| 07.23 Uhr

Geständnis im zweiten Vatileaks-Prozess
Priester: Ich wurde emotional erpresst

Vatileaks-Prozess:  Lucio Angel Vallejo Balda: Ich wurde emotional erpresst
Verhandlung im Vatileaks-Prozess. FOTO: ap
Vatikanstadt. Im sogenannten Vatileaks-2-Prozess um die Veröffentlichung vertraulicher Unterlagen hat der angeklagte vatikanische Mitarbeiter Lucio Angel Vallejo Balda ein Geständnis abgelegt.

"Ja, ich habe Dokumente an die Journalisten weitergegeben", sagte der spanische Priester  in einer Sitzung am Montag laut Prozessbeobachtern. Er habe dem ebenfalls angeklagten Gianluigi Nuzzi eine fünfseitige Liste mit 87 Passwörtern für die Unterlagen der päpstlichen Untersuchungskommission COSEA gegeben, so der ranghohe vatikanische Mitarbeiter in der mehr als dreistündigen Sitzung vor Gericht. Er habe jedoch den Eindruck gehabt, das Nuzzi diese Passwörter ohnehin schon besessen habe.

Zur Verteidigung sagte der spanische Geistliche Vallejo Balda, er sei emotional erpresst worden von seiner Kollegin Francesca Chaouqui, mit der er eine romantische Beziehung unterhielt. Bei der Weitergabe der Dokumente sei er nicht "völlig bei klarem Verstand" gewesen.

In dem Prozess sind Vallejo Balda und seine frühere Kollegin Chaouqui angeklagt, vertrauliche Unterlagen an die ebenfalls angeklagten Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi übergeben zu haben. Anfang November hatten Fittipaldi und Nuzzi jeweils ein Buch über das Finanzgebaren im Kirchenstaat veröffentlicht, in denen sie aus den internen Dokumenten des Vatikan zitierten.

Laut den Enthüllungen der Journalisten versickerte ein Großteil der kirchlichen Spendengelder in der Vatikan-Bürokratie mangels korrekter Buchhaltung und finanzieller Unregelmäßigkeiten. Vallejo Balda war Sekretär der Wirtschaftsprüfungskommission (Cosea), die von Papst Franziskus eingerichtet worden war, um mit dem dubiosen Finanzgebaren der Vatikan-Verwaltung aufzuräumen

"Chaouqui ist eine gefährliche und manipulative Frau"

"Ja, ich habe Dokumente an Journalisten geschickt. Ich habe eine fünfseitige Liste mit 87 Passwörtern übergeben", sagte Vallejo Balda nun in dem Prozess. Chaouqui beschrieb der Priester als eine gefährliche und manipulative Frau, die ihn zur Übergabe der Dokumente an die Journalisten gezwungen habe, indem sie gedroht habe, eine romantische Beziehung mit ihm öffentlich zu machen.

Vallejo Balda war bis zu seiner Festnahme durch die vatikanische Gendarmerie Anfang November Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls. Nach mehrwöchiger Haft im Vatikan steht er dort seit Weihnachten unter Hausarrest.

Nach dreimonatiger Unterbrechung war der Prozess am Samstag zunächst hinter verschlossenen Türen fortgesetzt worden. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Veröffentlichung vertraulicher Unterlagen über wirtschaftliche Missstände im Vatikan in zwei Enthüllungsbüchern. Die vatikanische Staatsanwaltschaft beschuldigt die italienischen Journalisten Nuzzi und Emiliano Fittipaldi, sich illegal die Akten der von Papst Franziskus neu eingerichteten Kommission für die Neustrukturierung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Vatikans (COSEA) beschafft zu haben.

Vallejo Balda war der Sekreträr des Gremiums. Als vatikanischem Staatsbürger droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

Weitere Angeklagte ist eine italienische PR-Beraterin. Francesca Chaouqui soll Vallejo Balda unter Druck gesetzt haben, um an die internen Unterlagen zu gelangen. Sie gehörte ebenfalls der COSEA-Kommission an. Laut italienischen Medienberichten soll Chaouqui am Samstag um eine Entbindung von ihrer Verschwiegenheitspflicht, dem sogenannten Päpstlichen Geheimnis, gebeten haben. So könne sie sich wirksamer verteidigen.

Der am 24. November eröffnete Prozess war Anfang Dezember auf unbestimmte Zeit vertagt worden, um die Auswertung des Mail- und SMS-Verkehrs sowie der Whatsapp-Nachrichten zwischen Chaouqui und Vallejo abzuwarten.

Italienische Parlamentarier und Journalisten hatten Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Prozesses geäußert. Sie sehen die Pressefreiheit gefährdet. Der Vatikan wies solche Vorwürfe zurück. Es ist das erste Mal, dass sich italienische Journalisten wegen eines derartigen Delikts vor einem Vatikan-Gericht verantworten müssen.

(felt/KNA/AFP)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Vatileaks-Prozess: Lucio Angel Vallejo Balda: Ich wurde emotional erpresst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.