Nato-Luftangriff in Nordafghanistan: Versehentlich sieben Polizisten getötet
zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 18:00Kundus (RPO). Bei einem NATO-Luftangriff auf mutmaßliche Taliban-Kämpfer im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Afghanistan sind versehentlich sieben afghanische Polizisten getötet worden. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt.
Der Luftangriff geht nach Informationen von "Spiegel Online" auf den Befehl einer Spezialeinheit der US-Armee zurück. Die US-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte seien gemeinsam gegen Taliban-Kämpfer vorgegangen, als sie in der Ortschaft Karghan Tepa im Distrikt Imam Saheb nordwestlich des deutschen Lagers bei Kundus von Taliban angegriffen wurden. Daraufhin hätten sie Unterstützung aus der Luft angefordert. Bei der Bombardierung kamen jedoch statt der Angreifer sieben afghanische Polizisten ums Leben.
Der angeforderte Kampfjet habe eine Rakete auf ein Polizeifahrzeug abgefeuert, sagte der Polizeichef der Region, Hadschub Abdul Kajom, "Spiegel Online". Dabei seien die sieben Polizisten getötet und ein weiterer verletzt worden. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums forderte von den internationalen Truppen in Afghanistan eine rasche Aufklärung des Fehlschlags. Gegenüber "Spiegel Online" sprach er von einem "tragischen Unglücksfall", der nun aufgeklärt werden müsse.
Wie "Spiegel online" aus NATO-Kreisen erfuhr, war die NATO-Truppe ISAF nicht an dem Vorfall beteiligt. Zuvor hatte bereits die Bundeswehr mitgeteilt, deutsche Soldaten seien nicht beteiligt gewesen. Die US-Spezialkräfte, die unter einem anderen Mandat handeln, informieren die Deutschen meist nur grob oder gar nicht über ihre Aktionen im Raum Kundus. Trotzdem besteht laut "Spiegel Online" unter deutschen Offizieren in Kundus die Sorge, dass der US-Fehlschlag am Ende von der Bevölkerung oder örtlichen Behörden fälschlicherweise den Deutschen zugerechnet werden könnte.
Bei einem von dem Bundeswehr-Oberst Georg Klein veranlassten Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklastzüge nahe Kundus waren im September 2009 nach NATO-Angaben bis zu 142 Menschen getötet worden, darunter Frauen und Kinder.
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