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  Foto: AFP, AFP
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Ein Armuts-Schicksal in China: Vater kettet Sohn vor Supermarkt an

zuletzt aktualisiert: 05.02.2010 - 12:28

Peking (RPO). Fassungslos starrte die Menschenmenge auf den kleinen, erst zweijährigen Jungen, angekettet an einen Pfahl vor einem Supermarkt in Peking. Sein Vater, ein Rikschafahrer, hat ihn dort angebunden und zurückgelassen, als Kundschaft kam. Jetzt geht die Geschichte des kleinen Jingdan um die Welt. 

Der Junge ist noch nicht einmal einen Meter groß. Er ist in eine bunte Wolljacke gepackt. Schmutz bedeckt sein Gesicht, die Haare sind ungepflegt und stehen wild nach allen Seiten ab, wenn er seine blaue Troddelmütze abzieht. Das Gesicht des Kleinen ist inzwischen in der halben Welt bekannt. Ebenso wie seine Geschichte, die nach China nun auch Europa und Amerika erreicht hat.

Auslöser sind Fotos. Sie zeigen den Zweijährigen angekettet vor einem Supermarkt in Peking. Allein. Dick eingepackt mit mehreren Jacken übereinander. Es ist Winter in China. Um ihn herum steht eine staunende Menschenmenge. Sein Vater, Chen Chuanliu (42), hat ihn an den gelben Laternenpfosten gebunden. Nicht etwa, weil er seinen Sohn bestrafen will, wie man meinen könnte. Sondern aus Fürsorge.

Angeblich hat er Angst, dass sein Sohn Kinderbanden zum Opfer fällt und entführt wird – genauso wie die vierjährige Schwester. Zwei Wochen soll es erst her sein, dass sie verschwand. Genau an dieser Stelle vor dem chinesischen Supermarkt. Kindesentführungen sind in China eine allgegenwärtige Gefahr. In offiziellen Schätzungen ist von etwa 200.000 Fällen im Jahr die Rede. Mit steigender Tendenz, wie es heißt. Chinas Behörden beobachten das Thema mit wachsender Sorge.

Das Schicksal von Lao Lu und seine Familie ist steinerweichend. Der Vater, Chen Chuanliu, ist 42 Jahre alt und zählt zur bitterarmen Schicht der chinesischen Wanderarbeiter. In Peking verdient er sich sein Geld als Rikscha-Fahrer. Tagesverdienst – wenn es gut läuft – umgerechnet etwa fünf Euro.

"Ich muss arbeiten. Und ihn anzuketten ist immer noch besser als ihn zu verlieren", zitiert unter anderem die angesehene britische Zeitung „The Guardian“ den Mann. Hoffnung, jemals seine Tochter wiederzusehen hat Chen Chuanliu kaum. "Ich habe nicht einmal ein Foto", sagte er den Reportern. Dafür hat das Geld nicht gereicht.

Zumindest für den kleinen Jungen hat die Geschichte offenbar ein glückliches Ende. Ein chinesischer Kindergarten soll ihm für drei Jahre einen kostenfreien Betreuungsplatz angeboten haben. Chuanliu habe das Angebot dankbar angenommen.

Quelle: pst/csi

 
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