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"Vatileaks 2"-Prozess
Francesca Chaouqui - die Mata Hari im Vatikan?

"Vatileaks 2": Francesca Chaouqui - die Mata Hari im Vatikan?
Francesca Chaouqui - die schillernde Angeklagte im Vatileaks-Prozess. FOTO: dpa, tem cv fpt
Vatikanstadt . "Vatileaks 2" - der Prozess um die Entwendung geheimer Dokumente geht im Vatikan weiter. Die Papiere, die zwei Enthüllungsjournalisten zu Bestsellern verarbeitet haben, belegen Fälle von Misswirtschaft, Geldverschwendung und Korruption im Zwergstaat. Viele Augen aber richten sich am Montag auf eine Frau auf der Anklagebank.

Eigentlich hatte Papst Franziskus darauf gedrängt, das Verfahren solle vor Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am Dienstag abgeschlossen sein. Stattdessen nahm der Fall vergangene Woche eine unbarmherzige Wendung und musste überdies vertagt werden, weil das Tribunal einer neu hinzugekommenen Anwältin mehr Zeit für die Einarbeitung einräumte.

Der Hauptangeklagte und als Vatikanbürger inhaftierte Priester Lucio Vallejo Balda (54), Sekretär der Wirtschaftspräfektur, und die mitangeklagte PR-Fachfrau Francesca Chaouqui (33) liefern sich seither eine peinliche Schlammschlacht. Vallejo gestand in der Zeitung "La Repubblica" eine Affäre mit der schillernden Chaouqui.
Diese habe ihn daraufhin unter Druck gesetzt, die Dokumente an die ebenfalls angeklagten Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi herauszugeben.

Chaouqui, obendrein schwanger, sprach von dreisten Lügen und kündigte eine Klage gegen den Geistlichen an. Sie, die mit Scheichs und Milliardären verkehre, werde ihren Mann wohl kaum mit einem "alten Priester" betrügen, der an Frauen gar kein Interesse habe.

Vallejo hatte dem Papst die Süditalienerin 2014 als Mitglied einer zeitweiligen Untersuchungskommission für die Vatikanfinanzen vorgeschlagen. Jetzt äußerte er sich wie jemand, der nichts mehr zu verlieren hat: Chaouqui, gegen die inzwischen auch Italiens Justiz ermittelt, habe ihm von Kontakten zu den nationalen Geheimdiensten erzählt, für die sie im Vatikan spioniere. Mit mehreren hochrangigen Kurienmitarbeitern sei sie gut bekannt, mit der streng konservativen Laienorganisation Opus Dei verbandelt, und sie pflege engste Beziehungen zur römischen High Society und Politik.

Francesca Chaouqui - die schwer durchschaubare Karrierefrau

Mindestens letzteres entspricht den Tatsachen. Unter den rund ein Dutzend Entlastungszeugen, mit denen Chaouqui am Montag auftrumpfen will, sollte laut Tageszeitung "La Stampa" ursprünglich auch Gianni Letta, hochrangiger Staatssekretär in allen Regierungen von Silvio Berlusconi, sein. Chaouqui habe ihn aber wieder von der Liste genommen.

Auch Paolo Berlusconi, den Bruder des Ex-Premiers, soll die schwer durchschaubare Karrierefrau gemeinsam mit ihrem Mann erpresst haben. Der Zeitungsverleger hat deshalb ein Verfahren der römischen Staatsanwaltschaft am Hals. Angeblich drohte sie ihm mit der Preisgabe dubioser Details über seine Verbindungen zur Vatikanbank IOR, sollte er einen ihr missliebigen Journalisten nicht entlassen.

Nun fragen sich viele: Wie konnte eine solche Strippenzieherin ins Herz der kirchlichen Macht vordringen? Das angesehene Magazin "L'Espresso" widmete gar seine jüngste Titelgeschichte der "Papessa", der Päpstin. Dieser Kosename stammt angeblich von ihrem Ehemann, einem IT-Spezialisten. Die Presse nennt sie "Lady Kurie" oder "Mata Hari des Vatikan".

Beim Rückflug von Afrika am vorigen Montag nahm Papst Franziskus den personellen Missgriff eher gelassen, beinahe mit Humor. Die Aufnahme Chaouquis in die Finanzkommission sei ein Fehler gewesen, räumte er ein. Aber die Dame sei auch keine Lucrezia Borgia (1480-1519). Die Intriganz und Durchtriebenheit der Tochter von Papst Alexander VI. inspirierte Generationen von Literaten.

Hinzu kommt grundsätzliche Kritik an dem Verfahren. Mehr als 100 Parlamentarier haben eine Petition gegen die Anklage der beiden Enthüllungsjournalisten unterschrieben. Sie werfen dem Vatikan die Missachtung der Pressefreiheit vor. Allerdings dürfte der Prozess für beide auch im Fall einer Verurteilung glimpflich ausgehen. Um die italienischen Staatsbürger Nuzzi, Fittipaldi, Chaouqui und den fünften Angeklagten, einen Mitarbeiter Vallejos, juristisch belangen zu können, müsste der Vatikan ein Rechtshilfeersuchen an Italien stellen. Davon ist derzeit nichts bekannt.

 

(felt/KNA)
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