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Westjordanland
Israelis töten zwei Palästinenser nach Protesten gegen Wohnungsabrisse

Westjordanland: Israelis töten erneut zwei Palästinenser
Die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern im Westjordanland gehen weiter. FOTO: ap
Kalandija. Israelische Soldaten haben erneut zwei Palästinenser erschossen. Der Vorfall ereignete sich bei Protesten im besetzen Westjordanland. Die Schüsse fielen, als Soldaten mit dem Abriss der Wohnung eines palästinischen Attentäters begannen und damit Proteste auslösten.

Bei heftigen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Palästinensern haben israelische Soldaten am Montagmorgen im Westjordanland mindestens zwei Palästinenser erschossen. Die israelische Armee sprach sogar von drei tödlich Getroffenen. Die Schüsse fielen, als Soldaten nördlich von Jerusalem mit dem Abriss der Wohnung eines mutmaßlichen palästinensischen Attentäters begannen und damit heftige Proteste auslösten.

Nach Angaben der israelischen Armee eröffneten die Soldaten bei den Auseinandersetzungen im Flüchtlingslager Kalandija das Feuer mit scharfer Munition, als sie selbst beschossen worden seien. Hunderte protestierende Palästinenser warfen demnach zudem Steine und Brandflaschen auf die Soldaten. Während Armeesprecher Peter Lerner mitteilte, drei gewalttätige Demonstranten seien tödlich verletzt worden, bestätigte das örtliche Krankenhaus den Tod von zwei Palästinensern.

Es handelte sich demnach um einen 28 Jahre alten dreifachen Familienvater und einen 21-Jährigen. Zu ihrer Beerdigung strömten hunderte Menschen zusammen. Dabei gab es erneut Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten.

Studie: Statt Abschreckung nur neue Gewalt

Die in der Nacht mit Sprengstoff zerstörte Wohnung liegt in der zweiten Etage eines Mehrfamilienhauses, das evakuiert wurde. Auch benachbarte Wohnungen seien dabei beschädigt worden, sagten Bewohner. In der zerstörten Wohnung lebte demnach mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern ein 30-jähriger Palästinenser, der am 19. Juni einen israelischen Wanderer aus der Küstenstadt Lod im Westjordanland getötet haben soll. Ein weiterer Ausflügler wurde damals verletzt. Der Tatverdächtige war Mitte Juli festgenommen worden, ein Urteil steht noch aus.

Seit Anfang Oktober ist die Lage in Israel und den Palästinensergebieten äußerst angespannt. Vor allem im annektierten Ost-Jerusalem und im besetzten Westjordanland gab es zahlreiche Attacken von Palästinensern auf Israelis. Als Reaktion darauf hat die Regierung entschieden, Häuser oder Wohnungen von palästinensischen Attentätern als Strafmaßnahme abzureißen, was die Spannungen weiter erhöhte. Die Aktionen sind umstritten. Außerdem ergab eine Studie der Armee, dass sie statt Abschreckung nur neue Gewalt provozieren.

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) verurteilte die Abrisse erneut als "Form der Kollektivstrafe". Bei den Abrissaktionen der vergangenen Tage hätten rund 20 Menschen, darunter acht Kinder, ihr Zuhause verloren.

Verteidigungsminister Mosche Jaalon verteidigte am Montag "das professionelle Vorgehen unserer Truppen". Er kündigte an, weitere Attentäter-Wohnungen sollten zügig abgerissen werden. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sagte Jaalon, um den Abriss ihrer Wohnung zu verhindern, informierten Palästinenser mittlerweile die israelische Behörden über Attentatspläne und lieferten ihre Kinder aus.

Zwölf Israelis und 83 Palästinenser seit Oktober getötet

Am Samstag hatte die Armee in Nablus drei und nahe Ramallah ein Haus als Strafmaßnahme zerstört. Auch dies löste Proteste aus, bei denen neun Palästinenser verletzt wurden.

Insgesamt wurden seit Anfang Oktober zwölf Israelis bei Anschlägen getötet. Im Zuge der Unruhen, die auch auf das Grenzgebiet zum palästinensischen Gazastreifen übergriffen, wurden im gleichen Zeitraum 83 Palästinenser erschossen, darunter ein arabischer Israeli. Dabei handelte es sich in der Mehrheit um erwiesene oder mutmaßliche Attentäter, die dutzende Angriffe mit Messern und in Einzelfällen auch mit Schusswaffen verübten.

Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in den Palästinensergebieten, Makarim Wibisono, und der UN-Experte Christof Heyns kritisierten am Montag in Genf Fälle "exzessiver Gewaltanwendung durch israelische Truppen gegen Palästinenser". Dazu zählten Berichte, die möglicherweise auf "Massenhinrichtungen" hindeuteten. Die UN-Vertreter forderten unabhängige Untersuchungen der Vorwürfe sowie ein "Ende der Gewalt aller und strikte Befolgung internationalen Rechts".

(AFP)
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