Wirbelsturm-Katastrophe: Vereinte Nationen fordern Luftbrücke nach Birma
zuletzt aktualisiert: 13.05.2008 - 16:32Rangun/Bangkok (RPO). Die Vereinten Nationen befürchten eine "zweite Katastrophe", erhalten die Opfer der Wirbelsturm-Katastrophe in Birma nicht bald "große Mengen an Hilfe". Zur Versorgung der Menschen im Land hat die UNO die Einrichtung einer Luftbrücke gefordert. Unterdessen hat die Militärjunta die Zahl der Opfer erneut nach oben korrigiert. Wie das staatliche Fernsehen am Dienstag berichtete, wurden mehr als 34.000 Menschen getötet.
Um "so schnell wie möglich große Mengen an Hilfen" in das Land leiten zu können, sei ein Korridor auf dem Luft- oder Seeweg erforderlich, sagte die Sprecherin des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs, am Dienstag in Genf. Ansonsten drohe eine "zweite Katastrophe". Nach wie vor verweigerte die Militärjunta ausländischen Helfern weitgehend die Einreise. Die Bundesregierung verdoppelte ihre Hilfe für das asiatische Land auf vier Millionen Euro.
Zwölf Tage nach dem Durchzug des Wirbelsturms "Nargis" habe das Welternährungsprogramm (WFP) bisher lediglich 361 Tonnen Lebensmittel nach Birma schicken können, von denen noch nicht einmal die Hälfte verteilt worden seien, sagte Byrs. "Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs und die Lage droht immer dramatischer zu werden, wenn die humanitäre Hilfe nicht beschleunigt wird", sagte sie.
Der Einsatzleiter des Malteser Hilfsdienstes (MHD) International, Ingo Radtke, beschrieb die Lage in den Krisengebieten als chaotisch. Es sei derzeit noch schwer, einen Überblick über das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe zu gewinnen, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Es bestehe jedoch ein guter Austausch zwischen den Organisationen vor Ort. Die Helfer des MHD würden von den Hilfsbedürftigen "freudig begrüßt", berichtete Radtke. Auch die Behörden vor Ort nähmen die Hilfe gerne an. "Wir haben sofort mit der Arbeit begonnen in einem Kloster mit 8000 Menschen." Außerdem setze der MHD Mobilkliniken ein.
Die Bedürfnisse der Überlebenden des Wirbelsturms seien erst einmal gestillt, sagte Vizeadmiral Soe Thein laut einem Bericht der Zeitung "New Light of Myanmar". Dem Junta-Vertreter zufolge braucht Birma derzeit jedoch keine ausländischen Helfer, sondern Hilfslieferungen und Geld. Aus den Orten, in denen Soldaten erste Hilfslieferungen verteilten, berichteten Einwohner von Ausgangssperren. Diese seien von der Armee aus Angst vor Plünderungen verhängt worden.
Auf den Straßen zwischen dem nahezu vollkommen zerstörten Irawadi-Delta und Rangun bettelten tausende Menschen um Essen und Wasser, wie eine AFP-Korrespondentin berichtete. Geschwächt durch Hunger und Durst drohten ihnen Durchfall und Lungenerkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wollte nach eigenen Angaben deshalb Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Antibotika und acht Notfall-Kits nach Birma senden, mit denen 80.000 Menschen drei Monate lang behandelt werden können. Außerdem sollten zahlreiche Leichensäcke, 30.000 Atemschutzmasken und genauso viele Handschuhe in die Krisenregion gebracht werden, in der zahlreiche Leichen in tropischer Hitze verwesen.
EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte am Rande eines Dringlichkeitstreffens der Entwicklungshilfeminister, die Europäische Union wolle "alle Mittel nutzen, um den Menschen zu helfen". Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte die Junta auf, endlich zum Schutz der eigenen Bevölkerung beizutragen. "Jede Stunde, jeder Tag zählt", mahnte sie. Durch den Sturm vor anderthalb Wochen kamen nach birmanischen Angaben fast 32.000 Menschen ums Leben. Mehr als 29.000 Menschen werden vermisst.
In der Frage der Druckmittel ist die EU gespalten. Frankreich und Deutschland fordern eine Entschließung des UN-Sicherheitsrats, mit der die Junta gezwungen werden soll, internationale Helfer ins Land zu lassen. Auch Solana ließ Sympathien für ein solches Vorgehen der UNO erkennen. "Die Charta der Vereinten Nationen öffnet gewisse Wege (...), um einem von einer Katastrophe gebeutelten Land humanitäre Hilfe zu bringen, wenn die politische Führung keine schnelle und gut organisierte Hilfe zulässt", sagte er. Spanien rief hingegen zur "Zurückhaltung" auf. EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel wollte nach dem Krisentreffen in die Region reisen, um sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen.
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