kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Holocaust-Leugner: Vatikan fordert Widerruf von Williamson

zuletzt aktualisiert: 04.02.2009 - 17:12

Vatikanstadt (RPO). Der Vatikan hat auf die immer heftigere Kritik im Fall Richard Williamson reagiert und den Holocaust-Leugner zu einer "unmissverständlichen Distanzierung" aufgefordert. Dieser könne erst wieder voll in die Kirche aufgenommen werden, wenn er von seinen Positionen zum Völkermord an den Juden abrücke. Der Zentralrat der Juden begrüßt den Schritt, fügt aber hinzu, dass dies nicht ausreiche.

Weiter heißt es in einer am Mittwochnachmittag verbreiteten Erklärung, dass sich zudem die ultrakonservative Piusbruderschaft zu den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und aller seither gewählten Päpste bekennen müsse.

Der Vatikan betonte, Benedikt XVI. habe von den Ansichten Williamsons nichts gewusst, als er der Aufhebung von dessen Exkommunikation sowie der von drei anderen Bischöfen der Piusbruderschaft zugestimmt habe, hieß es in der Erklärung. Der britische Bischof hatte in einem Interview erklärt, es gebe Beweismaterial, dass nur 200.000 bis 300.000 Juden während des Zweiten Weltkriegs getötet worden seien.

Zentralrat der Juden: "Das reicht nicht aus"

Als ein erstes positives Signal hat der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan J. Kramer, den jüngsten Schritt des Vatikan gegenüber dem Holocaust-Leugner und Traditionalisten-Bischof Richard Williamson bewertet. "Das reicht aber nicht aus", sagte er am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Es gehe nicht nur um Williamson, sondern um die gesamte Piusbruderschaft und eine Richtungsentscheidung für die katholische Kirche.

Nach Ansicht Kramers steht die gesamte Piusbruderschaft für Judenfeindschaft sowie die Ablehnung der Ökumene, der Religionsfreiheit und der Menschenwürde. Kramer appellierte an Papst und Kirche, die Traditionalisten nur dann wieder in die Kirche zu integrieren, wenn sie sich klar und ohne Abstriche zu den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils bekennen. Er machte zugleich deutlich, dass er sich eine solche Abkehr von der traditionellen Linie der Piusbruderschaft nur schwer vorstellen könne. "Es ist die Frage, wie glaubwürdig eine solche Kehrtwende wäre", sagte er.

Sprecherin der Katholiken in der SPD findet Rücknahme der Exkommunion problematisch

Die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks, die zugleich die
Sprecherin der Katholiken in der SPD ist, begrüßt die Klarstellung des
Vatikan im Fall des Holocaust-Leugners Williamson begrüßt. "Es ist
wichtig, dass der Vatikan den sogenannten Bischof Williamson
unmissverständlich aufgefordert hat, seine Äußerungen zum Holocaust zu
widerrufen", sagte sie unserer Redaktion. Zugleich nannte sie die Rücknahme der Exkommunikation "höchst problematisch". Die sogenannten Traditionalisten
stünden nicht auf dem "Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils und sind
überdies ausgewiesene Demokratiefeinde".

Williamson hält Aussage nicht für strafbar

Richard Williamson hält seine in einem Fernsehinterview verbreiteten Aussagen einem Bericht zufolge nicht für strafbar. Die Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland" zitierte den Leitenden Regensburger Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel am Mittwoch mit den Worten, es habe sich ein Verteidiger für Williamson gemeldet. Dieser habe angegeben, dass Williamson von dem schwedischen Interviewer-Team die Zusage bekommen habe, dass das Interview ausschließlich in Schweden ausgestrahlt werde.

"Er meint, das sei nicht strafbar", wurde Ruckdäschel zitiert. Die Staatsanwaltschaft prüfe die Aussagen. Einer der beteiligten Journalisten habe sich bereits gemeldet. Unter Umständen würden er und seine Kollegen über ein Rechtshilfeverfahren vernommen.

Die bayerische Justiz ermittelt seit dem 23. Januar wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gegen Williamson. Der Bischof der ultrakonservativen Piusbruderschaft hatte in einem Interview des schwedischen Senders SVT unter anderem behauptet, die historischen Tatsachen sprächen gegen die Vergasung von sechs Millionen Juden. Das Interview wurde im November 2008 im bayerischen Zaitzkofen (Kreis Regensburg) aufgezeichnet. Wegen seiner Aussagen drohen Williamson nach deutschem Recht eine Geld- oder Haftstrafe. Da Williamson offenbar nicht vorbestraft sei, sei eine Geldstrafe wahrscheinlich, wurde Ruckdäschel zitiert.

