Verhandlungen über Kompromiss gescheitert: Walfangverbot bleibt bestehen
zuletzt aktualisiert: 23.06.2010 - 16:12Agadir (RPO). Der kommerzielle Walfang bleibt weiter verboten. Die Internationale Walfangkommission (IWC) verwarf am Mittwoch nach zweitägigen Verhandlungen in Marokko einen Kompromissvorschlag zur Einführung von Fangquoten. Demnach sollte das kommerzielle Fangverbot für die Meeressäuger für zehn Jahre aufgehoben werden, und im Gegenzug sollten Quoten festgelegt werden, die unter der Zahl der bis zu 2000 derzeit tatsächlich getöteten Wale liegen sollten.
Der IWC-Vorsitzende Anthony Liverpool sagte am Mittwoch, die Grundpositionen der teilnehmenden Länder lägen weiter sehr weit auseinander. "Nach fast drei Jahren Diskussion stecken unsere Verhandlungen offenbar in einer Sackgasse", sagte die US-Delegierte Monica Medina. Es war unklar, ob bis zum offiziellen Ende des Treffens am Freitag noch informelle Gespräche stattfinden werden. Mehrere Delegationen sprachen sich für eine einjährige Verhandlungspause aus.
Die Vertreter der 88 Teilnehmerstaaten hatten seit Montag in Agadir über einen möglichen Kompromiss zwischen Ländern, die Walfang betreiben, und denen, die Wale strikt schützen wollen, beraten. Die Walfangnationen Japan, Norwegen und Island, die bereits Ausnahmen für sich in Anspruch genommen haben, wollten eine Lockerung des seit 1986 bestehenden Verbots des kommerziellen Walfangs erreichen. Im Gegenzug hatten sie angeboten, niedrigere Fangquoten zu akzeptieren.
Die japanische Walfangbeauftragte Yasue Funayama wies den Walfanggegnern die Schuld am Scheitern der Verhandlungen zu. Ihr Land habe weitgehende Zugeständnisse angeboten, sagte sie. Aber es gebe Länder, die sich gegen das Töten auch nur eines einzigen Tieres sperrten. Japan, Norwegen und Island fangen jährlich bis zu 2000 Wale, offiziell zu Forschungszwecken.
Umweltschützer machen Japan für Scheitern verantwortlich
Der Vorschlag der Japaner sah vor, dass sie für fünf Jahre jeweils 400 Wale in den vom IWC festgelegten Walschutzgebieten im Südpolarmeer hätten fangen dürfen. Im Jahr 2009 hatte Japan sich selbst eine Quote von 900 Tieren auferlegt, die es aber wegen des Widerstands von Walfanggegnern nicht ausschöpfen konnte. Australien und eine Reihe lateinamerikanischer Länder hätten auf einem vollständigen Walfangverbot im Antarktischen Ozean bestanden, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Island habe sich auch gegen jeden Versuch gewehrt, den Handel mit Walfleisch einzuschränken.
Umweltschützer machten Japan für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. "Wenn Japan sich bereiterklärt hätte, sich aus den Schutzgebieten zurückzuziehen, hätten die Chancen für eine Einigung gut gestanden", sagte Wendy Elliott von der Tierschutzorganisation WWF.
Das Moratorium von 1986 lässt zahlreiche Ausnahmen zu. So ist beispielsweise der Walfang zu "wissenschaftlichen Zwecken" erlaubt. Kritikern zufolge ist das aber nur ein Vorwand für den kommerziellen Walfang. So hat Japans ungezügelte Jagd aus angeblich wissenschaftlichem Interesse samt erlaubter Verwertung der gejagten Tiere laut IWC dazu geführt, dass derzeit mehr Wale in Sushi-Bars landen als in Laboratorien von Forschern. Seit Inkrafttreten des Moratoriums wurden nach Angaben des Animal Welfare Institute in Washington etwa 33.600 Wale getötet.
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