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Größte Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit: Vor zehn Jahren: Estonia-Katastrophe schockt die Welt

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2004 - 10:06

Düsseldorf (rpo). Der Untergang der Fähre M.S. Estonia in den frühen Morgenstunden des 28. Septembers 1994 markiert die schlimmste Schiffskatastrophe in der europäischen Nachkriegsgeschichte. Wahrscheinlich 852 Menschen ließen in der kalten Ostsee ihr Leben. Die genauen Hintergründe sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Die Fähre war am Vorabend der Katastrophe um 19.15 Uhr vom estischen Hafen Tallinn ausgelaufen und hatte Kurs auf Stockholm genommen. Die Probleme traten kurz nach Mitternacht auf, als massive Wassereinbrüche gemeldet wurden. Das Schiff geriet in Schieflage und setzte gegen 1:20 Uhr den ersten Notruf ab, der von drei finnischen Frachtern aufgefangen wurde. Nur eine halbe Stunde später verschwand die Estonia von den Radarschirmen.

Hoher Seegang - 13 Grad kaltes Wasser

Als die erste finnische Fähre "Mariella" am Unglücksort eintraf, waren wieder 60 Minuten vergangen. Aufgrund der rauen See und des starken Windes gestalteten sich die Rettungsaktion schwierig. Insbesondere das kalte Wasser forderte in kürzester Zeit viele Menschenleben. Es konnten 137 Überlebende geborgen werden. Die Zahl der Opfer kann aufgrund fehlender Passagierlisten nur geschätzt werden - man geht von 852 Menschen aus.

Die Gründe für den Wassereinbruch bleiben rätselhaft. Die Regierungen Schwedens, Estlands und Finnlands riefen eine Expertenkommission zur Untersuchung des Unglücks ins Leben. Im Abschlussbericht gaben die Fachleute die Hauptschuld der Papenburger Meyer Werft, die die Estonia mangelhaft und instabil gebaut haben soll. Neuere Untersuchungen stellten dies immer wieder in Frage.

Sprenglöcher auf Videos entdeckt

Im August 1999 sorgten britische Sprengstoffspezialisten für eine überraschende Wende, als sie auf Unterwasservideos drei Sprenglöcher ausgemacht haben wollten. Die Meyer Werft versuchte in der Folgezeit, das Unglück als Sprengstoff-Attentat darzustellen und erhob scharfe Vorwürfe gegen die Regierungskommission, die versucht haben soll, Indizien vor der Öffentlichkeit zurückzuhalten.

Die Geschichte nahm in der Folgezeit Charakterzüge eines Polit-Thrillers an. Im Jahr 2003 wurde der Stoff mit großem Budget verfilmt. Der Film "Baltic Storm" mit Jürgen Prochnow in der Hauptrolle floppte allerdings an der Kinokasse.


 
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