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Exodus über das Mittelmeer
Was Flüchtlinge zu uns treibt

Exodus über das Mittelmeer: Was Flüchtlinge zu uns treibt
Klicken Sie auf die Grafik, um die Flüchtlingsströme im Detail zu sehen. FOTO: dpa, Ferl
Düsseldorf. Zu Tausenden riskieren sie ihr Leben, um nach Europa zu kommen. Die Tragödie der Toten im Mittelmeer wirft nicht nur ein Licht auf das Versagen europäischer Politik, sondern auch auf die Not von Menschen. Ein Blick auf drei der wichtigsten Herkunftsländer von Flüchtlingen zeigt, wie grausam die geltende Praxis ist, Fluchtwege zu versperren. Von Matthias Beermann

Die weitaus meisten Menschen, die auf illegalem Weg nach Europa kommen, nehmen die Route über das Mittelmeer. UN-Generalsekretär bezeichnete es nach der Tragödie mit vermutlich 900 Toten vor der Küste Libyens als "weltweit tödlichste Route". Auf insgesamt 170.760 Flüchtlinge beziffert die europäische Grenzbehörde Frontex die Zahl der Einwanderer, die versuchen, über die westliche Meeresroute überzusetzen. Die meisten stammen aus Ländern, in denen grausame Bedingungen herrschen. 

Eritrea Unter Menschenrechtlern gilt das Land als "Nordkorea Afrikas". Eritrea ist nicht nur bitterarm, es hat auch eines der repressivsten Regimes der Welt. Rede– und Meinungsfreiheit gibt es praktisch nicht, ebenso wenig wie Versammlungs- und Religionsfreiheit. Eine freie Presse existiert nicht; Rundfunk und Fernsehen unterliegen staatlicher Kontrolle. Die Justiz wird von der Regierung gelenkt, es gibt Sondergerichte. Die innenpolitische und wirtschaftliche und soziale Lage in Eritrea wird seit Jahren vor allem durch den ungelösten Grenzkonflikt mit Äthiopien bestimmt.

Folgen sind eine weitgehende Militarisierung der Gesellschaft. Jeder Eritreer kann von der Schulbank bis zum Greisenalter jederzeit und unbefristet zum Militärdienst verpflichtet werden. Wer sich weigert, landet hinter Gittern. Vor allem auch aus diesem Grund hat die Regierung seit der Unabhängigkeit des Landes 1993 laut Amnesty International mehr als 10.000 Menschen inhaftieren lassen. Deswegen fliehen vor allem junge Männer aus Eritrea.

Syrien Die größte Zahl der Flüchtlinge kommt aus dem Bürgerkriegsland Syrien. In bald vier Jahren hat der blutige Konflikt nach Angaben der Uno mindestens 220.000 Menschen das Leben gekostet. Rund 2,6 Millionen Syrer flohen aus ihrem Land und mehr als neun Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht.

Die Uno bezeichnete die Flüchtlingskrise als die schlimmste seit dem Völkermord in Ruanda in den 1990er Jahren. Die allermeisten syrischen Flüchtlinge finden jedoch in den Nachbarländern Zuflucht. Allein in der Türkei, in Jordanien und im Libanon leben heute insgesamt mehr als zwei Millionen Flüchtlinge.

Somalia Das Land gilt als trauriges Paradebeispiel für einen "gescheiterten Staat". Seit 1991 hat Somalia keine im ganzen Land anerkannte Regierung mehr, es schwelt ein andauernder Bürgerkrieg. Im Norden streben Teile des Landes nach Unabhängigkeit oder haben sich zu autonomen Teilstaaten Somalias erklärt. Im Reste des Landes herrschen lokale Clans, Kriegsherren, islamistische Gruppen oder eine Mischung aus allem.

2011 löste eine Dürre in all dem Chaos eine schwere Hungersnot aus, rund 260.000 Menschen starben. Perspektive auf Besserung sind kaum vorhanden. Auf dem Korruptionsindex nimmt Somalia seit Jahren den letzten Platz ein, die Kriminalitätsrate ist hoch.

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