Furchtbares Leid in Birma: Warum spendet niemand?
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 15.05.2008 - 13:06Düsseldorf (RPO). Der Zyklon Nagris hat furchtbares Leid über die Menschen in Birma gebracht. Ein Vergleich mit dem Tsunami aus dem Dezember 2004 ist gerechtfertigt. Dennoch gehen bei den Helfern kaum Spenden ein. Viele Menschen glauben, dass ihre Gelder nicht bei den Bedürftigen ankommen. Ein fataler Irrtum.
Jetzt appellieren die deutschen Hilfsorganisationen an die Bundesbürger. Bislang ist es im Vergleich zum Tsunami in Südostasien nicht einmal ein Zehntel. Damals spendeten die Deutschen 3,6 Millionen Euro. Für Birma waren nach Angaben der Aktion Deutschland Hilft, einem Zusammenschluss von zehn Organisationen, bis Mitte der Woche gerade einmal 250.000 Euro zusammengekommen.
Das bisherige Spendenaufkommen sei gering und nicht vergleichbar mit ähnlichen Katastrophenfällen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, dem NDR.
Die Gründe, warum die Deutschen nicht spenden, liegen auf der Hand.
Die politische Lage: Birmas Regierung behindert die Hilfsorganisationen. Ausländische Helfer dürfen gar nicht oder nur unter Auflagen ins Land. Das Militär beschlagnahmt Hilfslieferungen, heißt es in einigen Berichten.
Die Medien: Sudan, Äthiopien, Tsunami. Immer wieder zeigt sich, dass es Bilder braucht, um das Leid und das Elend begreifen zu können. Ohne eine entsprechende Berichterstattung bleibt für viele Menschen die Not in Burma eine abstrakte Größe.
Die Überforderung: Nur wenige Tage nach Burma bebte in China die Erde. Auch dort sterben Menschen, auch dort herrscht das nackte Elend. Eine Inflation des Leids. Zu viel für viele Menschen.
Die Hilfsorganisationen stemmen sich gegen den Eindruck, sie stünden in Birma vor verschlossenen Toren. Sie sind alles andere als hilflos. Aber die Hilfe muss schnell geschehen, sonst droht eine zweite Todeswelle. Sie werben um unser Vertrauen.
Die Malteser können nach eigenen Angaben auf ein erfahrenes Team zählen. Was viele nicht wissen: Die Ärzte, Krankenschwestern, Wasserbauingenieure und Nothilfe-Experten der Organisation stammen aus dem Inland. Die Organisationen arbeiten schon lange mit ihnen zusammen. Durch sie können die Spendengelder die Überlebenden des Zyklons wirklich erreichen, sagen die Hilfsorganisationen. Mit diesem Netzwerk könnten die Malteser, ohne Einmischung der Behörden Hilfsgüter vor Ort einzukaufen und zu verteilen.
Die Caritas ist bereits im Land:. "Unsere einheimischen Mitarbeiter waren ab dem ersten Tag im Einsatz", sagte Caritas-Sprecher Achim Reinke. Sie hätten Leichen geborgen, Wasser gekauft, sowie Decken und Nahrungsmittel für die Überlebenden bereitgestellt. Bei 16.000 Menschen seien bereits Hilfsgüter angekommen.
Die Welthungerhilfe garantiert, dass die Hilfe ankommt. Die ersten Lastwagen seien unterwegs ins Irrawaddy-Delta, heißt es auf der Website der Organisation. 18 Tonnen Hilfsgütern seien auf dem Weg nach Bogale. Viele Straßenabschnitte seien noch immer schwer passierbar. Lokale Mitarbeiter bereiten den Angaben nach am Zielort die sofortige Verteilung der Hilfsgüter vor. "So können wir garantieren, dass unsere Hilfe wirklich bei den notleidenden Menschen ankommt", sagt Angela Schwarz, Regionalkoordinatorin der Welthungerhilfe.
Spenden bei der Welthungerhilfe
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