Verfahren in der Türkei eröffnet: Vater ähnelt Öcalan - Justiz greift ein
zuletzt aktualisiert: 14.07.2009 - 10:59Istanbul (RPO). Ein Porträt seines Vaters an der Wand seines Büros hat einem Anwalt in der türkischen Hauptstadt Ankara Ermittlungen wegen Verbreitung separatistischer Propaganda eingebracht. Der Vater des Anwalts auf dem Bild ähnele mit seinem Schnauzbart dem inhaftierten Chef der kurdischen PKK-Rebellen, Abdullah Öcalan, berichtete die Zeitung "Radikal" am Dienstag.
Die Antiterror-Polizei sei durch einen Hinweis auf das vermeintliche Öcalan-Porträt in dem Anwaltsbüro aufmerksam geworden, berichtet die Zeitung weiter. Bei einer Durchsuchung des Büros hielten die Beamten in ihrem Protokoll fest, neben dem obligatorischen Porträt von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk hänge ein Bild des lachenden PKK-Chefs mit dem typischen Schnauzbart. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein.
Der Anwalt wies die Beamten vergeblich darauf hin, dass es sich bei dem Abgebildeten um seinen verstorbenen Vater handele. Auf dem von "Radikal" abgebildeten Foto ist ein lachender Mann mit buschigen Augenbrauen und einem dichten Schnurrbart zu sehen. Der seit 1999 inhaftierte Öcalan gilt in der Türkei als Staatsfeind Nummer eins. Der Anwalt will nun seinerseits rechtliche Schritte einleiten.
Es sei nicht das erste Mal, dass übereifrige Staatsbeamte gegen eine vermeintliche Öcalan-Darstellung vorgingen, berichtete "Radikal". Vor acht Jahren nahm die Istanbuler Polizei den Besitzer eines Restaurants fest, weil in dem Lokal Salzstreuer in der Form eines schnauzbärtigen Mannes standen. Auch damals gingen die Behörden von einem Fall von PKK-Propaganda aus.
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