"Kampagne gegen den Papst"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag vom Papst verlangt, eindeutig zu erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Bei seiner mit Spannung erwarteten Generalaudienz sagte der Papst am Mittwochvormittag kein Wort zum Fall Williamson.

Die Kritik aus Politik und Kirche am Vatikan hatte vor der Erklärung aus dem Vatikan weiter zugenommen: SPD-Chef Franz Müntefering forderte ihn auf, die Rehabilitierung Williamsons rückgängig zu machen. "Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel." Dies sei ein schwerer historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren müsse, sagte Müntefering der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe).

Auch der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky forderte den Papst zu einer Rücknahme der Rehabilitierung auf. "Den Holocaust zu leugnen ist ungeheuerlich und eine große Belastung für die Beziehungen zum Judentum", sagte Sterzinsky der "Bild"-Zeitung. Die Exkommunikation von Williamson aufzuheben halte er nicht für richtig. "Das muss in Ordnung gebracht werden."

Unterstützung erhielt der Papst vom Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller: "Er selbst hat keinen Fehler gemacht und braucht sich nicht zu entschuldigen", sagte Müller. Es handele sich um eine Kampagne gegen den Papst.

Der Zentralrat der Juden bekräftigte seine Forderung nach Konsequenzen im Vatikan aus der Debatte über die ultrakonservative Piusbruderschaft. "Es geht nicht darum, dass Fehler gemacht worden sind, sondern darum, dass diese wieder ausgeräumt werden", sagte dessen Präsidentin Charlotte Knobloch. Sie verlangte eine Kurskorrektur und eine klare Abgrenzung der Kirche von der Gruppierung, die Juden "als Gottesmörder bezeichnet und Holocaust-Leugner in den eigenen Reihen duldet".

Kanzlerin Merkel wird für ihre Forderung an den Vatikan aus katholischer Kirche und CSU scharf kritisiert. Es sei unbegreiflich und empörend, wie die Integrität Benedikts XVI. sogar von staatlicher und politischer Seite infrage gestellt werde, sagte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Er sei darüber bestürzt. Der Papst habe es in diesem Zusammenhang nie an Eindeutigkeit fehlen lassen. Der Vorsitzende der CSU-Grundsatzkommission, Alois Glück, sagte der "Financial Times Deutschland", es sei "nicht die Aufgabe von politischen Mandatsträgern, sich zum Papst zu äußern".

Michel Friedman attackiert Benedikt XVI

Der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, hat den Papst in der Debatte um die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft scharf attackiert. Friedman bezeichnete nach Angaben des Hessischen Rundfunks vom Mittwoch den Papst in einem Interview des Senders als "Lügner". Benedikt XVI. mache sich die Hände schmutzig, wenn er solche Leute umarme.

Friedman sagte: "Der Papst ist unglaubwürdig, ein Lügner und ein Heuchler, wenn er den Menschen einerseits verkaufen möchte, er stünde auf der Grundlage der Kooperation, des Zusammenlebens zwischen Juden und Christen, er kämpfe gegen jeden Antisemiten in der Welt und er kämpfe gegen jeden Holocaust-Leugner, aber mitten im Vatikan genau diese Leute mit offenen Armen aufnimmt."

Quelle: AFP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) ... mehr 

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Die angestrebte Energiewende macht Elektrizität teuer - für viele Verbraucher so teuer, dass sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen könn ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Energiewende macht Elektrizität teuer

200.000 Hartz-IV-Empfänger ohne Strom

Tragischer Unfall am Bahnhof

Reisende von Wasserschlauch erschlagen

"Auszehrung und Flüssigkeitsmangel"

Kleinkind stirbt an Verwahrlosung

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben

Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Jugendliche verprügeln Frauen in Mönchengladbach

Polizei hofft auf Videomaterial aus Aachen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Kick it like Donna

Dieser Elefant liebt das Fußballspielen

Wenn Donna mit dem Ball über den Platz rast, bebt die Erde und alle Gegenspieler sollten besser das Weite suchen. Denn Donna ist ein zwei Jahre alter Elefant und kennt kein Halten mehr, wenn sie ihren Riesenfußball in den Rüssel bekommt. mehr

 

Zahlreiche Gebäude eingestürzt

Mehrere Tote durch Erdbeben in Italien

 

Martyrium einer 19-Jährigen in Bosnien

Festgehaltenes Mädchen will nach Deutschland

 

Fleisch aus Gesicht von Opfer gebissen

Nackter Kannibale wohl identifziert

 
 
Top-Services