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Abschlussmesse des Weltjugendtages in Krakau
Papst predigt gegen Hass und für neue Menschlichkeit

Papstmesse zum Abschluss des Weltjugendtages 2016 in Polen
Papstmesse zum Abschluss des Weltjugendtages 2016 in Polen FOTO: dpa, ukit pt
Krakau/Brzegi. Mit einer Papstmesse unter freiem Himmel vor einem Millionenpublikum ist der 31. Weltjugendtag in Krakau zu Ende gegangen. Der Vatikan sprach von 1,5 Millionen Teilnehmern. 

Hunderttausende Menschen aus mehr als 180 Ländern hatten sechs Tage lang in der zweitgrößten Stadt Polens gefeiert und gebetet, begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen. Mehr als 38.000 Sicherheitskräfte waren nach offiziellen Angaben alleine für die Abschlussmesse in Brzegi südöstlich von Krakau aufgeboten worden.

In dem Gottesdienst bei sommerlichem Wetter ermutigte das 79-jährige Kirchenoberhaupt die Jugendlichen zu Selbstvertrauen und zur Überwindung von Vorurteilen und falscher Scham. "Gott liebt uns so, wie wir sind, und keine Sünde, keine schlechte Angewohnheit, kein Fehler bringt ihn davon ab."

Wie in den Vortagen drängte Franziskus die Gläubigen, für eine neue Gesellschaft des Dialogs und gegen Hass und Ressentiments einzutreten. An dem Gottesdienst nahmen auch Staatspräsident Andrzej Duda und weitere polnische Spitzenpolitiker teil.

Papst Franziskus beim Weltjugendtag 2016 FOTO: afp, JKL

Bereits am Samstag hatten sich auf dem Gelände nach Vatikanangaben weit über eine Million Menschen zu einem Abendgebet eingefunden und unter freiem Himmel übernachtet. Viele blieben die Nacht hindurch auf dem "Feld der Barmherzigkeit" wach, sangen und feierten.

Franziskus rief die Jugendlichen auf, Vorreiter für ein Zusammenleben der Kulturen zu sein. Eine Syrerin berichtete in bewegenden Worten über Not und Leid, aber auch Hoffnung in ihrem Land. Der Papst und die Jugendlichen beteten in Stille für Opfer von Kriegen und Konflikten.

Unter dem Eindruck von Attentaten in Deutschland und anderen Staaten sowie der tödlichen Geiselnahme in einer französischen Kirche waren die Themen Terror und Gewalt ohnehin auf dem Weltjugendtag präsent – unter anderem bei Pilgern aus Frankreich und Bayern. Der Papst setzte auch die Flüchtlingskrise auf die Agenda. Gleich zu Beginn seines Polenbesuchs hatte er vor Staatspräsident Duda, Regierungsvertretern und Diplomaten Respekt vor der Würde der Person auch im Umgang mit Migranten verlangt.

Weltjugendtag 2016: Papst Franziskus fährt Straßenbahn FOTO: dpa, ukit lb

"Islam ist nicht gewalttätig"

Den Islam als "terroristisch" zu bezeichnen, sei "nicht gerecht und nicht wahr", sagte Franziskus. Zuvor war er gefragt worden, warum er niemals den Begriff "Islam" verwende, wenn er extremistische Taten wie die Ermordung eines französischen Priesters in der vergangenen Woche verurteile.

Jede Glaubensrichtung habe eine "kleine Gruppe von Fundamentalisten", sagte der Papst. Wenn er über einen gewalttätigen Islam spreche, müsse er auch über einen gewalttätigen Katholizismus sprechen, denn auch Katholiken töteten, befand er.

Während einer Kreuzwegandacht hatte der Papst vor Hunderttausenden explizit syrische Flüchtlinge willkommen geheißen. Der Weltjugendtag erreichte auch das Kriegsland: Rund 1200 Jugendliche waren nach Angaben der Weltjugendtags-Veranstalter für zwei Tage in Aleppo zusammenkommen, um dort den Weltjugendtag gleichzeitig mit den jungen Leuten in Polen zu feiern.

Für viele Teilnehmer war der Weltjugendtag vor allem ein buntes und internationales Glaubensfest. Sie zogen in großen Gruppen singend und Fahnen schwenkend durch die abgesperrten Straßen in und rund um die Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Sie nahmen an Glaubensgesprächen teil, tanzten bei Freiluftkonzerten und knüpften neue Bekanntschaften. Der Weltjugendtag stand unter dem Leitwort "Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden".

(das/KNA)
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