Rätsel um vermisste Touristin aus Kaarst: Was geschah mit Bärbel A.?
zuletzt aktualisiert: 18.05.2009 - 12:13 Kaarst
Es gebe zwar keinen dringenden Tatverdacht, aber etliche Ungereimtheiten, so die Staatsanwaltschaft. Hans A. wird heute in Frankreich dem Ermittlungsrichter vorgeführt und könnte auf freien Fuß kommen.
Der 65-jährige Hans A. hat in Südfrankreich gestanden, die Geschichte von einem angeblichen Überfall erfunden zu haben. Er habe so den Selbstmord seiner Frau in Deutschland vertuschen wollen. Für die Vortäuschung eines Verbrechens und die dadurch eingeleitete Suche droht ihm neben einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe eine Geldbuße von 7.500 Euro.
Der Fall der am Donnerstag in der Nähe von Tarascon verschwundenen Kaarster Touristin hat gestern Abend eine überraschende Wendung genommen. Die französische Polizei nahm den Ehemann der 59-jährigen Bärbel A., Hans A. (65), in Tarascon fest. Laut Staatsanwalt Robert Gelli von den Justizbehörden in Nimes werde Hans A. der Vortäuschung falscher Tatsachen beschuldigt. Der Sohn des Ehepaares traf am Sonntag in Marseille ein, um sich um seinen Vater zu kümmern.
A. hatte eingeräumt, die Geschichte von einem angeblichen Überfall auf seine Frau erfunden zu haben, um zu vertuschen, dass die 59-Jährige sich in Deutschland das Leben genommen habe. Demnach sei Bärbel A. am 4. Mai aus der Kaarster Wohnung weggegangen und habe einen Abschiedsbrief zurückgelassen. Als Motiv für seine Handlung gab Hans A. an, er habe seinen Kindern die Nachricht vom Selbstmord ihrer Mutter ersparen wollen.
A., der immer noch schwer verletzt im Krankenhaus liegt, hatte das Verschwinden seiner Frau so geschildert, dass die Behörden ihm anfangs Glauben schenkten: Während einer Toilettenpause habe er seine Frau kurz aus den Augen verloren, als er von einem Mann angegriffen und mit Messerstichen schwer verletzt worden sei.
Ein Zeuge hatte den 65-Jährigen schwer verletzt gefunden. Sein Bericht: "Der Mann stand am Straßenrand und benötigte offenbar Hilfe. Er hat stark geblutet und sofort von seiner Frau erzählt und in die Richtung gedeutet, in der der Überfall stattgefunden haben sollte. Ich habe mich kurz umgesehen, aber keinen Verdächtigen entdecken können."
Die Polizei startete sofort eine umfangreiche Suchaktion, in deren Verlauf auch Hunde und Hubschrauber eingesetzt wurden. Taucher suchten in der Rhône nach der vermissten Deutschen. Ein in der Nähe gelegener Kanal wurde leergepumpt. Während es anfangs noch hieß, Hans A. könne sich die Verletzungen unmöglich selbst beigebracht haben, deute der Abbruch der Suchaktion am Samstag bereits darauf hin, dass an der Version des Ehemanns möglicherweise etwas nicht stimmte.
In Kaarst brachen Polizisten die Wohnung der Eheleute auf und durchsuchten die Zimmer. "Danach haben sie den Eingang verplombt", berichtet eine Nachbarin, die nach eigenen Aussagen einen guten Kontakt zu den Eheleuten unterhielt.
Die Polizei wollte von der Mitbewohnerin des 18-Parteien-Hauses wissen, wie das Verhältnis der Eheleute zueinander gewesen sei. "Ich habe den Beamten berichtet, dass sie immer sehr nett zueinander waren und dass ich nie ein lautes Wort aus der Wohnung gehört habe", berichtet die Zeugin.
Nach ihren Aussagen habe die 59-jährige Bärbel A. ihr noch vor kurzem freudig mitgeteilt, dass sie jetzt in Rente sei und daher mehr Zeit habe, ihren Mann auf seinen Reisen zu begleiten. "Bislang fehlt jede Spur von der Vermissten", sagte gestern der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa. "Wir ermitteln auch, ob ein Tötungsdelikt in Frage kommen könnte."
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