Unwetter auf Rock-Festival in Belgien: Wetterdienst: Veranstalter hätte gewarnt sein müssen
zuletzt aktualisiert: 19.08.2011 - 14:31Hasselt (RPO). Die Verantwortlichen des Pukkelpop-Musikfestivals im belgischen Hasselt hätten den Tod der Festivalbesucher möglicherweise verhindern können. Durch ein heftiges Unwetter am Donnerstagabend waren bei einem Rock-Festival im Norden Belgiens fünf Menschen ums Leben gekommen. Zehn weitere Menschen wurden schwer verletzt.
Mittlerweile haben die Organisatoren das Pukkelpop-Festival abgesagt. Am Donnerstagaben waren durch ein Unwetter zwei Bühnen eingestürzt. Die traurige Bilanz der Tragödie seien fünf Todesopfer, sagte die Bürgermeisterin von Hasselt, Hilde Claes. Es handelte sich ausschließlich um Belgier. Die Polizei führte aus, dass zehn Menschen schwer verletzt worden seien. Drei von ihnen, ein Belgier und zwei Niederländer, schwebten in Lebensgefahr. Nach dem Unwetter seien insgesamt 140 Menschen medizinisch behandelt worden.
Entgegen der Aussagen der Stadt Hasselt und der Festivalveranstalter, das Unwetter sei völlig überraschend gekommen, hatte nach Informationen unserer Redaktion der Wetterdienst Meteomedia bereits um 17.25 Uhr Uhr eine Akutwarnung der zweithöchsten Stufe (rot) und um 18.20 Uhr (violett) herausgegeben.
Das Unwetter dauerte eine Viertelstunde und brachte zwei Bühnen zum Einsturz. Mindestens eine davon krachte auf Besucher der Freiluft-Veranstaltung. Auch Metallanlagen und Großleinwände stürzten zu Boden, mehrere Bäume wurden entwurzelt. Ein Zelt, in dem die Gruppe Smith Westerns spielte, und in das sich Rockfans geflüchtet hatten, brach zusammen.
"Es herrschte absolute Verwirrung"
"Der Himmel war völlig schwarz. Auf einmal riss er auf und entfachte einen unglaublichen Sturm", berichtete eine Besucherin des Festivals der Zeitung "Le Soir". "Das war wie ein Weltuntergang. " Der 17-jährige Matthias Vannievwenhuyze sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Ich war unter einem Partyzelt, als es zusammenbrach. Wir mussten um unser Leben rennen." Hagelkörner von der Größe eines Golfballs seien vom Himmel gefallen und die Menschen seien in Panik geraten.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah verwüstete Getränkebuden und Imbissstände, ein großes Essenszelt lag flach auf dem Boden. Eine Festivalbesucherin wurde Augenzeugin des Zelteinsturzes: "Es herrschte absolute Verwirrung, Massenpanik", berichtete die 17-jährige Laura Elegeert. Menschen hätten versucht, sich mit Taschenmessern den Weg durch die Zeltbahn hindurch ins Freie zu schneiden.
Nach dem Unwetter glich das Gelände einem mit Matsch überzogenen Schlachtfeld. Zahlreiche Angehörige von Besuchern aus Belgien und den Niederlanden drängten sich rund um das Festivalgelände.
Festival abgesagt
Nach dem Unglück hatten die Organisatoren des Musikereignisses zunächst überlegt, ob sie das Wochenend-Programm aufrechterhalten. Am Morgen erfolgte schließlich die Absage: "Wir können uns nicht dazu entscheiden, das Festival fortzusetzen", hieß es in einer Erklärung. Eigentlich hatte die Veranstaltung bis Samstag dauern sollen.
Das Pukkelpop-Festival lockt jedes Jahr zehntausende Menschen nach Kiewit bei Hasselt. Dieses Jahr sollten unter anderem der US-Rapper Eminem und die Rockband Foo Fighters auftreten, schätzungsweise 60.000 bis 65.000 Besucher waren angereist. Um eine zügige Abreise der Besucher zu ermöglichen, wurden zusätzliche Busse und Züge eingesetzt. Auf Großleinwänden wurden die Menschen aufgefordert, das Gelände zu verlassen.
Noch in der Nacht besuchte Belgiens Regierungschef Yves Leterme den Unglücksort, um den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl auszudrücken. Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso richtete eine Kondolenzbotschaft an die Betroffenen. Er habe "mit großer Traurigkeit" von dem Unglück erfahren, erklärte er am Freitag in Brüssel.
Bereits vor einem Jahr hatten zwei Tragödien das Pukkelpop überschattet: Ein Toningenieur starb an den Folgen eines Herzinfarkts, und der Sänger einer Rockgruppe stürzte sich nach dem Konzert seiner Band von einem Mast in den Tod.
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