Zyklon in Birma: Weltbank leistet keine finanzielle Hilfe
zuletzt aktualisiert: 20.05.2008 - 15:23Singapur/Rangun (RPO). Nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" in Birma muss das Land auf finanzielle Hilfe der Weltbank verzichten. Zwar unterstütze die Weltbank die Planung für den Wiederaufbau, arbeite mit anderen südostasiatischen Ländern zusammen und stelle technische Hilfe für die Schadensermittlung zur Verfügung, wie Weltbank-Direktor Juan Jose Daboub erklärte.
"Aber die Bank kann Birma rechtlich keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, weil es seit 1998 mit der Schuldentilgung im Rückstand ist", sagte Daboub vor Journalisten in Singapur.
Eine Ausnahmeregelung für Birma schloss er aus. Die Militärregierung hat den wirtschaftlichen Schaden durch den Zyklon mit mehr als zehn Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) angegeben. Für Sonntag haben die UN und die Mitglieder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN), deren Mitglied Birma ist, eine Geberkonferenz in Rangun geplant.
In Birma begann am Dienstag eine dreitägige Staatstrauer für die Todesopfer des Zyklons. Im ganzen Land sollten die Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Unterdessen zeigt der Druck auf die Militärregierung offenbar Wirkung: Die Generäle willigten ein, dass Nachbarstaaten die Verteilung von Hilfsgütern an Überlebende der Naturkatastrophe koordinieren dürfen.
Besonders schlecht ist die Lage im tiefliegenden Irrawaddy-Delta, wo die Menschen von Krankheiten und Hunger bedroht sind. Die offizielle Zahl der Opfer liegt bei 78.000. Zusätzlich werden 56.000 Menschen vermisst. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wollte die Region am Mittwoch besuchen.
Treffen mit Ban Ki Moon
Der Chef der Militärjunta in Birma ist zu einem Treffen mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bereit. Wie der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, John Holmes, am Dienstag in Rangun mitteilte, wird Ban vermutlich am Donnerstag Gespräche mit der Regierung führen und zur Einschätzung der Lage in das Katastrophengebiet reisen.
Holmes hielt sich in Birma auf, um die Regierung dazu zu bringen, dass sie internationale Helfer in das Land lässt. Nach UN-Schätzungen brauchen nach dem Zyklon "Nargis" vor zweieinhalb Wochen mindestens 1,4 Millionen Menschen dringend Hilfe. Von den 2,4 Millionen Zyklon-Opfern seien bislang nur 500.000 erreicht worden, erklärten die UN.
Hilfe der besonderen Art
Stattdessen erhalten die Überlebenden des verheerenden Wirbelsturmes in Birma eine ganz besondere Lieferung der Vereinten Nationen: Das UN-Bevölkerungsprogramm kündigte am Dienstag in Bangkok an, rund 220.000 Kondome in das Unglücksgebiet zu schicken. Damit solle den Menschen vor Ort ermöglicht werden, weiter geschützt Sex zu haben.
"Wir wollen nicht, dass der regelmäßige Gebrauch von Verhütungsmitteln unterbrochen wird", sagte UN-Mitarbeiter Chaiyos Kunanusont in Bangkok. "Während einer Katastrophe bedeutet der Zusammenbruch des Gesundheitssystems auch, dass die Menschen keinen Zugang mehr haben zu Kondomen und anderen Verhütungsmitteln." Mit den Kondomen sollen auch Anti-Babypillen und medizinische Hilfsmittel für Entbindungen nach Birma geschickt werden.
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