Neue Angriffe auf deutsche Kräfte in Afghanistan: USA vergelten Anschlag auf Bundeswehr
zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 - 15:20Hamburg (RPO). Spezialeinheiten der US-Armee haben offenbar den tödlichen Anschlag auf die Bundeswehr vom Karfreitag vergolten. Sie hätten nur wenige Tage nach der Tat einen Taliban-Kommandeur aufgespürt und getötet.
Das berichtet das Nachrichtenmagazins "Spiegel". In der nordafghanischen Provinz Kundus wurden am Samstag erneut Soldaten der Bundeswehr angegriffen.
Laut dem Magazin gaben hochrangige US-Militärs dem deutschen ISAF-Stabschef Bruno Kasdorf informell das Versprechen, die Hintermänner der beiden tödlichen Anschläge auf die Bundeswehr vom April zu jagen, bei Möglichkeit festzunehmen, aber notfalls auch zu töten. Bei Gefechten waren im vergangenen Monat insgesamt sieben deutsche Soldaten getötet worden.
Wenige Tage nach dem Tod dreier Bundeswehrsoldaten am Karfreitag hätten Hubschrauber-Besatzungen der Special Forces den Taliban-Kommandeur Mullah Gai aufgespürt. Als dieser eine Panzerfaust auf einen der Hubschrauber abgeschossen habe, hätten die US-Soldaten das Feuer erwidert und ihn getötet, berichtete der "Spiegel".
Am Samstag beschossen mehrere Aufständische etwa zwölf Kilometer vom Bundeswehr-Stützpunkt in Kundus entfernt deutsche Infanteriesoldaten mit Handwaffen und Panzerfäusten, wie das Einsatzführungskommando in Potsdam erklärte. Kurze Zeit später sei in der Gegend ein Polizeihauptquartier beschossen worden, in dem sich zu diesem Zeitpunkt auch deutsche Kräfte aufgehalten hätten.
Die Bundeswehr-Soldaten gingen den Angaben zufolge gemeinsam mit US-Soldaten und afghanischer Polizei gegen die Aufständischen vor. Als sie danach ihre Suche nach Sprengsätzen fortsetzten, sei es zu weiteren Kampfhandlungen gekommen. Deutsche Soldaten wurden den Angaben zufolge nicht verletzt.
Im Rahmen der NATO-Truppe ISAF sind derzeit rund 4300 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Sie erhalten demnächst eine deutlich verstärkte Unterstützung durch US-Kampfhubschrauber. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte der "Bild am Sonntag", ab Juni würden mehr als 50 US-Helikopter im unter deutschem Kommando stehenden Norden Afghanistans im Einsatz sein. Nach dem Tod der sieben deutschen Soldaten bei Gefechten im April war zunehmend Kritik an der Ausrüstung der Bundeswehr am Hindukusch laut geworden. Dabei wurde auch das Fehlen von Kampfhubschraubern bemängelt.
Einem weiteren "Spiegel"-Bericht zufolge bemüht sich Staatschef Hamid Karsai weiter um einen Friedensschluss mit den Taliban. Bei seinem Besuch in Washington habe er US-Präsident Barack Obama vergangene Woche einen Fahrplan vorgestellt, mit dem die Taliban-Führung seiner Ansicht nach gewonnen werden und zahlreiche ihrer Anhänger wieder in die Gesellschaft integriert werden könnten. Laut dem 36-Seiten-Dokument, das dem Nachrichtenmagazin vorlag, sollen die Führer des Aufstands freies Geleit ins Exil erhalten, wenn sie ihre Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida kappen. Kämpfer gingen straffrei aus und würden vor Verfolgung geschützt, wenn sie die Waffen niederlegen.
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