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Die "weltlichen Güter" des Vatikan
Papst Franziskus ordnet die Vermögensverwaltung neu

Hintergrund: Standpunkte des neuen Papstes in Streitfragen
Hintergrund: Standpunkte des neuen Papstes in Streitfragen FOTO: afp, -
Vatikanstadt . Es lässt tief blicken, dass Papst Franziskus seinen jüngsten Erlass mit diesem Satz beginnt: "Die weltlichen Güter, die die Kirche besitzt, sind dazu bestimmt, ihren Zwecken zu dienen".

Und damit keinerlei Unklarheit darüber herrscht, welche Zwecke das sind, folgt eine Aufzählung: die Finanzierung des Kults, angemessener Unterhalt des Klerus und karitative Werke, vor allem die Unterstützung von Armen.

Das ist eigentlich nicht mehr als ein nahezu wörtliches Zitat aus dem katholischen Kirchenrecht von 1983, nichts Neues also. Wie die Enthüllungen über Geldverschwendung und Vetternwirtschaft in der zweiten Vatileaks-Affäre gezeigt haben, ist das im Vatikan allerdings noch nicht überall angekommen. Wohl nicht zuletzt mit Blick darauf schreibt Franziskus weiter, die Kirche müsse "größte Aufmerksamkeit" darauf verwenden, "dass die Verwaltung ihrer wirtschaftlichen Ressourcen stets diesen Zielen diene".

In dem Erlass mit dem Titel "Die weltlichen Güter" geht es vor allem um den vatikanischen Immobilienbesitz. Nach nichtoffiziellen Schätzungen für eine päpstliche Untersuchungskommission gehören dem Vatikan weltweit Häuser und Wohnungen mit einem Gesamtwert von drei bis vier Milliarden Euro.

Der größte Teil davon wurde bis 2014 von der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (Apsa) verwaltet. Aus internen Unterlagen, die in zwei Enthüllungsbüchern im November veröffentlicht wurden, geht hervor, dass zumindest bis 2013 etliche vatikanische Wohnungen in römischen Top-Lagen für nur wenige Euro vermietet wurden. Nach Medienberichten sollen italienische Politiker unter den Mietern sein.
Eine unabhängiges und wirksames Aufsichtsorgan für die Apsa gab es seinerzeit nicht.

Der Papst führt mit seinem Erlass nun eine strikte institutionelle Trennung zwischen Verwaltung und Aufsicht ein, wie sie in staatlichen Verwaltungen üblich ist. Damit soll offenbar Misswirtschaft und Korruption ein Riegel in der vatikanischen Vermögensverwaltung vorgeschoben werden. Für die Verwaltung der Immobilien und weiterer Vermögenswerte ist demnach künftig ausschließlich die Apsa zuständig, für die Aufsicht ausschließlich das im Februar 2014 errichtete Wirtschaftssekretariat.

Das sogenannte Motu proprio des Papstes ist damit auch ein Schiedsspruch in einem Kompetenzgerangel, das zum vatikaninternen Machtkampf ausartete: Das Wirtschaftssekretariat, das nach seiner Gründung im Februar 2014 zunächst als eine Art "Superministerium" auftrat und wesentliche Aufgaben der Apsa vorübergehend übernahm, verliert diese Kompetenzen nun wieder an die alteingesessene Kurienbehörde.

Niederlage für Kardinal George Pell

Beobachter werten dies als Niederlage für den machtbewussten Präfekten des Sekretariats, Kardinal George Pell. Der Australier strebte eine Bündelung nahezu aller wirtschaftlichen Belange unter dem Dach seiner Behörde an und machte sich damit viele Feinde. Das Heikle daran war, dass das Wirtschaftssekretariat laut Statuten zugleich Kontrollorgan für die Geldflüsse im Vatikan sein soll. So tat sich hier ein Interessenkonflikt auf. Die Behörde hätte sich selbst beaufsichtigen müssen. Diesen Zustand hat der Erlass, der mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, nun beendet.

Kennzeichnend ist der Erlass nicht zuletzt auch für Franziskus' Regierungsstil. Der Papst behält sich auch hier direkte Eingriffe ins Tagesgeschäft vor. So richtet er das Amt eines päpstlichen Delegaten ein, der in Streitfällen zwischen Wirtschaftssekretariat und Apsa eingeschaltet werden soll.

Außerdem heißt es im Text, die Apsa müsse etwa Veräußerungen oder Erwerbungen auf Grundlage von Kriterien tätigen, die von der "höchsten Autorität" festgelegt würden. Das ist der Papst selbst. Das Schreiben, das frühere Reformschritte teils rückgängig macht, zeigt auch, dass die von Franziskus eingeleitete Kurienreform bisweilen der Echternacher Springprozession gleicht: "zwei Schritte vor, einer zurück".

Auch nach dem jüngsten Schreiben von Franziskus ist die strikte personelle Trennung von Aufseher und Beaufsichtigtem jedoch noch nicht überall im wirtschaftlichen Sektor verwirklicht. Kardinal Pell ist zugleich Mitglied des Wirtschaftsrates. Dieses aus Kardinälen und Bischöfen bestehende Gremium wiederum, geleitet vom Münchener Kardinal Reinhard Marx, ist für die Kontrolle seiner eigenen Behörde, des Wirtschaftssekretariats zuständig.

(felt/KNA)
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