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Weltjugendtag 2016
Junge Menschen aus der ganzen Welt feiern in Polen

Weltjugendtag 2016 in Krakau: Junge Menschen aus aller Welt feiern
Der Weltjugendtag 2016 in Krakau wurde am Dienstag eröffnet. Mehr als eine halbe Million Gläubige haben sich für die nächsten Tage angekündigt. FOTO: dpa, gj lb
Krakau. Vieles in der katholischen Kirche gilt selbst vielen Gläubigen als starr und überkommen. Dass es auch anders geht, zeigen die Weltjugendtage. Vorhang auf für Krakau 2016.

Sie lachen, sie machen Selfies, sie winken und halten stolz ihre Nationalfahne in die Höhe: "Brazil, Brazil", rufen sie einer anderen bunten Gruppe zu, die um eine Antwort nicht verlegen ist: "Italia, Italia". Rosane, Maria und die anderen sind aus Brasilien ins südpolnische Krakau gekommen, um mit jungen Katholiken von allen Kontinenten den Weltjugendtag zu feiern.

Mehr als eine halbe Million Pilger aus 187 Staaten haben sich für das sechstägige Mega-Event der Kirche, zu dem am Mittwoch dann auch Papst Franziskus erwartet wird, angemeldet. Womöglich werden es am Ende 1,5 Millionen sein - wer will das schon genau sagen.

Gemeinsam für den Frieden

"Wir sind nicht nur hier, um Franziskus zu sehen", sagt die 21-jährige Rosane, die in Minas Gerais lebt, einem Bundesstaat im Osten Brasiliens. "In dieser Welt, wo so viele verrückte Dinge geschehen, sollten wir alle gemeinsam unsere Kraft einsetzen für ein Ziel einsetzen: Einfach Frieden."

Und schon zum Start des WJT zeigen die Teilnehmer, dass das für sie nicht nur Worte sind. Auf dem Plac Mariacki, dem Hauptmarkt in der pittoresken Krakauer Altstadt, ist schon am Dienstagmittag ein riesiges Fest des Friedens und der Gemeinschaft im Gange.

Teilnehmer aus Kolumbien, USA, Polen und dem Libanon

Die Herkunft der jungen Pilger, die teils singend und laut jubelnd umherziehen, ist an ihren Fahnen zu erkennen: Kolumbien, USA, Irland, Südkorea, Argentinien, Polen, Ukraine, Russland, Libanon - die Welt trifft sich in Krakau. Und die Jugendlichen tauschen sich aus, führen spontan gemeinsam Tänze auf, umarmen sich. So schön kann Kirche sein.

"Das ist ein Wahnsinn hier, es ist fantastisch, dieses Gemeinschaftsgefühl zu erleben", sagt Maximilian, der mit der Studentengemeinde aus Dresden angereist ist. "Glaube kann viel bewegen." Die jungen Sachsen sind in Gastfamilien untergebracht und bekommen so noch einmal ganz andere Einblicke in das Leben im Nachbarland.

Eine etwas längere Anreise hatte eine Gruppe aus Speyer, die mit dem Bus 15 Stunden bis Krakau unterwegs war. "Natürlich wollen wir Papst Franziskus erleben", sagt Matthias, der mit seinen 29 Jahren den Altersdurchschnitt der WJT-Teilnehmer etwas hebt. "Aber es ist auch klasse, die verschiedenen Nationen zu erleben, neue Leute kennenzulernen." Eine neue Erfahrung haben die Speyerer schon gemacht, denn sie wohnen in einem Kloster vor den Toren Krakaus. "Da gibt es viele junge Mönche", schildert Peter (27). "Das kennt man von zu Hause ja eher nicht."

Wichtiges Ereignis für Polens Regierung

Für die nationalkonservative Regierung Polens, der die EU wegen umstrittener Reformen einen Abbau von Rechtsstaatlichkeit vorwirft, ist der WJT ein extrem wichtiges Ereignis und eine Chance, Weltoffenheit zu zeigen. "Wir wollen, dass dieses junge, moderne Polen die Welt während des WJT verzaubert", kündigt Regierungschefin Beata Szydlo in Krakau an. Jeder WJT-Teilnehmer solle "fasziniert" von ihrem Land zurückkehren.

Dafür investiert Polen eine Menge, vor allem in die Sicherheit. Mindestens 25.000 Polizisten, Soldaten und Rettungskräfte sollen dafür sorgen, dass den WJT-Teilnehmern und dem Papst, der am Mittwoch einschwebt, nichts passiert. Sie zeigen im Getümmel der Pilger sichtbar Präsenz, teils tragen die Beamten automatische Waffen. Die Freigelände für die großen Messen mit Franziskus im Blonia Park oder dem Campus Misericordiae außerhalb Krakaus, auf denen große Altare aufgebaut wurden, gleichen Hochsicherheitszonen. Immer wieder kreisen Hubschrauber über der Stadt.

Gerade Pilger aus Frankreich oder Deutschland haben in diesen Tagen natürlich die Bilder aus Nizza, München oder Ansbach im Kopf. "Aber wir lassen das jetzt nicht zu nah an uns ran", sagt Julia (23) aus Dresden. "Wir wollen hier ein friedliches Fest feiern."

(lai/dpa)
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