinge auch künftig mit einer Abschiebung rechnen müssen. Washington hat zwar einen vorläufigen Abschiebestopp für Haitianer verhängt, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens am 12. Januar bereits in den USA aufhielten. Dieses Moratorium gilt aber nicht für Haitianer, die nach dem Beben die USA zu erreichen versuchen.

Die USA liegen etwa 1000 Kilometer von Haiti entfernt. Washington bemüht sich nach Kräften, eine Flüchtlingswelle zu vermeiden. Wie die New York Times am Dienstag berichtet, scheut sie dabei auch keine ungewöhnlichen Mittel und warnt die Haitianer ausdrücklich vor einer Flucht. Demnach kreuzt ein mit Radiostation ausgestattetes Flugzeug über dem Katastrophengebiet und sendet einen dringenden Appell des US-Botschafters an die Bevölkerung: "Bleibt, wo Ihr seid. Wagt nicht die Flucht mit dem Boot. Sonst vergrößert das nur unsere Probleme."

Ausnahmen für Waisenkinder

Dann die an Klarheit kaum zu überbietenden Sätze: "Denkt nicht, Ihr könnt die USA erreichen und die Türen würden Euch dort offenstehen. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Sie werden Euch noch auf dem Wasser abfangen und dort hinschicken, wo Ihr hergekommen seid." Ob und inwieweit die ausgestrahlten Botschaften der US-Regierung auch ihre Empfänger erreichen, bleibt zweifelhaft. In dem zerstörten Land sind Fernseher oder Radios Luxusware. Eine mediale Öffentlichkeit gibt es nicht mehr.

Die US-Regierung lockerte immerhin die Einreisebestimmungen für Waisenkinder, die in den USA bereits für eine Adoption zugelassen wurden. Nach Angaben der US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano dürfen die Kinder auch ohne ausreichende Papiere in die USA einreisen, um dort "die benötigte Hilfe" zu erhalten. Frankreich erwog am Montag eine ähnliche Ausnahmeregelung.

Zehn Milliarden für den Neuaufbau

Perspektiven auf einen Neuanfang sind für die Menschen in Haiti derzeit kaum zu sehen. Haiti benötigt nach Ansicht der Dominikanischen Republik rund zehn Milliarden Dollar für den Wiederaufbau. Nötig sei ein fünfjähriges Hilfsprogramm, sagte Präsident Leonel Fernandez am Montag bei einem Treffen mit seinem haitianischen Amtskollegen René Préval in Santo Domingo.

Um die für Haiti benötige Hilfe sicherzustellen und zu kontrollieren seien eine "zentrale Behörde" in Haiti sowie eine Koordinierung auf internationaler Ebene nötig, sagte Fernandez, der mit Préval und Vertretern weiterer Länder der Region ein internationales Treffen für Haiti vorbereitete. US-Präsident Barack Obama schlug seinem brasilianischen Kollegen Luiz Inacio Lula da Silva vor, gemeinsam mit den USA und Kanada die Führung beim Krisenmanagement der humanitären Hilfe für Haiti zu übernehmen.

Gewalt und Seuchen

Das Rote Kreuz warnte derweil vor einem Ansteigen der Gewalt in dem Katastrophengebiet, unter den Überlebenden nahmen aus Verzweiflung über die vielerorts noch ausbleibende Hilfe Plünderungen zu. "Die Nerven liegen blank, während den hungrigen und durstigen Überlebenden langsam bewusst wird, was sie verloren haben", erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti fürchten internationale Helfer zunehmend dem Ausbruch von Seuchen. Infektionskrankheiten wie Masern oder Hirnhautentzündung würden immer häufiger diagnostiziert, berichteten Ärzte am Dienstag. In dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre sind Erkrankungen wie Aids, Tuberkulose und Malaria ohnehin weit verbreitet. "Die Menschen in Haiti waren bereits vor dem Beben sehr anfällig für Krankheiten und enormen Gesundheitsrisiken ausgesetzt", sagte der Vertreter des lokalen Ablegers der Weltgesundheitsorganisation, Jon Andrus, mit Blick auf die weit verbreiteten Probleme mit Unterernährung von Kindern und mangelhafter Hygiene.

200.000 Opfer erwartet

Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilte mehr als 100.000 Essensrationen und etwa 20.000 Zelte an die zahlreichen Obdachlosen nach der Katastrophe. Das Erdbeben der Stärke 7.0 hatte den bitterarmen Inselstaat am vergangenen Dienstag erschüttert. Mindestens 70.000 Menschen starben, Experten rechnen inzwischen mit bis zu 200.000 Todesopfern.  

Demgegenüber mahnte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) eine zügigere Versorgung der Erdbebenopfer in Haiti an. Bislang habe die internationale Hilfe erst einen Bruchteil der betroffenen Haitianer erreicht, sagte Niebel der "Saarbrücker Zeitung" vom Dienstag. Dies müsse in den nächsten Tagen "dringend ausgeweitet werden".

Quelle: AFP/APN/RTR

 
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