Zahlreiche Verletzte: Vier Tote bei schwerer Explosion in San Francisco
zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 18:12San Francisco (RPO). Eine Gasexplosion hat in der Nähe von San Francisco ein Flammeninferno ausgelöst und mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Über 50 Häuser wurden zerstört. Augenzeugen zufolge schoss ein Feuerball rund 300 Meter in die Höhe. Die Menschen flüchteten panisch vor den Flammen. An der gebrochenen Gasleitung entstand ein riesiger Krater. Das Feuer erfasste am frühen Donnerstagabend mehrere Straßenzüge im Viertel San Bruno.
Die Feuerwehr konnte noch keine genauen Angaben zur Zahl der Verletzten machen. Die Krankenhäuser der Bay-Area meldeten 20 Verletzte, von denen einige in kritischem Zustand waren.
Neben 150 bis 200 Feuerwehrleuten waren auch Löschflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Haag sagte, die Einsatzkräfte hätten wegen der Flammen Mühe gehabt, nahe genug an die gebrochene Gasleitung heranzukommen, um sie schließen zu können. Die Flammen reichten auch nach der Explosion noch 30 Meter in die Höhe, als Häuser und Autos niederbrannten. Der stellvertretende Gouverneur von Kalifornien, Abel Madonado, rief den Notstand für das Gebiet aus.
Der Gasversorger Pacific Gas and Electric erklärte, dass es sich um eine ihrer Gasleitungen handele. Sollte ihr Defekt den Brand verursacht haben, werde das Unternehmen die Verantwortung übernehmen. Unternehmenspräsident Christopher Johns sagte später, noch sei der Auslöser der Explosion nicht bekannt.
"Ich weiß nicht, wo ich hingehen soll."
Connie Bushman wohnt in dem betroffenen Gebiet und fand bei ihrer Rückkehr ein brennendes Haus vor. Sie machte sich sofort auf die Suche nach ihrem 80-jährige Vater, fand ihn aber nicht. Ein Feuerwehrmann sagte ihr, er sei gegangen. "Ich weiß nicht, wo mein Vater ist, ich weiß nicht, wo mein Ehemann ist", sagte Bushman. "Ich weiß nicht, wo ich hingehen soll." Eine Augenzeugin berichtete von einem riesigen Knall. "Alles außer dem Erdboden schwankte, deshalb war klar, dass es kein Erdbeben war", sagte die 62-jährige Jane Porcelli, die auf einem Hügel oberhalb des von dem Großbrand betroffenen Viertels wohnt. "Man fühlt sich so hilflos. Ich kann nur dasitzen und zusehen." Eine andere Augenzeugin berichtete, die Hitze sei bereits in drei oder vier Straßenzügen Entfernung fühlbar gewesen. "Ich habe Familien im Hof nebenan gesehen, die ihre Kinder gepackt und zugesehen haben, dass sie sie rauskriegen."
Haag sagte, mehr als 100 Menschen seien in Notfallunterkünften untergekommen. Feuerwehrsprecher Charlie Barringer erklärte, beim Eintreffen der Einsatzkräfte hätten die Flammen den Stadtteil bereits erfasst, obwohl die Wache nur wenige Straßen entfernt sei. Wegen der Explosion sei die Wasserversorgung zusammengebrochen, so dass die Feuerwehr das Wasser über mehrere Kilometer zum Einsatzort habe pumpen müssen.
Flucht mit dem Bollerwagen
Judy und Frank Serrsseque beluden einen Bollerwagen mit wichtigen Dokumenten, Medikamenten und drei Katzen und flüchteten aus dem Gebiet. Während ihrer Flucht hätten sie viele Menschen gesehen, die sich bemühten, ihren Besitz aus brennenden Häusern zu retten, sagte Judy Serrsseque. "Wir haben alles zusammengepackt und sind einfach geflohen", erklärte sie. "Am meisten fragen wir uns, ob wir noch ein Haus haben, in das wir zurückkehren können."
Notstand ausgerufen
Maldonado, der Gouverneur Arnold Schwarzenegger während dessen Asien-Reise vertritt, rief für den gesamten Bezirk den Notstand aus. Er rechne mit weiteren Opfern, sagte er nach einer ersten Besichtigung der Unglücksstelle dem US-Sender CNN. "Es sieht aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen", berichtete Maldonado. Er habe in vielen Einfahrten verbrannte Autos gesehen: "Das sagt mir, dass viele ihre Häuser nicht verlassen haben, und das macht mir große Sorge."
Augenzeugen berichteten, die Explosion habe einen Krater von der Größe einer mehrspurigen Straßenkreuzung hinterlassen. "Ich hörte einen Lärm wie von einem tief fliegenden Flugzeug, dann wackelte plötzlich das Haus", sagte Tina Diloia, die sich während des Unglücks mit ihrem Baby in ihrer Wohnung in San Bruno aufhielt. Sie habe eine zweite Explosion gehört. "Ich ging nach draußen, und es fielen Trümmer vom Himmel." "Es sieht aus, als würde die ganze Bergseite brennen", erzählt die junge Frau weiter. Ein anderer Bewohner berichtete von einem "riesigen Feuerball". "Schlimmer als die Explosion war die Hitze - eine enorme Hitzewelle, die eine Minute lang alle Luft aufsaugte."
Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen und -hubschraubern gelang es den Feuerwehrleuten nicht, die zahlreichen Brände unter Kontrolle zu bringen. In Berichten hieß es, die Flammenhitze habe die Fenster von Feuerwehrwagen zum Schmelzen gebracht. Bürgermeister Jim Ruane bestätigte, dass der Bruch einer 60 Zentimeter breiten Hochdruckleitung Schuld an einem der schlimmsten Brandinfernos in einer amerikanischen Stadt seit Jahren sei.
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