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Ahmed Mohamed aus Texas
Vom Gefängnis ins Oval Office

Vermeintlicher "Bombenbauer" von Barack Obama ins Weiße Haus eingeladen
Ahmed hat eine Uhr gebastelt – daraufhin wurde er von seiner Schule suspendiert. FOTO: Youtube / The Dallas Morning News
Washington. Glückliches Ende einer beinahe unglaublichen Verwechslungsgeschichte. Barack Obama hat den 14-jährigen Jungen, der am Montag als vermeintlicher Bombenbauer verhaftet worden war, ins Weiße Haus eingeladen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg und die Nasa wollen dem Jungen ebenfalls eine Freude bereiten. Von Tim Harpers

Der kleine Ahmed Mohamed aus Texas hat eine aufreibende Woche hinter sich. Am Montag wurde der 14-Jährige festgenommen, am Dienstag war er plötzlich berühmt, und am Mittwoch lud der US-Präsident ihn unverhofft ins Weiße Haus ein. Die Einladung von Barack Obama bildet das vorläufige Ende einer Verwechslungsgeschichte, die weltweit Wellen geschlagen hat.

Was war passiert?

Der schlaksige Junge mit den intelligenten Augen und der eckigen Brille ist ein Tüftler. Schon in der Unterstufe besuchte er einen Robotik-Club. Wochenlang arbeitete der Schüler aus dem texanischen Irving bei sich zu Hause an einem Projekt. Er wollte für den Technikunterricht eine Uhr zusammenbauen. Dazu besorgte er sich eine Platine, Drähte, eine Anzeige und einen Koffer. Der Koffer war zum Transport gedacht. Schließlich musste die Uhr heile in der Schule ankommen, damit der Techniklehrer sie in Augenschein nehmen konnte.

Am Montag stellte Ahmed, dessen Familie aus dem Sudan stammt, die Uhr vor. Der Werkstunde-Lehrer jedoch reagierte so gar nicht mit der erhofften Anerkennung, sondern empfahl dem Schüler seine Erfindung niemandem zu zeigen. Als Ahmed sie danach trotzdem seiner Englisch-Lehrerin präsentierte, reagierte diese mit Entsetzen.

Während sich die Geschichte bis zu diesem Punkt schon ärgerlich für den 14-Jährigen entwickelt hat, wurde es danach erst richtig absurd. In der sechsten Stunde kamen der Schulleiter und ein Polizist in die Klasse, sie brachten den Neuntklässler in einen Verhörraum, wo bereits vier weitere Ermittler auf ihn warteten. Ein Polizist soll dem Jungen zufolge "Yup. Das ist genau, was ich dachte", gesagt haben – offenbar eine Anspielung auf Ahmeds Herkunft.

Dass der Jugendliche lediglich eine harmlose Uhr gebaut haben will, glaubt ihm anscheinend niemand. Stattdessen werfen ihm die Ermittler vor, eine Bombenatrappe gebaut zu haben. Wie der Regionalsender WFAA-TV berichtete, soll er sich Beamten zufolge außerdem "passiv-aggressiv" im Verhör verhalten haben. Er habe "keine vernünftige Begründung" für seine Bastelei liefern können.

Bevor er seine Eltern anrufen durfte, wurde er unter den Augen der Mitschüler von Polizisten in Handschellen abgeführt. Auf der Wache musste er seine Fingerabdrücke abgeben. Schließlich holte ihn seine Familie aus einer Zelle. Den Eltern zufolge wurde Ahmed mehrere Tage von der Schule suspendiert – aus welchem Grund, habe ihnen niemand beantworten können.

Sturm der Entrüstung

Nach den ersten Medienberichten dauerte es nicht lange, bis den Behörden über die Sozialen Netzwerke ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug. Unter dem Hashtag #IStandWithAhmed bekundeten Tausende ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung für den Schüler. Aus dem Kommentaren wird ersichtlich, dass die meisten den kleinen Bastler für ein Opfer der um sich greifenden Islamophobie in den Vereinigten Staaten halten. Auch Ahmeds Vater hielt das für den ausschlaggebenden Grund. "Er wurde festgenommen, weil er Mohamed heißt und wegen des 11. Septembers", sagte der der Zeitung "The Dallas Morning News". "Ich glaube auch, dass mein Sohn misshandelt wurde."

In den Staaten löste das eine Debatte über anti-islamische Vorurteile aus, in die sich auch viele Politgrößen einschalteten. Selbst bei einer TV-Debatte republikanischer Präsidentschaftskandidaten wurde Ahmed so zum Thema. Um etwas Dampf aus der Sache zu nehmen, meldete sich am Mittwoch schließlich Barack Obama zu Wort. Via Twitter gratulierte der US-Präsident dem Schüler zu seiner "coolen Uhr" und lud ihn auf einen Besuch ins Weiße Haus ein.

Auch Hillary Clinton ließ es sich nicht nehmen, dem Schüler zu seiner Arbeit zu gratulieren. "Ahmed, bleib neugierig und bastle weiter", twitterte die prominente Demokratin.

Dass der Fall in den USA hohe Wellen geschlagen hat, wird zudem daran ersichtlich, dass sich auch außerhalb der Politik reihenweise Institutionen finden, die dem kleinen Ahmed etwas Gutes tun wollen. So hat zum Beispiel die US-Raumfahrtbehörde Nasa den kleinen Robotik-Fan zu sich eingeladen, auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg bot dem Schüler ein Treffen an.

Die Anschuldigungen gegen Ahmed Mohamed wurden inzwischen fallengelassen. Auf eine Entschuldigung wartet der Schüler Medienberichten zufolge bisher noch vergeblich.

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