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Todesschütze nannte sich "menschliches Pulverfass"
Schweigeminute für zwei getötete US-Journalisten

Virginia: Schweigeminute für zwei getötete US-Journalisten
Der Angreifer hatte seine Ex-Kollegen mit Schüssen aus nächster Nähe getötet. FOTO: afp, ljm/kb
Roanoke. Nach den Schüssen auf zwei Fernsehjournalisten während einer Live-Sendung in den USA haben die Kollegen der Getöteten 24 Stunden nach dem Angriff vor laufenden Kameras eine Schweigeminute abgehalten. Derweil wurde eine Art Manifest bekannt, das der mutmaßliche Schütze offenbar dem Sender ABC News schickte, bevor er sich selbst erschoss.

Er sei ein "menschliches Pulverfass" gewesen, das nur darauf gewartet habe, "BUMM zu machen", hieß es in dem Text, den ABC nach eigenen Angaben per Fax fast zwei Stunden nach der Schießerei erhielt. Darin beschreibe Flanagan, dass er als Schwarzer und Homosexueller "Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Schikane bei der Arbeit" habe erleiden müssen. Nach dem Attentat in einer Kirche in Charleston im Juni, in der neun Schwarze getötet wurden, sei dies in Wut umgeschlagen.

WDBJ7-Chef Jeffrey Marks wies die Vorwürfe Flanagans zurück. Dieser sei nach "vielen Vorfällen, bei denen seine Wut zum Ausbruch kam", entlassen worden. Das Manifest sei "Unsinn", sagte Marks am Donnerstag in seinem Sender.

Der 41-jährige Flanagan war nach einer Polizeikontrolle am Mittwoch geflüchtet, dabei aber verunglückt und hatte sich nach Polizeiangaben in seinem Auto selbst erschossen. Er war bei einem Live-Interview in einer Morgensendung des Senders WDBJ7 im östlichen US-Bundesstaat Virginia aufgetaucht. Mit Schüssen aus nächster Nähe tötete er Parker und Ward. Das tödliche Drama konnten die Zuschauer live mitverfolgen: Parker interviewte gerade lächelnd in einer Ferienanlage in Moneta eine Frau zum Thema Tourismus, als plötzlich Schüsse und Schreie zu hören waren.

Der mutmaßliche Schütze stellte später Videos von seiner Bluttat ins Internet. Das Twitter-Konto @bryce_williams7, auf dem das Video zu sehen war, wurde nach kurzer Zeit gesperrt. Unter diesem Namen hatte Flanagan für den Sender gearbeitet.

Schwer verletzt wurde bei der Schießerei die Interview-Partnerin des Fernsehteams. Die 62-jährige Vicki Gardner, Leiterin der Handelskammer von Smith Mountain Lake, ging es am Donnerstag nach einer Notoperation offenbar den Umständen entsprechend gut.

Das Weiße Haus in Washington rief nach der Bluttat den Kongress auf, endlich Gesetze zur strengeren Waffenkontrolle zu billigen. "Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich über diese Art von Vorfällen lese oder höre", sagte Präsident Barack Obama einem ABC-Ableger in Philadelphia.

(AFP)
 
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